Systemrelevant und prekär beschäftigt: Wie Migrant*innen in unsicheren Arbeitsverhältnissen unser Gemeinwesen aufrechterhalten


 

Projektteam: Samir Khalil, Almuth Lietz, Dr. Sabrina J. Mayer

 

Die aktuelle Corona-Krise verdeutlichte in den letzten Wochen, welche Ungleichheiten zwischen den Arbeitsverhältnissen in Deutschland bestehen. Während seit Mitte März 2020 fast jede*r Vierte in Deutschland von zu Hause arbeitete (Blom et al., 2020), sorgten beispielsweise Krankenpfleger*innen, Reinigungskräfte, Supermarktkassierer*innen, Lieferant*innen mit ihrem Einsatz außer Haus – bei erhöhtem Risiko für ihre eigene Gesundheit und der Gesundheit ihrer Familien – für die Aufrechterhaltung des Gemeinwesens. 
In diesem Beitrag betrachten wir mithilfe der Daten des Soziooekonomischen Panels (SOEP) die besondere Rolle der Berufstätigen mit Migrationshintergrund und fragen, welchen Beitrag sie zur kritischen Infrastruktur leisten. Wir untersuchen daher, in welchem Maße Migrant*innen sowie ihre Kinder und Enkelkinder systemrelevante Berufe ausüben, ob sie in diesen besonders häufig prekär beschäftigt sind und ob sie im Zeitverlauf besonders stark vom Anstieg des Niedriglohnsektors in Deutschland betroffen waren. 

Wir zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund rund ein Viertel aller Beschäftigten in systemrelevanten Berufen stellen. Das entspricht ihrem Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland. In bestimmten Berufsgruppen, insbesondere im Dienstleistungs- und Pflegebereich, sind sie jedoch überproportional vertreten. Das gilt etwa für Reinigungsberufe und die Altenpflege, für Post und Zustellung sowie die Fahrzeugführung im Straßenverkehr. Die Mehrheit der Beschäftigten mit Migrationshintergrund in diesen Berufsgruppen ist im Ausland geboren und selbst eingewandert.
Dabei zeigen die Lohnentwicklungen der letzten Jahrzehnte, dass insbesondere beschäftigte Migrant*innen, also diejenigen mit Migrationshintergrund, die nicht in Deutschland geboren wurden, immer häufiger in Niedriglohnverhältnissen arbeiten. Dies gilt zwar für den gesamten Arbeitsmarkt, in besonderem Maße jedoch für das systemrelevante Segment. Neben einer Verbesserung der Startbedingungen von Migrant*innen sollten daher Maßnahmen ergriffen werden, die dem Anstieg der prekären Beschäftigungsverhältnisse begegnen und dafür sorgen, dass die Arbeit in systemrelevanten Berufen besser entlohnt wird.


Dokumente zum Download

 

DeZIM Research Note (Version 1.0, 26.05.2020)

 

Methodischer Anhang (Version 1.0, 26.05.2020)

 

Do-files zur Replikation als ZIP (Version 1.0, Stand: 26.05.2020)

 

Pressemitteilung (26.05.2020)

 

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