Methodische Herausforderungen in der Integrationsberichterstattung


Projekt: Methodische Herausforderungen in der Integrationsberichterstattung

Projektlaufzeit: 01.01.2021 - 31.12.2021

Projektleitung: Dr. Niklas Harder

Projektmitarbeiter*innen: Samir Khalil


 

Inhalt und Fragestellung

Integrationsberichte und Monitore sind ein beliebtes Instrument um Debatten rund um Migration und Integration in Öffentlichkeit, Medien und Politik zu informieren. Außerdem werden solche Berichte oft verwendet um Integrationskonzepte zu entwickeln oder zu evaluieren. Diese auf den ersten Blick neutrale Berichterstattung steht allerdings vor verschiedenen methodischen Problemen. Durch die Arbeit am Thüringer Zuwanderungs- und Integrationsbericht sowie der Arbeit am 1. Bericht zum indikatorengestützten Integrationsmonitoring ist das DeZIM mit den verschiedenen Herausforderungen vertraut, die beim Verfassen von Integrationsberichten entstehen. Ziel dieses Projektes ist es, die erkannten Probleme und mögliche Lösungen gesondert zu illustrieren und durch einzelne Publikationen der Allgemeinheit zugänglich zu machen. So soll der Standard in der Integrationsberichterstattung insgesamt erhöht werden.
Zwei methodischen Herausforderungen werden im Zentrum des Projekts stehen. Beide ergeben sich aus den Gruppenbildungen und Gruppenvergleichen, die ein zentrales Element der Integrationsberichterstattung sind.

Wissenschaftstheoretisch wird immer wieder postuliert, dass sich Kategorien und Gruppen aus spezifischen Fragestellungen ergeben. Dem entgegen steht die in der Integrationsberichterstattung weit verbreitete Praxis, alle Integrationsfragen anhand einfacher Gruppen wie Deutsche und Ausländer*innen oder Migrationshintergrund und kein Migrationshintergrund zu untersuchen. Wir untersuchen, wie dies zu Fehlschlüssen führen kann und machen Vorschläge, wie je nach Themengebiet und Fragestellung angemessenere Gruppen definiert werden können.

Gegeben der oben erwähnten Gruppen sind Gruppenvergleiche der Kern von Integrationsberichten. Dabei ist zu beachten, dass sich solche Gruppen auf Drittvariablen deutlich unterscheiden können und dies gezeigte Vergleiche stark verzerren kann. Zur Kontrolle dieser Verzerrungen haben sich lineare Regressionen etabliert. Wir zeigen, dass durch die Verwendung von linearen Regressionen neue Probleme entstehen und schlagen Alternative vor, die das Problem der Verzerrung ebenfalls lösen und dabei weniger neue Nachteile mit sich bringen

 


Methodik 

Der erste Schritt bei beiden Forschungsfragen ist eine theoriegeleitete Sekundärdatenauswertung. Um den Effekt verschiedener Gruppendefinitionen zu illustrieren, sollen deskriptive Statistiken aus bereits veröffentlichten Integrationberichten mit geänderten Gruppendefinitionen repliziert werden. Die dadurch entstehenden Unterschiede bilden die Grundlage der anschließenden Diskussion. Zur Frage wie Gruppenvergleiche informativer gestaltet werden können, werden verschiedene Methoden aus der Forschung zu kausaler Inferenz verglichen. Als Referenzwert werden die Ergebnisse von entsprechenden linearen Regressionen herangezogen. Die unterschiedlichen Ergebnisse werden anschließend unter Gesichtspunkten wie Interpretierbarkeit, Flexibilität oder Daten- und Rechenaufwand verglichen.

Der zweite Schritt ist in beiden Fällen eine möglichst breite Diskussion und Kommunikation der Ergebnisse. Zu der Frage der Gruppendefinitionen soll dafür neben der Fachpublikation eine öffentlichkeitswirksame Diskussionsveranstaltung organisiert werden. Bei der Frage nach den angemessenen Methoden für Gruppenvergleiche ist das Erreichen des Fachpublikums wichtiger. Hier soll das Augenmerk auf eine möglichst prominente Fachpublikation gelenkt werden.

mehrweniger

Eigene Veranstaltungen

DeZIM_talk: Hat der Migrationshintergrund ausgedient?

Vom 06.04.2021. Abrufbar hier

mehrweniger