Engagement für und gegen Geflüchtete in Deutschland:

DeZIM-Studie zeigt ambivalente Entwicklungen für das Jahr 2022

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 ist in Deutschland eine neue Welle der Hilfsbereitschaft zu beobachten, die an das große Engagement für Geflüchtete im Sommer 2015 erinnert. Eine neue Studie des DeZIM-Instituts ordnet die Entwicklungen des Jahres 2022 in den breiteren Kontext des Engagements im Themenfeld Flucht und Asyl ein.
 
„Während die Fluchtmigration 2015 zu einem massiven Anstieg des Engagements für und gegen Geflüchtete führte, hat der Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 überwiegend Engagement für Geflüchtete ausgelöst – viele Menschen engagierten sich dabei zum ersten Mal“, sagt Theresa Uhr, Erstautorin der Studie. 
 
Im Detail zeigt sich ein differenziertes Bild: Junge Menschen engagieren sich stärker im Themenfeld Flucht und Asyl als Ältere, insbesondere auf politischer Ebene. Der Anteil männlicher Personen ist unter den Engagierten gegen Geflüchtete deutlich höher als unter den Engagierten für Geflüchtete. Personen, die sich für Geflüchtete engagieren, neigen überwiegend den Parteien Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke zu, Engagierte gegen Geflüchtete der AfD. 
 
Dennoch: „Das Engagement erscheint 2022 weniger polarisiert als 2015/16. Das kann an den anderen rechtlichen Rahmenbedingungen für ukrainische Geflüchtete liegen, aber auch an der großen Bereitschaft, Ukrainer*innen bei sich zu Hause privat unterzubringen, oder der im Jahr 2022 noch weniger polarisierenden öffentlichen Berichterstattung“, so Prof. Dr. Sabrina Zajak, Leiterin der Abteilung Konsens & Konflikt am DeZIM-Institut. 
 
Die Studie zeigt auch, dass das Engagement für Geflüchtete Spuren hinterlässt: Fast ein Drittel der Engagierten und politisch Aktiven (für und gegen Geflüchtete) beschäftigt sich durch sein Engagement stärker mit den Themen Flucht und Asyl. Personen, die sich gegen Geflüchtete engagieren, geben an, dass sie sich stark politisieren und zeitgleich vom politischen System entfremden. Engagierte für Geflüchtete, die 2022 erstmalig aktiv wurden, berichten seltener, politisch frustriert zu sein, als Engagierte, die sich 2015 zum ersten Mal engagierten. 
 
Das Potenzial im Engagement für Geflüchtete ist noch nicht ausgeschöpft: 16 Prozent der bisher nicht engagierten Befragten können sich vorstellen, in Zukunft für Geflüchtete aktiv zu werden. Fehlende Zeit und finanzielle Ressourcen sind die größten Engagementhindernisse. 
 
Zur Studie: DeZIM.insight „(Re-)Aktivierung der Zivilgesellschaft“