NaDiRa-Kurzstudie: Rassismus messen

Skalenentwicklung zur Messung rassistischer Ideologien und Einstellungen

Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor

Laufzeit Oktober 2020 bis Dezember 2020
Status Abgeschlossenes Projekt

Projektteam:

  • Mara Simon
  • Ralf Wölfer
  • Laura Mohr

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Projektbeschreibung:

Wie lassen sich aktuelle Formen rassistischer Einstellungen in Bevölkerungsumfragen messen? Die Instrumente, mit denen die deutschsprachige Sozialforschung rassistische Einstellungen und Ideologien erfasst, sind veraltet, methodisch mangelhaft und haben wenig Bezug zur aktuellen Forschung und Theorie. Daher haben wir auf der Grundlage qualitativer Forschung Skalen entwickelt, die adäquat messen können, wie rassistische Überzeugungen im 21. Jahrhundert zutage treten. Auf Basis einer Mediendiskursanalyse haben wir induktiv und deduktiv Kategorien gebildet, anhand derer wir Items operationalisieren und Skalen erstellen konnten. 

Ergebnisse:

Insgesamt haben wir sieben Skalen entwickelt, die verschiedene Aspekte rassistischer Überzeugungen erheben:

  1. Leugnung von Rassismus
  2. offener Rassismus
  3. Abwehr von Rassismus
  4. Rassismus und Polizei
  5. (post-)koloniales Wissen
  6. Wahrnehmung von Diskriminierung
  7. Haltungen zu Migration

Eine Auswahl von Skalen wurde bereits für eine erste Erhebung des Rassismusmonitorings eingesetzt. Erste quantitative Analysen weisen hierbei zufriedenstellende psychometrische Eigenschaften nach.

Überraschende Einsichten:

Bemerkenswert war für uns erstens, wie weit das Verständnis in den medialen Narrativen variiert, was Rassismus und folglich rassistische Denk- und Handlungsweisen sind. Zweitens stellten wir überraschend ausgeprägte, intensive und verbreitete (emotionale) Abwehrreaktionen der Mehrheitsgesellschaft auf Rassismus-Debatten fest. Beide Befunde sind insofern problematisch, als dass sie eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Rassismus in der Mehrheitsgesellschaft erschweren. 

Bedeutung für die Praxis:

Die Skalen werden für die Umfragen genutzt, die im Rahmen des Rassismusmonitors durchgeführt werden. Darüber hinaus stehen sie der Wissenschaft zur verbesserten Messung rassistischer Einstellungen zur Verfügung.

Kurzstudien zur Vorbereitung des Rassismusmonitors:

Um einen umfassenden Rassismusmonitor vorzubereiten, rief das DeZIM im Jahr 2020 Wissenschaftler*innen aus der DeZIM-Forschungsgemeinschaft dazu auf, innovative Studienideen zu entwickeln. Diese sollten bestehende Forschungsprojekte erweitern, neue und innovative Ansätze verfolgen oder eine Infrastruktur aufbauen, um Rassismus zu erforschen. Bis 2021 führten über 120 Wissenschaftler*innen an den sechs Standorten der DeZIM-Forschungsgemeinschaft insgesamt 34 Kurzstudien durch. Diese gliedern sich in sechs thematische Schwerpunkte:

  • Gesundheitssystem
  • Bildungssystem und Arbeitsmarkt
  • Institutioneller Rassismus
  • Umgang mit Rassismuserfahrungen
  • Teilhabe und Medien
  • Rassistische Ideologien und Einstellungen

Förderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Drittmittel)