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Online-Promotionssymposium stärkt die äthiopisch-kanadisch-deutsche Zusammenarbeit in der Migrationsforschung

/ Veranstaltungen, Aufzeichnungen & Rückblicke

Promovierende und Forschende aus Äthiopien, Kanada und Deutschland diskutierten aktuelle Migrationsforschung und stärkten den internationalen wissenschaftlichen Austausch.

Am 18. September 2026 kamen Forschende und Promovierende der Jimma University (Äthiopien), Forschende von Soli*City an der Toronto Metropolitan University (Kanada) und des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zu einem Online-Promotionssymposium zusammen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Memorandum of Understanding zwischen dem äthiopischen Bildungsministerium, Soli*City und dem DeZIM statt, das den Aufbau einer äthiopisch-kanadisch-deutschen Forschungskooperation zur Migration zum Ziel hat.

Das Online-Promotionssymposium brachte Forschungsarbeiten zu Migration in unterschiedlichen Regionen, geografischen Räumen und gesellschaftlichen Konstellationen zusammen. Ziel war es, einen globalen Dialog zu fördern – nicht nur zwischen Forschenden aus drei Kontinenten, sondern auch zwischen unterschiedlichen epistemologischen Perspektiven und Formen empirischen Wissens über Migration und ihre gesellschaftlichen Folgen.

In den Vorträgen und Diskussionen ging es darum, wie Migration in unterschiedlichen lokalen und transnationalen Kontexten erlebt, gesteuert, ausgehandelt und zum Gegenstand von Konflikten wird. Fragen zu Mobilität, Flucht, Wohnen, rechtlichem Status, Sorgearbeit, Solidarität, urbanem Wandel und der Handlungsfähigkeit von Migrant*innen verbanden dabei sehr unterschiedliche Forschungskontexte miteinander. Die Zusammenführung dieser Perspektiven bot die Möglichkeit zu untersuchen, wie globale Migrationsprozesse mit konkreten sozialen, politischen und geografischen Realitäten zusammenwirken.

Rund 30 Teilnehmende nahmen online teil, sechs Promovierende stellten ihre laufenden Forschungsarbeiten vor. An jede Präsentation schloss sich eine eigene Diskussion an, in der die Vortragenden Rückmeldungen zu den konzeptionellen, theoretischen, methodischen und empirischen Dimensionen ihrer Forschung erhielten.

In ihrer Begrüßung hieß Prof. Muluemebet Abera von der Jimma University die Teilnehmenden willkommen und betonte die Bedeutung fairer und gleichberechtigter akademischer Partnerschaften. Sie hob hervor, wie wichtig eine langfristige Zusammenarbeit über Institutionen und Regionen hinweg sei, um ausgewogenere Bedingungen für die Wissensproduktion zu schaffen. Solche Partnerschaften könnten Forschenden und Studierenden aus unterschiedlichen akademischen Kontexten ermöglichen, sich gleichberechtigter an globalen wissenschaftlichen Debatten zu beteiligen und durch kontinuierlichen Austausch voneinander zu lernen.

Das Symposium brachte Promotionsprojekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zusammen. Einige befanden sich noch in der konzeptionellen Phase oder in der Entwicklung des Forschungsvorhabens, andere stützten sich bereits auf erhobene empirische Daten. Diese Vielfalt schuf einen produktiven Raum für den Austausch über den gesamten Forschungsprozess hinweg – von der Entwicklung von Forschungsfragen und theoretischen Rahmen bis hin zur Interpretation von Ergebnissen und der Schärfung von Argumenten.

Auch geografisch und thematisch deckten die sechs Präsentationen ein breites Spektrum ab: Mengistu Melaku untersuchte den Substanzkonsum von Menschen auf der Flucht und in Migrationsbewegungen in Äthiopien. Bridget Collrin befasste sich mit Solidaritätsinfrastrukturen und Wohnraumunterstützung für Migrant*innen in prekären Lebenslagen in Toronto. Tamirat Mengistu untersuchte Sozialkapital, alltägliche Grenzziehungen („everyday bordering“) und die Handlungsfähigkeit von Geflüchteten im städtischen Raum von Addis Abeba. Rasha Arous widmete sich in ihrem Vortrag „Cairo’s Spaces of Refuge: Global City-Making and Everyday Navigation After 2023“ Vertreibung, Flucht und alltäglicher Orientierung im Kontext globaler Stadtentwicklung. Tizazu Gezahegne stellte Forschung zu den Lebensrealitäten äthiopischer migrantischer Hausangestellter im Nahen Osten und ihren transnationalen Familienbeziehungen vor. Nick Dreher wiederum sprach über die Internationale Organisation für Migration (IOM) und urbane Migrationsgovernance in Johannesburg.
Migration bildete den gemeinsamen Bezugspunkt dieser Beiträge, zeigte sich jedoch in sehr unterschiedlichen Regimen und Alltagsrealitäten: Legalität und Illegalität, Wohnen und Solidarität, transnationale Sorgearbeit und Geschlechterverhältnisse, die Handlungsfähigkeit Geflüchteter, globale Stadtentwicklung und urbane Migrationsgovernance.

