Neuaushandlung lokaler Ordnungen: Migrationsinduzierte Vielfalt, Intergruppenbeziehungen, Konflikte und Integrationsdynamiken im Stadtteil


 

Projektlaufzeit: 2020 bis 2022

Beteiligte Verbundpartner: Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM)

Projektteam:

Projektleitung: Dr. Jörg Hüttermann (IKG), Prof. Dr. Andreas Zick(IKG), Prof. Dr. Andreas Pott (IMIS), Prof. Dr. Naika Foroutan (BIM)
 

Projektmitarbeiter*innen: Johannes Ebner (IKG), Daniel Kubiak (BIM), Hannah Mietke (IKG), Dr. Anna-Lisa Müller (IMIS), Denis van de Wetering (IMIS), Benjamin Zeibig (IKG), Dr. Steffen Zdun (IKG)


Inhalt und Fragestellung

Das vorliegende komparativ-explorative Projektvorhaben widmet sich dem Zusammenleben von „Gruppen“ in ausgewählten, von migrationsbezogener Vielfalt geprägten Stadtteilen Dortmunds, Bonns und Halle an der Saale. Es erforscht, wie die Ordnungen des Zusammenlebens durch lokale Konflikt- und Aushandlungsinteraktionen reproduziert, variiert und verändert werden. Die Auswahl der Untersuchungsstädte erklärt sich aus dem Ziel, sozialräumliche Ungleichheit und unterschiedliche Ausprägungen migrationsbedingter Diversität als Vergleichsdimension zu berücksichtigen. Als Forschungsansatz dient die Verknüpfung von figurationssoziologischer Konfliktanalyse, Negotiated-Order- und Symbolic-Boundary-Making-Ansatz. Damit gelangen nicht nur intendierte manifeste, sondern auch nicht-intendierte präreflexive Aushandlungsvorgänge des lokalräumlichen alltäglichen Interaktionsgeschehens in das Blickfeld. Die Datenerhebung basiert auf Methoden der Sozialraumanalyse und der Urbanen Ethnographie.

Im Einzelnen bearbeitet das Projekt sieben Fragen:

  1. Welche Probleme werden in den betreffenden Sozialräumen wahrgenommen (Generationenkonflikte, Zu- und Abwanderung, abweichendes Verhalten Jugendlicher, Überalterung, Wohnungsleerstand oder -mangel, Familienzerfall, genderbezogene Ungleichheit, Immobilienpreisverfall oder -anstieg etc.)?
  2. Welche der explorierten Probleme werden mit Blick auf Migration bzw. migrationsbezogene Kategorien (Ethnizität, Kultur, Religion, regionale Herkunft, Migrationsgrund) gerahmt? Welche Probleme nicht?
  3. Welche der subjektiv auf Migration bezogenen Probleme werden von Konflikt- und/oder Aushandlungsinteraktionen aufgegriffen? Und wie wirkt sich dies auf das Ensemble der lokalen Konflikt- und Aushandlungsinteraktionen aus?
  4. Was bewirken Konflikt- und Aushandlungsinteraktionen mit Blick auf die Positionierung der verschiedenen wahrgenommenen Gruppen im Stadtteil und in der Gesamtstadt? Welche Auswirkungen haben Konflikt- und Aushandlungsinteraktionen auf Gruppenbildungen und alltagsweltliche Grenzregime im jeweiligen Stadtteil (d.h. Verlauf lokaler Intergruppengrenzen inkl. Grenzübergänge, sich überkreuzende Intergruppengrenzen, Auflösung von Intergruppengrenzen und Intergruppenhierarchien etc.)?
  5. Wirken sich sozialräumliche Bedingungen – Siedlungsgeschichte, baulich-architektonische, infrastrukturelle, lokalpolitische und -kulturelle Besonderheiten – auf Stil, Form und Produktivität von Aushandlungsprozessen in den Stadtteilen bzw. Städten aus? Wenn ja, in welcher Form und in welchem Maße?
  6. Inwiefern harmonieren oder kollidieren lokale Problemlösungen mit als von außen kommend wahrgenommenen Entscheidungen bzw. Akteuren (Infrastruktur relevanter Akteure, einschließlich NGOs und staatliche Institutionen)?
  7. Welche Handlungsempfehlungen lassen sich ableiten?

