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Religiöser Extremismus und Radikalisierung aus migrations- und integrationstheoretischer Perspektive (RADIKAL)

DeZIM-Forschungsgemeinschaft

Laufzeit Januar 2018 bis Dezember 2019
Status Abgeschlossenes Projekt

Projektbeschreibung:

Die Kernfrage des Kooperationsprojektes „RADIKAL“ war die Frage nach dem Zusammenhang von Migration, Religion und Radikalisierung. Die theoretische wie die empirische Analyse zielte dabei auf das Verständnis des Zusammenhangs von Migrationserfahrungen, Akkulturationsprozessen, Diskriminierungswahrnehmungen und -erfahrungen und der Bildung von politischen wie religiösen Überzeugungen, hier v.a. extremistischer Einstellungen.

Migrationsprozesse wurden dabei vor allem auch als Akkulturationsprozesse verstanden, in denen Menschen soziale, politische und religiöse Überzeugungen auf der Grundlage ihrer Erfahrungen während der Akkulturation entwickeln. Es wurde angenommen, dass gerade hier extremistische, fundamentalistische und polarisierte (eben radikalisierte) Überzeugungen entstehen können.

Auf der Grundlage bestehender Theorien und Daten entwickelte das Projekt zunächst theoretische Modelle zum kausalen Zusammenhang der Kernkonzepte. Diese wurden dann anhand einer Kombination von quantitativen wie qualitativen Methoden empirisch untersucht. Dies ermöglichte es, mithilfe der Ergebnisse des Projekts empirisch fundierte Modelle zu identifizieren, die eine evidenzbasierte Grundlage für die Prävention und Intervention bieten.

Im Fokus des Projektes standen muslimische junge Menschen, die sich radikalisieren bzw. radikalisiert haben; sei es in besonders schwerer Weise (Terror) oder weniger schwer (kognitive wie emotionale Nähe zu extremistischen wie fundamentalistischen Gruppen oder Weltanschauungen). Die Aufarbeitung der Analyse sollte zudem einen Vergleich mit anderen Phänomenbereichen ermöglichen.

Das Projekt bestand aus zwei Phasen: In der ersten Phase wurde unabhängig von späteren Einzelfallanalysen kompletter Biografien ein Kodierschema zu den zentralen Konzepten (Migration, Integration/Akkulturation, Diskriminierung, religiöse Bindung und Orientierung) erstellt, um vorhandene und neue Daten zu den Biografien von jungen Menschen zu integrieren. In der zweiten Phase wurden im Besonderen migrations- und integrationsbedingte Risikofaktoren mit Blick auf Radikalisierung und die Bindung an extreme Gruppen herausgearbeitet. Auf der Grundlage der Daten der ersten Phase wurden dazu hoch radikalisierte Personen mit besonders fundamentalistischer Orientierung identifiziert (qualitative Fallrekonstruktion). Anhand dieser Daten wurde eine quantitative Überprüfung der Bedeutung bestimmter Risiko- und Erklärungsfaktoren vorgenommen.

Die Ergebnisse von Experteninterviews mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Stakeholdern aus den Bereichen Religion, Sicherheit, Jugendarbeit, Prävention und Deradikalisierung u.a. sollten die Evaluierung der Projekterkenntnisse erweitern und als Grundlage zur Entwicklung von gemeinsamen Strategien der sensiblen Prävention, wie auch neuer Wege der Jugendarbeit dienen.

Beteiligte Verbundpartner: Institut für Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

Projektförderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend