Equal Strength: From one closed door to another

Kumulative Diskriminierung und Vorurteile gegenüber marginalisierten Gruppen in Europa

Cluster Daten-Methoden-Monitoring

Projektleitung: Dr. Susanne Veit

Projektmitarbeitende: Pelin AtayDr. Johanna Hildebrandt Sophie UhlDr. Elli Zey

Laufzeit Mai 2023 bis April 2026
Status Laufendes Projekt

EqualStrength ist ein von der Europäischen Union im Rahmen von Horizon Europe gefördertes Forschungsprojekt. Es untersucht kumulative und strukturelle Diskriminierung, implizite Voreingenommenheit und Vorurteile gegenüber Minderheiten aus intersektionaler Perspektive in neun europäischen Ländern: Belgien, Tschechien, Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Irland, Niederlande, Spanien und Schweiz.

Leitende Forschungsfragen

Erhöhen Diskriminierungserfahrungen in einem Lebensbereich das Risiko, auch in anderen Bereichen – etwa Arbeit, Wohnen oder Kindertagesbetreuung – diskriminiert zu werden?
Wie variieren Einstellungen gegenüber Minderheiten sowie die Diskriminierung, die sie erfahren, in Abhängigkeit von Herkunftsregion und Geschlecht?
In welchem Zusammenhang stehen explizite Einstellungen und spontane Assoziationen (implicit bias) mit diskriminierendem Verhalten?
Wie stark oder gering fallen Vorurteile und Diskriminierung in verschiedenen europäischen Ländern aus?
Die Diskriminierungsforschung profitiert von vergleichenden Perspektiven – über Lebensbereiche, Gruppen, Regionen und Länder hinweg unter Einsatz verschiedener Methoden.
Dr. Susanne Veit, Cluster Daten-Methoden-Monitoring

Projektmitarbeitende: Abel Ghekiere (Vrije Universiteit Brussel), Billie Martiniello (Vrije Universiteit Brussel), Daniel Capistrano (The Economic and Social Research Institute), Jeremy Kuhnle (University of Lausanne), Stefanie Sprong (Utrecht University), Pelin Atay (DeZIM), Héctor Cebolla Boado (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), Mathew Creighton (University College Dublin), Valentina Di Stasio (European University Institute), Mariña Fernández-Reino (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), Johanna Hildebrandt (FU Berlin), Ketevani Kapanadze (Faculty of Law, Charles University), Vasilena Lachkovska (University of Lausanne), Bram Lancee (University of Amsterdam), Isabel Lázaro Bueno (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), Josef Montag (Faculty of Law, Charles University), Bori Simonovits (Budapest Institute, Faculty of Education and Psychology, ELTE Eötvös Loránd University, Budapest), Stephanie Steinmetz (University of Lausanne), Ely Strömberg (University of Amsterdam), Álvaro Suárez-Vergne (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), Sanne van Oosten (Oxford University), Veronika Vass-Vigh (Budapest Institute), Susanne Veit (DeZIM), Eva Zschirnt (University of Amsterdam), and Pieter-Paul Verhaeghe (Vrije Universiteit Brussel) 

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EqualStrength untersucht kumulative und strukturelle Formen der Diskriminierung, implizite Voreingenommenheit und Vorurteile gegenüber Minderheiten in neun europäischen Ländern. Das Projekt umfasst drei zentrale Arbeitspakete: koordinierte Feldexperimente, eine Bevölkerungsumfrage sowie Umfragen und Interviews mit Angehörigen von Minderheiten. In harmonisierten Korrespondenztests erfassen wir Diskriminierung in drei eng miteinander verbundenen Lebensbereichen – Beschäftigung, Wohnen und Kinderbetreuung. Eine Mehrheitsbefragung (EqualStrength Majority Survey) misst explizite Vorurteile, Stereotype und implizite Biases gegenüber muslimischen, afrikanischen und Roma-Minderheiten mittels Umfrageexperimenten und eingebetteten Implicit Association Tests (IATs). Ergänzend untersuchen wir in Umfragen und Interviews mit Angehörigen ethnischer Minderheiten, wie Diskriminierung wahrgenommen und erlebt wird und wie diese Erfahrungen mit Wohlbefinden, Zugehörigkeit, Identifikation und Einstellungen zu Diversity-, Gleichstellungs- und Inklusionspolitiken (DEI) zusammenhängen.

