Wendekinder als Führungskräfte stärken
Wendekinder als Führungskräfte stärken

Von der Stimme zum Einfluss – Wendekinder als Führungskräfte stärken


Selbst 30 Jahre nach der Wende sind nur wenige Ostdeutsche in den Elitepositionen von Verwaltung, Wissenschaft, Medien und Wirtschaft vertreten. Das Ausmaß, die Ursachen und Folgen dieser Unterrepräsentation untersucht dieaktuelle Studie „Soziale Integration ohne Eilten?“ des DeZIM-Instituts gemeinsam mit der Universität Leipzig und der Universität Görlitz.

Bei der Workshop- und Vernetzungsveranstaltung am 24.06. in Berlin ging es daher vor allem um die Ost-Migrantische Perspektive der 3. Generation Ost. Zur Begrüßung sprach Adriana Lettari (Gründerin des Netzwerks 3te Generation Ost) über die Entwicklung der letzten Jahre:

„War es im Zuge von 20 Jahren Friedlicher Revolutions-Feierlichkeiten noch relevant, die Stimme zu erheben für einen positive mediale Darstellung dieser Generation, so stellt sich ihre Aufgabe nach 30 Jahren Mauerfall nun in einer neuen Qualität dar: von der Stimme zum Einfluss. Machtansprüche zu formulieren, um Verantwortung in Führungspositionen zu übernehmen und mit den wertvollen Erfahrungen einer doppelten Sozialisation aufzufüllen, ist das Gebot der zweiten Lebenshälfte der heute 40-Jährigen. Was auch immer sie dafür benötigen, sie werden es sich erschaffen: mit den Ressourcen, die sie sich zur Wendezeit erarbeitet haben.“

Im interaktiven Teil – einer Live-Abstimmung – wurden die teilnehmenden Wendekinder zu ihren Erfahrungen und Einstellungen rund um das Thema „Eliten“ befragt. Diese wurden in 7 moderierten Fokusgruppen vertieft, deren Ergebnisse in die Studie einfließen werden. 

Beim kreativen „Ideensprint“ wurde die jeweils drei besten Ideen, Wünschen und Vorstellungen in den Fokusgruppen in „Prototypen einer besseren Gesellschaft“ verwandelt – und zwar mit Hilfe von Legosteinen.


Es kamen kreative Arbeiten und 24 Forderungen, Wünsche und Ideen zustande:

  1. neue Utopien: die Wertschätzung und das Ernstnehmen verschiedener Erfahrungen und Kompetenzen.
  2. ein gutes Netzwerk.
  3. Akzeptanz durch bestehende Eliten und Medien
  4. einen Proberaum für Führungskräfte.
  5. eine Auseinandersetzung mit strategischen Entscheidungen in der beruflichen Laufbahn.
  6. eine Plattform für „Ostprofile“.
  7. mehr Bewegungsfreiheit im Osten und kein Platz für Rassismus.
  8. mehr sichtbare Erfolgsgeschichten und Vorbilder und mediale Unterstützung dabei.
  9. Inspiration durch Menschen, die sich beruflich mit der Analyse und Interpretation von Gesellschaften beschäftigen.
  10. flache Hierarchien.
  11. andere Führungskulturen.
  12. mehr Ressourcen und Infrastruktur.
  13. begrenzte Führungszeiten.
  14. überall schnelles Internet.
  15. einen gesellschaftlichen Klimawandel.
  16. mehr Zeit, jenseits der Erwerbsarbeit.
  17. eine „Stiftung Ostdeutschland“ mit Führungskräfteprogramm.
  18. einfacheren Zugang zu Weiterbildung und Lernräumen.
  19. einen weiteren Erfahrungsaustausch unter den Wendekindern.
  20. eine gesamtgesellschaftliche Wertschätzung für die Ost-Geschichte (auch nach der Wende).
  21. weniger planen und mehr machen! Das heißt mehr „learning by doing“, Mut haben und das vor allen Dingen in Entscheidungsebenen.
  22. Austausch mit anderen Netzwerken.
  23. Weltoffenheit und Offenheit für Gestaltungswillen.
  24. Reframing des „Ossis“.

Insgesamt konnten viele spannende Impulse und Denkanstöße für eine künftige Debatte gesammelt werden. Die Ergebnisse der Studie werden im Herbst 2020 im Rahmen einer Tagung präsentiert und wissenschaftlich fundierte Erklärungsmodelle und Handlungsempfehlungen anbieten.


Live-PollingProf. Dr. Naika Foroutan, Leiterin vom DeZIM-InstitutWendekinder als Führungskräfte stärkenWendekinder als Führungskräfte stärken