Das Projekt verfolgt das Ziel, eine Forschungsperspektive und ein Instrumentarium zu entwickeln, um Konfliktdynamiken vor Ort besser zu verstehen. Aus politisch-praktischer Perspektive möchten die Beteiligten dazu beitragen, über vorhandene und zu entwickelnde Integrationspotentiale lokaler Zivilgesellschaften aufzuklären. Auf der Basis dieses Wissens könnten politische Interventionen noch genauer auf die jeweiligen lokalen Kontexte zugeschnitten werden.


Aktueller Stand 

Die Kolleg*innen befinden sich aktuell in allen drei Untersuchungsorten in der Feldforschung (offenes und selektives Codieren). Aktuell geht es vor allem darum, die vor Ort alltagsweltlich relevanten Konflikt- und Aushandlungsthemen zu eruieren.


Weitere Arbeitsschritte

Feldforschung und Datenauswertung im Rahmen der Grounded Theory. (Axiales Codieren)

Pilotprojekt: Forschungskolleg Migration

Das internationale Pilotprojekt „Forschungskolleg Migration“ versteht sich als Diskussionsforum, widmet sich neuen Themenfeldern der Migrationsforschung, identifiziert Forschungslücken und unterstützt die Projektarbeit der DeZIM-Gemeinschaft auf verschiedenen Ebenen.

ReNeEd: Research Needs in Education

ReNeEd – Research Needs in Education – zielt darauf ab, Forschungsbedarfe zur Integrationsforschung im Bildungsbereich aus der Perspektive von pädagogisch Professionellen mit Zuwanderungsgeschichte in formalen und non-formalen Bildungssettings zu ermitteln und zu systematisieren.

DeZIM-Vernetzungsstellen

Ziel der Vernetzungsstellen ist die Identifikation von Forschungslücken, die Entwicklung neuer und innovativer Forschungsperspektiven und die Vermeidung von Doppelforschung durch einen intensiven und systematischen Austausch der beteiligten Einrichtungen.

ExiTT: Exit – Transit – Transformation

Der Hauptfokus von ExiTT wird die Vorbereitung eines groß angelegten Forschungsprojekts sein, das Prozesse der Migration dokumentiert und analysiert.

GeFF: Geflüchtete Frauen und Familien

Das Projekt „Geflüchtete Frauen und Familien“ wird in Kooperation mit dem IAB durchgeführt. In dem Forschungsvorhaben wird die Fluchtmigration von Familien und Frauen untersucht.

RADIKAL: Religiöser Extremismus und Radikalisierung aus migrations- und integrationstheoretischer Perspektive

Ziel des Kooperationsprojektes „RADIKAL“ ist das Verständnis des Zusammenhangs von Migration, Religion und Radikalisierung.

ARBEIT: Die Rolle von Diskriminierung für die Arbeitsmarktintegration von jungen Personen mit Migrationshintergrund

Ziel des Teilprojekts ARBEIT ist es, die Ursachen von Arbeitsmarktnachteilen von Personen mit Migrationshintergrund und den relativen Einfluß von Diskriminierung und anderen Wirkungsfaktoren (z. B. Bildungsunterschiede) zu erforschen.

DeZIM-fdz: DeZIM-Forschungsdatenzentrum

Im Zuge des Strukturprojekts soll die Frage geklärt werden, welche Funktionen ein Datenservice- und Forschungszentrum (DeZIM-fdz) am DeZIM-Institut mittel- bis langfristig erfüllen soll und kann.

Frauen mit Migrationshintergrund im zivilgesellschaftlichen Engagement

Ein relevanter Anteil der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit sind selbst Frauen mit Migrationserfahrung: Laut einer aktuellen Studie sind über 70 % der Ehrenamtlichen in der Zusammenarbeit mit geflüchteten Menschen weiblich und knapp 16 % haben Migrationserfahrung