Projektseite: equalstrength.eu

EqualStrength leistet einen wichtigen Beitrag zur Messung von Vorurteilen und Diskriminierung aus einer intersektionalen, kumulativen und ländervergleichenden europäischen Perspektive: 

  • Fehlen systematischer europäischer Vergleiche kumulativer Diskriminierung. 
  • Mangel an Datensätzen, die explizite, implizite und Verhaltensmaße integrieren. 
  • Unzureichende Forschung zu intersektionalen Effekten in mehreren Lebensbereichen zugleich.

Schwarze Menschen, MuslimInnen und Romnja sind in vielen Lebensbereichen diskriminierenden Verhaltensweisen und Vorurteilen ausgesetzt, die sich im Lebensverlauf summieren und über Generationen hinweg zu anhaltender Benachteiligung führen. EqualStrength untersucht diese Dynamiken aus einer intersektionalen und länderübergreifenden Perspektive und nutzt dafür ein breites Spektrum innovativer Methoden – darunter Feldexperimente, Umfrageexperimente sowie qualitative und quantitative Erhebungen – um sowohl Mehrheits- als auch Minderheitenperspektiven einzubeziehen. 

Feldexperimente:  

In neun europäischen Ländern wurden harmonisierte Korrespondenztests durchgeführt, um Diskriminierung in Beschäftigung, Wohnen und Kinderbetreuung zu messen. Die Feldphase fand 2025 statt; pro Land und Lebensbereich wurden jeweils über 1.000 Anfragen versendet. 

Bevölkerungsumfrage:  

Explizite und implizite Vorurteile sowie Stereotype gegenüber muslimischen, afrikanischen und Roma-Minderheiten wurden in einer länderübergreifenden Umfrage erhoben, die Umfrageexperimente und IATs kombiniert. Die Datenerhebung (21.632 Teilnehmende) lief von März bis Juni 2025. 

Umfrage und Interviews mit Minoritäten:  

Wir erfassen, wie ethnische Minderheiten Diskriminierung wahrnehmen und erleben und wie diese Erfahrungen mit Wohlbefinden, Zugehörigkeit, Identifikation und Einstellungen zu DEI-Politiken zusammenhängen. Die Datenerhebung umfasst Online-Umfragen in Großbritannien, den Niederlanden und Spanien sowie qualitative Interviews mit Roma in Tschechien und Ungarn. Zudem bewerten Befragte in einem experimentellen Design verschiedene DEI-Maßnahmen in Unternehmen (z. B. blinde Rekrutierung, gezielte Ansprache, Diversity-Trainings, Inklusionsausschüsse oder Tie-Break-Regeln). Die Datenerhebung findet im Herbst/Winter 2025 statt. 

Die bisherigen Befunde zeigen, dass muslimische, schwarzafrikanische und Roma-Minderheiten in mehreren Lebensbereichen systematisch benachteiligt werden. Feldexperimente belegen geringere Chancen auf Kita-Plätze und diskriminierende Behandlung im Arbeitsmarkt; die Datenerhebung im Wohnbereich läuft noch. In der Mehrheitsbevölkerung ist implizite Voreingenommenheit (implicit bias) weit verbreitet, während explizite Vorurteile stärker geschlechtsspezifisch sind und sich besonders auf muslimische und Roma-Minderheiten richten. Regionale Analysen zeigen, dass Vorurteile und Diskriminierung in ländlichen und wirtschaftlich benachteiligten Regionen ausgeprägter sind. Nationale Gleichstellungspolitiken wie MIPEX stehen nicht in direktem Zusammenhang mit tatsächlichen Diskriminierungsniveaus, was auf die Grenzen rechtlicher Schutzmaßnahmen ohne wirksame Umsetzung hinweist. Die Minderheitenbefragung liefert erste Einblicke in vielfältige individuelle Diskriminierungserfahrungen.

Förderung: Horizon Europe (Drittmittel)