• Startseite/
  • Projekte/
  • Unterstützung und Integration von Geflüchteten aus der Ukraine: Perspektiven der Betroffenen

Unterstützung und Integration von Geflüchteten aus der Ukraine: Perspektiven der Betroffenen

Abteilung Integration

Projektleitung: Dr. Niklas HarderProf. Dr. Magdalena Nowicka

Projektkoordination: Dr. Nora Ratzmann

Projektmitarbeitende: Mathis Herpell Larissa Kokonowskyj Katarina Mozetič

Laufzeit Juli 2022 bis Dezember 2022
Status Laufendes Projekt

Die russische Invasion in der Ukraine hat zur Zerstörung der zivilen Infrastruktur und zu Opfern unter der Zivilbevölkerung geführt. Dies hat mehr als 6 Millionen Menschen gezwungen, auf der Suche nach Sicherheit, Schutz und Hilfe ihre Häuser und ihr Land zu verlassen. Mehr als 600.000 von ihnen sind in Deutschland angekommen, vor allem Frauen und Kinder. Die erste Versorgung nach der Ankunft bewältigte Deutschland mit großer Unterstützung aus der Gesellschaft, insbesondere durch die Bereitstellung von Unterkünften durch Privatpersonen. Rechtlich wurde die Situation durch die erstmals in Kraft gesetzte „Massenzustrom-Richtline“ der Europäischen Union gesteuert, wodurch schnell aufenthaltsrechtliche Klarheit erreicht werden konnte. Die Implikationen für andere Rechts- und Versorgungsbereiche in Deutschland waren jedoch weniger klar. In den Bereichen der Grundsicherungsleistungen, medizinischer Versorgung, Unterbringung, Betreuung und Beschulung von Geflüchteten aus der Ukraine ergeben sich seit Februar 2022 neue Fragen und Herausforderungen.

Dieses Projekt untersucht die Frage, ob die bestehenden Regelungen in Bereichen wie dem Aufenthaltsrecht, Asylrecht, Wohnsitz, Gesundheitssystem, Arbeitsmarkt, der Kinderbetreuung, Schule und Grundsicherung die tatsächlichen Bedarfe von Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, ausreichend erfüllen und wie die Regeln ineinandergreifen, so dass die Unterstützung effektiv und möglichst lückenlos ist. Vor allem der Übergang aus der privaten Unterbringung in die selbständige Wohnsituation stellt eine neue Herausforderung dar. Das Projekt fokussiert die Interaktionen von Personen aus der Ukraine mit unterschiedlichen Behörden und anderen staatlichen Institutionen wie Schulen auf der Bundes-, Landes-, und Kommunalebene. Das interessiert uns in Hinblick auf die Möglichkeiten, die Menschen, die aus der Ukraine nach Deutschland seit dem 24. Februar 2022 gekommen sind, haben, um ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Spezifische Fragen, die im Projekt adressiert werden, umfassen:

  1. Welche Bedürfnisse und Erwartungen bezüglich Pflege- und Sorgearbeit bzw. Kinderbetreuung, Kitabesuch, Beschulung, Weiterbildung, Anerkennung von Qualifikationen (vor allem in sozialen Berufen, Pflege, Erziehung) und der Wohnsituation haben Personen, die aus der Ukraine geflüchtet sind; welche Bedürfnisse bleiben bisher unbefriedigt; welche Folgen hat das für die Entscheidungen der Geflüchteten bezüglich des Verbleibs in einer Stadt oder sogar in Deutschland?
  2. Welche Art von Unterstützung erhalten bzw. beantragen Personen aus der Ukraine; wie verläuft die Beantragung; wie verständlich sind die Regelungen; über welche Informationskanäle erfahren die aus der Ukraine geflüchteten Menschen über ihre Rechte; wo suchen sie nach Unterstützung, die sie brauchen (z. B. BAMF, kommunale Beratungsangebote, Diasporaorganisationen; Gastfamilien/eigene soziale Netzwerke; andere zivilgesellschaftliche Organisationen, Internetforen); wer unterstützt sie bei Interaktionen mit Behörden und dem Erledigen der Formalitäten wie dem Beantragen von Leistungen und wie.
  3. Welche Handlungsmöglichkeiten haben die aus der Ukraine geflüchtete Personen bzw. wie selbständig agieren sie, beispielsweise bei der Wohnungssuche, Arbeitssuche oder Entscheidungen über die Beschulung von Kindern; wie problematisch oder einfach gestaltet sich für sie die Wohnungssuche in Deutschland; welche Herausforderungen erfahren diejenigen, die mit Minderjährigen angereist sind, für die sie nicht erziehungsberechtigt sind.
  4. Welche Auswirkungen hat die Fluchtsituation auf die Organisation der Familie, beispielsweise bezüglich Geschlechterrollen oder Pflege- und Sorgearbeit; welche Betreuungsaufgaben für nicht verwandte, aber mitgereisten Minderjährige übernehmen die geflüchteten Familien; welche anderen mitgereisten Personen werden betreut oder gepflegt und welche Unterstützung erhalten die Familien dabei von Behörden und anderen staatlichen Akteuren.
  5. Wie erleben die aus der Ukraine geflüchtete Personen die private Unterbringung in Deutschland, welche Chancen bieten sie ihnen und welche Risiken entstehen.

Das Projekt arbeitet multimethodisch. Wir nutzen wiederholte qualitative Interviews, digitale Tagebücher und eine standardisierte online Befragung.

Projektförderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend