• Startseite/
  • Projekte/
  • AD-NET-CARE – Adaptive Unterstützungsnetzwerke älterer Migrant*innen

AD-NET-CARE – Adaptive Unterstützungsnetzwerke älterer Migrant*innen

Abteilung Integration

Projektleitung: Prof. Dr. Magdalena Nowicka

Projektkoordination: Dr. Edward Omeni

Projektmitarbeitende: Theresa Schwass

Laufzeit Juli 2019 bis Dezember 2022
Status Laufendes Projekt

Die ambulante Pflege gehört zu den überwiegend akzeptierten Pflegeangeboten seitens pflegebedürftiger Migranten*innen, da sie dem Wunsch dieser Personengruppe nach einer familienzentrierten Fürsorge im häuslichen Rahmen entgegenkommt. Das bedeutet, dass neue Wohn-, Pflege- und Versorgungsformen notwendig werden. Dazu gehören Familienangehörige, Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Freunde und Nachbarn, die ältere Menschen in alltäglichen Situationen unterstützen. Sie bilden ein Unterstützungsnetzwerk, das nach Bedarf mobilisiert werden kann. Internationale Migration, berufsbedingte Pendlermobilität, Mangel an bezahlbarem und altersgerechtem Wohnraum, finanzieller und zeitlicher Druck und psychologische Belastung führen dazu, dass Familien oft zwischen ‚guter Pflege, die zu teuer ist‘ und ‚bezahlbarer Pflege, die gut genug ist‘ wählen müssen, wobei ihre Entscheidungen sowohl von der gesetzlichen Regulierung als auch der Charakteristika des Wohnorts abhängig sind. So sind die Handlungsmöglichkeiten für Großstadtbewohner*innen und Familien in ländlichen Gebieten mit geringer Dichte an pflegerischen und medizinischen Leistungen sehr unterschiedlich. Gerade in ländlichen Gebieten können Telemedizin und weitere Technologie (ambient assisted living AAL) komplementär in der Pflege eingesetzt und als Teil solcher Unterstützungsnetzwerke betrachtet werden. Bisher fehlen allerdings Untersuchungen darüber, wie ältere Migrant*innen und deren Familien die Pflege organisieren, ob sie ihre Unterstützungsnetzwerke um migrantische Pflegekräfte erweitern, ob sie im Bereich (Tele-)Medizin/AAL besondere Bedürfnisse haben (und wenn ja, ob diese realisiert werden können) oder ob sie auf transnationale Netzwerke und Pflege bzw. Versorgung im Ausland zurückgreifen. Angesichts dieser Wissensdefizite fragt das Projekt u. a. nach:

  • den gesetzlichen Bedingungen für Unterstützungsnetzwerke, insbesondere bezüglich der Verfügbarkeit der migrantischen und technischen Hilfe in der Pflege; - der Bedeutung der lokalen Kontexte (Populationsdichte, Wirtschaftslage, materielle Infrastruktur) für die Gestaltung der Unterstützungsnetzwerke;
  • den Reaktionen der Unterstützungsnetzwerke auf Änderungen in Kontextbedingungen (gesetzliche Regulierung, Verfügbarkeit der Technologie, Migration/Mobilität, ökonomische Deprivation am Wohnort/finanzielle Lage der Familie);
  • der Akzeptanz der Technologie im Alter in der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund und deren Familienangehörigen;
  • der Entscheidungsfindung für bestimmte Konstellationen der Netzwerke (Familie, Freunde, Nachbarschaft, Technologie, migrantische Pflegekräfte);
  • den Verhandlungen von Intimität in den Unterstützungsnetzwerken (zwischen Status, Alters- und Geschlechtergruppen);
  • den Verhandlungen von Geschlechterrollen innerhalb der Netzwerke, u. a. im Hinblick auf die Pflege durch Männer.

Projektförderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend