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Bedarfe der Regelsysteme und bedrohter zivilgesellschaftlicher Organisationen im Bereich der „Vielfaltgestaltung“ (Bundesprogramm „Demokratie leben!“)

Fachgruppe Demokratieförderung und demokratische Praxis

Projektleitung: Dr. Olaf Kleist Till SträterDr. Mirjam Weiberg

Projektmitarbeitende: Hümeyranur ImamoğluDr. Nora RatzmannDr. Christian Sowa

Laufzeit November 2022 bis Oktober 2023
Status Abgeschlossenes Projekt

Das Projekt verfolgt zwei Hauptziele: Erstens soll der wissenschaftliche Erkenntnisstand zu Bedarfen von Regelstrukturen im Bereich Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und Vielfaltgestaltung systematisch erfasst werden. Zweitens sollen die Bedrohungslagen dokumentiert werden, denen zivilgesellschaftliche Träger in diesem Bereich ausgesetzt sind. Bisher fehlt es an systematisch zusammengefassten Erkenntnissen, und vorhandenes Wissen ist oft zu allgemein gehalten und nicht nach spezifischen Themenfeldern aufgeschlüsselt, was die praktische Anwendung erschwert.

Leitende Forschungsfragen

Welche Bedarfe haben Regelstrukturen in Bezug auf Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) und Vielfaltgestaltung, und welche davon sind bisher verdeckt oder unzureichend untersucht?
Welchen allgemeinen und spezifischen Bedrohungslagen sind zivilgesellschaftliche Träger*innen im Bereich Vielfaltgestaltung ausgesetzt, und wie lassen sich diese nach Themenfeldern systematisch erfassen?
Wie lassen sich die identifizierten Bedarfe im Bereich GMF und Vielfaltgestaltung priorisieren und nach ihrer Relevanz für die praktische Arbeit in verschiedenen Themenfeldern ordnen?
Welche Best-Practice-Ansätze existieren in der Adressierung von Diskriminierung und Vielfalt, und wie können diese systematisch erfasst und für die bedarfsgerechte Gestaltung von Demokratieförderungsprojekten nutzbar gemacht werden?

Das Projekt fokussiert auf die Bestandsaufnahme der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Bedarfe von Regelstrukturen in Bezug auf Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Vielfaltgestaltung. Zudem sollen auch die allgemeinen und spezifischen Bedrohungslagen, denen zivilgesellschaftliche Träger*innen im Bereich Vielfaltsgestaltung ausgesetzt sind, erhoben werden.

Für beide Bereiche liegen bisher zu wenige oder nicht systematisch zusammengefasste und ausgewertete Erkenntnisse vor. Auch sind die Erkenntnis oft allgemein (z.B. für das Gesamthandlungsfeld) und nicht nach Themenfeldern aufgeschlüsselt, was eine „Übersetzung“ und Nutzung für die praktische Arbeit erheblich erschwert.

Die Ergebnisse sollen einer zielgenaueren Gestaltung von Demokratieförderung und Projekten zu GMF und Vielfaltgestaltung innerhalb des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ dienen, um Methoden und Ansätze passend auf den Bedarf konzipieren können. Darüber hinaus soll das Projekt dazu beitragen, Grundlagenwissen für ein mögliches Monitoring von Bedarfen zu GMF und Vielfaltgestaltung in Regelstrukturen zu schaffen.

Vielfalt und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) werden zunehmend als gesamtgesellschaftliche Herausforderungen anerkannt, die strukturell alle Lebensbereiche durchziehen. Dies betrifft auch Regelsysteme, die zentral für das demokratische Gemeinwesen sind, wie Schulen, Jugendämter, Verwaltungen, Polizei, zivilgesellschaftliche Organisationen etc. Zivilgesellschaftliche Organisationen, insbesondere solche die sich gegen GMF einsetzen oder „Betroffene“ von GMF vertreten, sind zudem oft direkt durch Hass, Anfeindungen und Gewalt bedroht.

Bundesprogramme wie „Demokratie leben!“ adressieren (strukturelle) Diskriminierung umfassend, nicht zuletzt mit dem Ziel, innovative Ansätze zur Reduktion von GMF und zur Stärkung von Vielfalt nachhaltig in Regelsysteme zu transferieren. Mit Blick in die Forschung zeigt sich aber, dass die eigentlichen Bedarfe der Regelsysteme im Bereich GMF und Vielfaltgestaltung bisher nur unzureichend erfasst und unsystematisch aufbereitet worden sind. Diese unzureichende bzw. unsystematische Erfassung gilt auch für den Ausmaß und Umfang von Bedrohungslagen von zivilgesellschaftlichen Organisationen (wie „Betroffenen“-Organisationen) im Bereich Vielfaltgestaltung.

Dazu kommt, dass Studien aus dem Handlungsreich Vielfaltgestaltung nicht immer nach einzelnen Themenfeldern (wie Antisemitismus, Antiziganismus, Diskriminierung von LGBTI*, Rassismus (anti-asiatisch, anti-muslimisch, anti-Schwarz etc.) differenzieren.

Notwendig ist eine Bedarfserhebung, die publizierte Forschungsergebnisse und die Expertisen einschlägiger Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis zusammenführt. Dabei sollen über Bedarfe auch bereits Lösungsansätze und -praktiken berücksichtigt und systematisch aufbereitet werden.

Bisher fehlen in der Forschung Erkenntnisse darüber, welche empirischen und konzeptionellen Kenntnisse über Defizite bzgl. GMF und Vielfalt vorliegen und welche Bedarfe der Regelstrukturen in diesen Bereichen wissenschaftlich begründet werden können. Dasselbe gilt für die Bedarfe von „Betroffenen“-Organisationen mit Blick auf die Bedrohungslagen.

Die Ergebnisse sollen einer zielgenaueren Gestaltung von Demokratieförderung und Projekten zu GMF und Vielfaltgestaltung innerhalb des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ dienen, um Methoden und Ansätze passend auf den Bedarf konzipieren können. Im Mittelpunkt stehen dabei a) Kenntlichmachung verdeckter/ unzureichend untersuchter Bedarfe, b) Ranking von Bedarfen, c) Best-Practice in der Adressierung von Diskriminierung und Vielfalt. Darüber hinaus soll das Projekt dazu beitragen, Grundlagenwissen für ein mögliches Monitoring von Bedarfen zu GMF und Vielfaltgestaltung in Regelstrukturen zu schaffen.

Das Vorgehen erfolgt in fünf miteinander verschränkten Arbeitspaketen:

  • Literaturanalyse (Recherche, Sichtung, Systematisierung, Auswertung und Zusammenfassung der relevanten und aktuellen Forschungsliteratur zu Vielfalt und GMF in den relevanten Regelstrukturen).
  • Expert*innenbefragung: Es werden Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis identifiziert, mit denen ausführliche Leitfadeninterviews über GMF und Vielfalt in Regelstrukturen geführt werden.
  • Repräsentative Befragungen (Wahrnehmung von Defiziten und Bedarfen in den Regelstrukturen in Kooperation mit dem Online Access Panel des Clusters und mit dem Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor).
  • Kooperation mit DJI/AFS: Das Projekt wird mit dem DJI/AFS zusammenarbeiten und dabei dessen Erhebungen innerhalb von Regelstrukturen mit Expertise zu Fragen von GMF und Vielfalt unterstützen. AP5 – Befragung von „Betroffenen“-Organisationen mit Blick auf deren Bedarfe im Bereich Bedrohungslagen.
  • Kurzbefragung von „Betroffenen“-Organisationen der Vielfaltsäule von Dl! (Bedrohungslagen).

Die differenzierten Ergebnisse können u.a. nachvollzogen werden in:

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Drittmittel)

Kooperationspartner:

Deutsches Jugendinstitut, Halle (DJI)

Publikationen