Freundschaft, Partnerschaft und Familie

 


Projekt: Freundschaft, Partnerschaft und Familie – Normative Vorstellungen junger Männer und Frauen mit Migrationserfahrung

Laufzeit: 01.10.2018 – 31.12.2020

Projektteam: Prof. Dr. Magdalena Nowicka (Projektkoordination), Laura Juds (studentische*r Mitarbeiter*in)

Ehemalige Projektmitarbeiter*innen: Dr. Katarzyna WojnickaDr. Rosa Brandhorst


 

Inhalt und Fragestellung

Wenige Studien geben erste Einblicke in Lebenslagen und Einstellungen Jugendlicher mit Migrationshintergrund bezüglich Freundschaft und Partnerschaft, der Struktur ihrer Freundschaftsnetzwerke oder Freizeitaktivitäten. Im öffentlichen Diskurs werden vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund häufig mit Gewalt, Devianz, religiösem Fanatismus, Bildungsmisserfolg, problembelasteten Familien und patriarchalen Geschlechterverhältnissen konnotiert. Es fehlt an Forschung, die systematisch die Vorstellungen und Praktiken von Freundschaft, Partnerschaft und Familiengründung untersucht und den negativen Stereotypen mit soliden empirischen Ergebnissen entgegenwirkt. Diese Studie soll erforschen, welche normativen Vorstellungen und Lebensentwürfe junge Männer und Frauen mit Migrationserfahrung bezüglich Freundschaft, Partnerschaft und Familie haben, ob diese von den Wünschen ihrer Eltern und Familien abweichen und ob und ggf. wie sich diese während der Sozialisation in Deutschland ändern. Wichtige Fragen sind:

 

  • Wie sind ihre Vorstellungen hinsichtlich einer guten Freundschaft/Partnerschaft?
  • Inwieweit ist das überwiegende Klischee von klaren Geschlechterrollen unter Jugendlichen mit Migrationserfahrung noch gültig?
  • Inwieweit ist Religiosität als individueller Glaube und eine religiöse Ausrichtung Bestandteil ihres Alltags?
  • Welche Zukunftswünsche bezüglich Bildung und Karriere sowie möglicher Rück-/Weitermigration haben sie und welche Rolle spielen dabei Familie, Partnerschaft und Freundschaft?
  • Ziel der Studie ist, die Vielfältigkeit von Lebensentwürfen junger Männer und Frauen mit Migrationserfahrung zu verstehen, um darauf basierend zielgruppenorientierte Maßnahmen entwickeln zu können sowie Instrumente zur Messung der Integration der Jugendlichen in symbolisch-kultureller Dimension zu entwickeln. Nicht zuletzt soll die Studie eine Datengrundlage liefern, die an die aktuelle Männlichkeitsforschung anschließt und diese gleichzeitig kritisch hinterfragt.

Methodik

 

Die Studie hat einen explorativen Charakter und basiert auf Fokusgruppen-Interviews und individuellen Interviews mit Jugendlichen. Die Teilnehmer*innen wurden in Einrichtungen der Jugendarbeit und in Jugendfreizeitclubs in Berlin rekrutiert. Die individuellen Interviews orientierten sich an einem Leitfaden. Die Fokusgruppendiskussionen folgten einem Skript und umfassten den Einsatz von Filmausschnitten, die die Narration der Teilnehmer*innen fokussierten und unterstützten. Als Auswertungsmethode ist thematisches Kodieren vorgesehen.

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Aktueller Stand 

 

Zwischen September und Dezember 2018 wurde die relevante Literatur recherchiert und analysiert. Von Januar bis April 2019 wurden die Erhebungsinstrumente entworfen und getestet, datenrechtliche Fragen geklärt sowie der Zugang zur Zielgruppe gesichert. Die individuellen Interviews (30) und vier Fokusgruppen-Interviews fanden zwischen Mai und September 2019 statt.

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Weitere Arbeitsschritte 

 

In der nächsten Projektphase bis Ende Dezember 2019 werden alle transkribierten Interviews mithilfe des Programms Maxqda kodiert. Die Interpretationsphase der Daten ist ab Januar 2020 geplant. Für Dezember 2019 ist ein Workshop vorgesehen, in dem Jugendliche ihre Vorstellungen bildlich darstellen. Diese werden in anonymer Form zu Piktogrammen zusammengefasst und dargestellt. Anschließend sollen die Ergebnisse des Projekts in Form einer mit Teilnehmer*innen organisierten Ausstellung/Online-Plattform präsentiert werden. Des Weiteren werden die Ergebnisse in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht (Men and Masculinities, Gender and Society, Gender, Place and Culture, Youth Culture). Für die deutschsprachige Leser*innenschaft ist die Veröffentlichung einer DeZIM Research Note und Briefing Note im Frühjahr 2020 vorgesehen.

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Abteilung Integration

PROJEKT: Revis(ualis)ing Intersectionality, gefördert durch die Volkswagenstiftung
PROJEKT: Thüringer Zuwanderungs- und Integrationsbericht, im Auftrag der Landesregierung des Freistaats Thüringen