MIND.set: Actions Speak Louder Than Words

Cluster "Daten - Methoden - Monitoring"

Projektleitung: Dr. Laura ScholaskeDr. Susanne Veit

Projektmitarbeitende: Hannah Arnu

Laufzeit Januar 2021 bis Dezember 2022
Status Laufendes Projekt

Während Befragungen zu Diskriminierungserfahrungen Hinweise auf hohe Prävalenzraten liefern (Uslucan & Yalcin 2012) und das Ausmaß rechter Hasskriminalität seit 2014 deutlich zugenommen hat (BMI 2019), legen große gesellschaftliche Befragungen, wie beispielsweise die „Mitte“-Studien der Friedrich-Ebert-Studie (Zick, Küpper & Krause 2016) nahe, dass die Einstellungen in der Bevölkerung gegenüber gesellschaftlichen Minderheiten und gegenüber Zuwanderung und Pluralität relativ stabil sind und sich kaum verändert haben. Dieser scheinbare Wiederspruch ist zum Teil dadurch erklärbar, dass sich nicht jede Einstellung in entsprechendem Verhalten zeigt und nicht jedes Verhalten mit einer entsprechenden Einstellungsänderung einhergeht, und zum Teil dadurch, dass Befragungsdaten bei sensiblen Themen wie Diskriminierungserfahrungen oder -potenzial starken Verzerrungen durch sozial erwünschtes Antwortverhalten oder subjektive Blickwinkel unterworfen sind.

Eine gute Alternative bieten hier Messverfahren, bei denen Verzerrungen durch sozial erwünschtes Antwortverhalten minimiert werden, wie z.B. Feldexperimente. Ursprünglich standen deshalb Feldexperimente im Zentrum des Projekts. Da die Umsetzung von Feldexperimenten unter den Bedingungen der Corona-Pandemie jedoch ethisch nicht zu verantworten ist, wurde das Projekt inhaltlich neu ausgerichtet. Im Projekt stehen nun indirekte Messverfahren und implizite Einstellungen statt Feldexperimente im Vordergrund. Indirekte Messverfahren stellen Reaktionszeiten und Fehlerquoten ins Zentrum – und somit ein Verhalten, das weniger der willentlichen Kontrolle und damit verbundenen Verzerrungen unterworfen ist als explizit geäußerte Einstellungen. Implizite Einstellungen stellen daher eine wichtige Ergänzung zu expliziten Einstellungen dar (Gawronski & Bodenhausen 2006).

MIND.set selbst ist eine Online-Plattform, welche im Rahmen der Kurzprojekte des Rassismusmonitors geschaffen werden konnte. Sie ermöglicht die Erstellung von browserbasierten Online-Experimenten und anderen Messungen, die die Möglichkeiten klassischer Programme für Online-Umfragen sprengen (da sie bspw. auf Darbietungs- und Reaktionszeiten im Bereich von Millisekunden angewiesen sind), und ihre Einbindung in klassische Online-Umfragen. Als konkrete Verfahren sind zunächst der Implizite Assoziationstest (IAT) (Greenwald et al. 1998), die Affect Misattribution Procedure (AMP) (Payne et al. 2005) und das Police Office Dilemma (POD, Correll et al. 2002) programmiert worden. MIND.set soll im Rahmen dieses Projektes zunächst so aufgebaut werden, dass es als Ressource anderen Forschenden (des DeZIM-Instituts, der DeZIM-Forschungsgemeinschaft und außerhalb dieses Kreises) zur Verfügung gestellt werden kann. Es kann dann zur Anwendung der bereits hinterlegten Verfahren genutzt werden, aber auch durch entsprechende Programmierungen um weitere Anwendungen ergänzt werden.

Projektförderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Kooperationspartner:

Es besteht eine enge Kooperation mit Iniobong Essien (Leuphana Universität Lüneburg), der eine hohe Expertise im Bereich der indirekten Messverfahren hat. Des Weiteren besteht eine enge Kooperation mit Marleen Stelter (FernUniversität Hagen) und Birte Siem (Leuphana Universität Lüneburg).