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Soziale Medien: Mehrheit gegen Altersverbot bis 16 Jahre – hohe Zustimmung für alternative Schutzmaßnahmen

SOEP-Befragung zu sozialen Medien: Rund 90 Prozent sehen Risiken für Kinder und Jugendliche. Zum Teil unterschiedliche Bewertungen nach Migrationshintergrund. Große Unterstützung für mehr Medienkompetenz, elterliche Begleitung und Plattformregulierung.

Eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland sieht Risiken in der Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche. Ein generelles Verbot für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren wird mehrheitlich befürwortet, ein Verbot bis 16 Jahre hingegen nicht. Deutlich breiter ist die Unterstützung für differenzierte Schutzmaßnahmen wie mehr Medienkompetenz, elterliche Begleitung oder verbindliche Vorgaben für Plattformanbieter. Das zeigt eine Kurzbefragung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die im September 2025 in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und der Universität Münster durchgeführt wurde. Daran teilgenommen haben insgesamt knapp 2.700 Personen. Deren Antworten wurden für die Analysen so gewichtet, dass die Ergebnisse repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind.

Rund 90 Prozent der Befragten sehen Risiken in der Nutzung sozialer Medien, 63 Prozent erkennen Chancen. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) bewertet soziale Medien gleichzeitig als Risiko und als Chance. Besonders hoch ist die Risikowahrnehmung unter den befragten Lehrkräften. Die jüngste befragte Generation („Gen Z“, Jahrgänge 1997 bis 2010) und Personen mit niedrigem Bildungsniveau sehen dagegen im Verhältnis zu den Gefahren tendenziell mehr Potenziale. „Soziale Medien werden in der Bevölkerung überwiegend als riskant eingeschätzt, zugleich besteht aber auch ein Bewusstsein für ihre Chancen. Die Debatte ist damit deutlich differenzierter, als es pauschale Forderungen nach Verboten nahelegen“, sagt Christian Hunkler, Leiter des Bereichs Surveymethodik und -management im SOEP.

Personen mit direktem Migrationshintergrund (im Ausland geboren) bewerten soziale Medien insgesamt seltener als gefährlich (78 Prozent) als solche ohne einen Migrationshintergrund (92 Prozent) oder mit indirektem Migrationshintergrund, also in Deutschland Geborene mit mindestens einem im Ausland geborenen Elternteil (89 Prozent). Zugleich sind Personen mit direktem Migrationshintergrund etwas zurückhaltender in der Bewertung der Chancen von sozialen Medien. 56 Prozent aus dieser Gruppe sehen Potenziale. Bei Personen mit indirektem oder ohne Migrationshintergrund sind es 64 Prozent. „Unsere Daten zeigen Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen in der Bewertung sozialer Medien. Die Befragung erfasst jedoch nicht die Gründe für diese Unterschiede. Um zu verstehen, welche Erfahrungen, Informationsquellen oder sozialen Kontexte hier eine Rolle spielen, braucht es weiterführende Analysen“, sagt Jörg Dollmann, Leiter des Forschungsdatenzentrums am DeZIM.

Deutliche Mehrheit für Verbot bis zwölf Jahre 

 Ein Verbot sozialer Medien für Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren findet eine klare Mehrheit von 71 Prozent der Befragten. Ein Verbot für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre verfehlt mit gut 33 Prozent Zustimmung eine Mehrheit hingegen deutlich. Ein generelles Nutzungsverbot in Schulen unterstützen 59 Prozent der Befragten, wobei jüngere Menschen diese Maßnahme skeptischer sehen. Befragte Lehrkräfte sprechen sich besonders häufig für ein Verbot für jüngere Kinder aus, unterscheiden sich bei der Bewertung eines Nutzungsverbots in der Schule jedoch kaum von anderen Gruppen. Mit Blick auf den Migrationshintergrund zeigen die Daten keinen Unterschied zwischen Personen mit und ohne direkten Migrationshintergrund, was ein Verbot bis zum Alter von zwölf Jahren betrifft. Ein Verbot bis zum Alter von 16 Jahren wird von Befragten mit direktem Migrationshintergrund etwas häufiger befürwortet (37 Prozent) als von Personen ohne oder mit indirektem Migrationshintergrund (33 bzw. 32 Prozent).

Differenzierte Maßnahmen stoßen auf breite Akzeptanz 

 Besonders hoch ist die Zustimmung zu alternativen Schutzmaßnahmen. Rund 90 Prozent sprechen sich beispielsweise für eine stärkere Förderung von Medienkompetenz aus. Auch verpflichtende regulatorische Vorgaben für Plattformanbieter finden eine breite Unterstützung von über 90 Prozent der Befragten. „Maßnahmen, die Risiken gezielt adressieren, ohne pauschal auszuschließen, sind gesellschaftlich deutlich besser anschlussfähig als weitreichende Altersverbote“, sagt Jörg Dollmann. Bemerkenswert ist zudem, dass sich Haushalte mit Kindern im Alter zwischen neun und 16 Jahren nur geringfügig von Haushalten ohne Kinder dieser Altersgruppe unterscheiden. „Persönliche Betroffenheit führt also offenbar nicht automatisch zu einer deutlich kritischeren Bewertung sozialer Medien oder zu stärkerer Unterstützung von Verboten“, so Nicolas Legewie, Professor für Methoden der Sozialforschung an der Universität Münster. 

Die Ergebnisse sprechen nach Ansicht der Studienautor*innen dafür, Regulierung differenziert auszugestalten. Maßnahmenbündel, die Schutz, Aufklärung und Verantwortung der Plattformanbieter kombinieren und auf vergleichsweise moderate Nutzungsverbote setzen, hätten den größten Rückhalt in der Bevölkerung. Dieser sei auch insofern wichtig, als dass ohne eine breite gesellschaftliche Akzeptanz viele der möglichen Maßnahmen – beispielsweise Altersüberprüfungen – wohl technisch umgangen werden würden.

Die Studie können Sie hier downloaden.

Pressekontakt
Angie Pohlers
Pressereferentin
Mail: presse(at)dezim-institut.de
Tel.: 030-200754-130