Viele Diskussionen verband zudem eine gemeinsame analytische Frage: Wie organisieren und regulieren Staaten, zwischenstaatliche Institutionen und umfassendere Governance-Strukturen Migration – und wie entfaltet sich die Handlungsfähigkeit von Menschen auf der Flucht und in Migrationsbewegungen innerhalb dieser Regime, durch sie hindurch und mitunter auch gegen sie? In diesem Sinne verband das Symposium globale Perspektiven mit einem genauen Blick auf lokale Besonderheiten und konkrete Lebenserfahrungen.

In seinem Schlusswort betonte Prof. Harald Bauder, dass die Soli*City-Initiative an der Toronto Metropolitan University die globale akademische Zusammenarbeit stärken und Perspektiven von Forschenden aus unterschiedlichen Teilen der Welt stärker in Prozesse der Wissensproduktion einbeziehen wolle. Er hob die Bedeutung solcher Kooperationen für eine inklusivere Migrationsforschung und für die Stärkung globaler Solidarität hervor.

Zugleich verwies er auf einen konkreten nächsten Schritt der Zusammenarbeit: Zwei Masterstudierende der Jimma University und zwei der Toronto Metropolitan University sollen am DeZIM zu Gast sein. Damit sollen Möglichkeiten für akademischen Austausch, Einblicke in die Forschung und internationale Erfahrungen geschaffen werden.

Auch Dr. Nega Jibat unterstrich die Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit für Promovierende der Jimma University. Der Austausch könne Möglichkeiten für fundiertes fachliches Feedback, gemeinsame Publikationen, eine höhere Forschungsqualität und internationale akademische Erfahrungen eröffnen. Darüber hinaus betonte er den institutionellen Wert solcher Kooperationen: Sie ermöglichen Universitäten wie der Jimma University, sich stärker an der internationalen Wissensproduktion und an wissenschaftlichen Debatten zu beteiligen.

In ihren abschließenden Reflexionen griff Dr. Noa Ha die Vielfalt des Symposiums auf und verwies auf die unterschiedlichen Forschungsstadien, Orte und Perspektiven, die im Laufe des Tages zusammenkamen. Die Präsentationen führten von Toronto über Johannesburg, Kairo und Addis Abeba bis zu weiteren Orten in Äthiopien und in transnationale Räume. Verbunden waren sie durch gemeinsame Fragen zu Migration, Governance, rechtlichem Status, Wohnen, Geschlecht, Solidarität und Handlungsfähigkeit.

Ihre Reflexionen verdeutlichten zugleich, wie das Symposium zwei Dimensionen zusammenbrachte, die häufig getrennt betrachtet werden: eine globale Perspektive auf Migration und die genaue Betrachtung lokaler Besonderheiten. Die Diskussionen zeigten, dass Migration nicht allein durch politische Maßnahmen und Institutionen geprägt wird, sondern auch durch alltägliche Strategien, Beziehungen und Formen von Handlungsfähigkeit, mit denen Menschen in Migrationsprozessen diese Strukturen navigieren und auf sie reagieren.

Die Schlussdiskussion machte deutlich, dass das Symposium nicht als einmalige Veranstaltung konzipiert war, sondern Teil einer langfristigen Zusammenarbeit ist. Weitere Austauschformate, Studierendenmobilität und gemeinsame akademische Aktivitäten sollen die Partnerschaft zwischen der Jimma University, Soli*City an der Toronto Metropolitan University und dem DeZIM weiter stärken.

Der Tag endete damit nicht nur mit einer Reflexion über die gewonnenen Erkenntnisse, sondern auch mit dem klaren Bekenntnis, die Zusammenarbeit fortzusetzen und zu vertiefen.

Wir freuen uns darauf, die äthiopisch-kanadisch-deutsche Forschungskooperation zur Migration weiterzuführen und zusätzliche Möglichkeiten für Studierende und Forschende der drei beteiligten Institutionen zu schaffen, voneinander zu lernen, zu einer inklusiveren und gleichberechtigteren Wissensproduktion beizutragen und die internationale Zusammenarbeit in der Migrationsforschung zu stärken.