Schätzmethoden und Surveyansätze zur Erforschung Irregulärer Migration

 


Projekt: Schätzmethoden und Surveyansätze zur Erforschung Irregulärer Migration

Beginn: 1.9.2018

Dauer: 2 Jahre (Phase I 6 Monate, Phase 2 18 Monate)

Mitarbeiter: Franck Düvell


 

Inhalt und Fragestellung

Die Erforschung irregulärer Migration, des Ausmaßes sowie der Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten mit fehlenden Aufenthaltstiteln sind eine besondere Herausforderung für die Sozialwissenschaften. Dies liegt zum einen an methodischen Problemen bei der Erfassung und Erforschung verdeckter Populationen sowie damit zusammenhängend dem Mangel an Verfügbarkeit entsprechender Daten. Trotz der enormen Relevanz der mit der irregulären Migration verbundenen Phänomene werden sie in der sozialwissenschaftlichen Forschung bisher vernachlässigt. Einige vorhandene amtliche Datensätze erlauben zwar Rückschlüsse auf das Ausmaß sowie einzelne Formen des illegalisierten Aufenthaltes in aggregierter Form, entsprechende Makro- und Mikrodaten fehlen jedoch weitgehend. Einerseits gibt es wenige Bemühungen, den Umfang der irregulären Migrantenpopulation zu schätzen oder anderweitig festzustellen und die Ergebnisse sind entweder veraltet (Vogel/Kovacheva/Prescott 2011) oder aber weisen eine so große Spannbreite auf (z.B. Vogel 2015), dass sie von nur eingeschränktem Nutzen sind. Andererseits gibt es einige qualitative Studien kleineren Umfangs, denen es in begrenztem Ausmaß gelungen ist, illegalisierte Migrantinnen und Migranten zu befragen. Insgesamt ist der Bedarf an validen und breiteren Datensätzen groß, geeignete Lösungen und Strategien befinden sich aber noch in der Aufbauphase. Eine etwas ältere Veröffentlichung von Jandl (2011) evaluiert die verschiedenen Schätzmethoden. Ein jüngeres vom Population Europe Network bzw. dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung veröffentlichtes Discussion Paper (7/2018) hat zumindest für die Situation in Deutschland einen ersten Überblick über die Datenlage (IAB-BAMF-SOEP Flüchtlingssurvey, Kriminalitätsstatistiken) und den weiteren Forschungsbedarf zusammengestellt. Dieses Projekt untersucht, welche quantitativen Methoden in der Erforschung irregulärer Migrantenpopulationen in Deutschland zur Anwendung kommen könnten, um diese dann zu testen und deren Lebenslagen quantitativ zu erforschen.

Methodik

Zur Erforschung der quantitativen Dimension des Phänomens werden wir eine vom OECD-Demographen entwickelte innovative Methode erproben und in einem rigorosen Peer Review Prozess überprüfen lassen. In der internationalen Forschung haben zudem einige Surveys wichtige Beiträge zur Analyse undokumentierter, irregulärer und unautorisierter Migration geleistet. 2016 wurden in den Annals of the American Academy of Political and Social Science (666:1) entsprechende Arbeiten aus unterschiedlichen Teilen der Welt (vorwiegend Nord- und Südamerika, Europa) veröffentlicht. Dabei kam vor allem der sogenannte Ethnosurvey zum Einsatz; eine Kombination aus qualitativer und quantitativer Befragung. Insbesondere der vertrauliche Interviewkontext macht ihn für Informationen über illegalisierte Aufenthalte geeignet. Er setzt bislang aber vorwiegend in den Sendeländern an. Im Projekt soll untersucht werden, ob der Ethnosurvey in der Lage ist, irreguläre Migrationen und die Lebenssituation von Familien mit illegalisiertem Status zu erfassen. Darüber hinaus prüfen wir die Methode des Respondent Driven Samplings, einem auf der Basis von Zusatzinformationen gewichteten „Schneeballverfahren“, in dem über persönliche oder soziale Netzwerke der Befragten weitere Teilnehmende rekrutiert werden.

Arbeitsschritte

Zunächst werden wir eine neue Methode zur Schätzung der Größenordnung irregulärer Migration testen. Anschließend verfassen wir einen ausführlichen Überblick über survey-gestützte internationale Studien zur irregulären Migration sowie eine Evaluation des Einsatzes von Respondent Driven Sampling-Methoden. In einem dritten Schritt werden wir erst die Erhebungsinstrumente entwickeln und dann eine der möglichen Methoden zur Erforschung der Lebenslagen von irregulären Migrantinnen und Migranten regional testen.