Freundschaft, Partnerschaft und Familie

 


Projekt: Freundschaft, Partnerschaft und Familie – Normative Vorstellungen junger Männer und Frauen mit Migrationserfahrung

Beginn: 1.10.2018

Dauer: 24 Monate

Mitarbeiter: Dr. Katarzyna Wojnicka (Projektleitung), Laura Juds


 

Inhalt und Fragestellung

Wenige Studien geben erste Einblicke in Lebenslagen und Einstellungen Jugendlicher mit Migrationshintergrund bezüglich der Freundschaft und Partnerschaft, u.a. über die Struktur deren Freundschaftsnetzwerke oder Freizeitaktivitäten.  In dem öffentlichen Diskurs werden junge Männer mit Migrationshintergrund noch stark mit Gewalt, Devianz, religiösem Fanatismus, Bildungsmisserfolg, problembelasteten Familien- und Geschlechterverhältnissen konnotiert. Es fehlt an Forschungen, die systematisch die Vorstellungen und Praktiken der Freundschaft, Partnerschaft und Familiengründung untersuchen und somit den negativen Bildern mit soliden empirischen Ergebnissen entgegenwirken. Diese Studie soll erforschen, welche normativen Vorstellungen und Lebensentwürfe junge Männer und Frauen mit Migrationserfahrung bezüglich Freundschaft, Partnerschaft und Familie haben, ob diese von den Wünschen ihrer Eltern und Familien abweichen und wie sich diese während der Sozialisation in Deutschland ändern. Wichtige Fragen sind:

  • Wie sind ihre Vorstellungen hinsichtlich einer guten Freundschaft/Partnerschaft?
  • Wieweit ist das überwiegende Klischee von klaren Geschlechterrollen unter Migrantenjugendlichen noch gültig?
  • Wie weit ist Religiosität als individueller Glaube und eine religiöse Ausrichtung Bestandteil ihres Alltags?
  • Welche Zukunftswünsche bezüglich Bildung und Karriere sowie möglicher Rück/Weitermigration haben sie und welche Rolle spielen dabei Familie, Partnerschaft und Freundschaft?

Ziel der Studie ist, die Vielfältigkeit von Lebensentwürfen junger Männer und Frauen mit Migrationserfahrung zu verstehen, um darauf basierend zielgruppenorientierte Maßnahmen entwickeln zu können, sowie Instrumente für Messung der Integration der Jugendlichen in symbolisch-kultureller Dimension zu entwickeln. Nicht zuletzt sollte die Studie eine Datengrundlage bieten, die an die bereits vorhandene Männlichkeitsforschung anschließt und diese gleichzeitig kritisch hinterfragt.

Methodik und Arbeitsschritte

Die Studie hat einen explorativen Charakter und basiert auf Fokusgruppen und individuellen Interviews mit Jugendlichen sowie Methoden aus der visuellen Ethnographie (social media-based online diaries, Analyse der Bilder/Selfies der Jugendlichen usw.). Teilnehmer*innen der Studie werden mit Hilfe der MSOs, Jungenzentren und lokalen Organisationen an ausgewählten Orten gefunden. Das Sample wird nach dem Prinzip der maximalen Differenzierung ausgewählt, um Dimensionen wie Dauer des Aufenthalts in Deutschland, Herkunftsland, religiöse und ethnische Zugehörigkeit, sozio-ökonomisches Profil der Familie, Typ der Sexualität zu erfassen. Ergebnisse des Projekts sollen anschließend auch in Form einer mit Teilnehmer*innen organisierten Ausstellung/online Plattform präsentiert werden.