Jenseits der Onomastik

Neue Verfahren zur Erreichung von kleinen, schwer erreichbaren und/oder versteckten Gruppen

Cluster Daten-Methoden-Monitoring

Projektleitung: Prof. Dr. Sabrina J. Mayer

Projektmitarbeitende: Dr. Laura Scholaske

Laufzeit Januar 2021 bis Dezember 2022
Status Abgeschlossenes Projekt

Das Projekt „Jenseits der Onomastik" war als Konzeptions- und Vorstudie angelegt: Ziel war es, Wege zu entwickeln, wie kleine und schwer erreichbare Bevölkerungsgruppen – etwa bestimmte Migrant*innengruppen – systematischer in Umfragen einbezogen werden können. Im Zentrum stand die Frage, wie onomastikbasierte Stichprobenverfahren sinnvoll mit anderen Strategien (z. B. Registerstichproben, Netzwerksampling, Mixed-Mode-Designs) kombiniert werden können. Das Projekt diente als inhaltliche und methodische Vorstufe für das spätere Forschungsvorhaben „Verbesserung der Umfrageteilnahme von kleinen und hard-to-reach Populationen", in dem die entwickelten Ansätze empirisch umgesetzt und getestet wurden.

Leitende Forschungsfragen

Wo liegen die Stärken und Grenzen onomastikbasierter Stichproben bei der Rekrutierung kleiner und schwer erreichbarer Populationen (z. B. Staatsangehörige bestimmter Herkunftsländer)?
Wie lassen sich onomastikbasierte Verfahren sinnvoll mit anderen Stichproben- und Rekrutierungsstrategien kombinieren, um Reichweite, Repräsentativität und Teilnahmebereitschaft zu erhöhen?
Welche organisatorischen, rechtlichen und technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um solche Verfahren in künftigen Surveys praxistauglich einsetzen zu können?

Onomastik – also die Nutzung von Namen zur Identifikation bestimmter Gruppen – hat sich in der Umfrageforschung als ein wichtiges Werkzeug etabliert, um kleine Migrant*innengruppen gezielt zu samplen. Gleichzeitig ist klar: Namen allein lösen nicht alle Probleme von Stichprobenziehung und Teilnahmebereitschaft bei hard-to-reach Populationen.„Jenseits der Onomastik“ setzte genau hier an. Das Projekt war als Konzeptionsphase angelegt und hatte nicht den Anspruch, bereits eine große Datenerhebung durchzuführen. Stattdessen stand die systematische Aufarbeitung der methodischen Optionen im Vordergrund:

  • Welche Biases entstehen bei rein onomastikbasierten Stichproben (z. B. nach Geschlecht, Alter, Einbürgerungsstatus, Generation)?
  • Welche weiteren Sampling-Frames (z. B. Melderegister, spezielle Register, Community-basierte Rekrutierung) kommen in Frage?
  • Wie können unterschiedliche Rekrutierungswege – postalisch, telefonisch, online, über Social Media oder Community-Gatekeeper – kombiniert werden?

Auf Basis dieser Analyse wurden Designvorschläge erarbeitet, die in einem nachgelagerten Projekt („Verbesserung der Umfrageteilnahme von kleinen und hard-to-reach Populationen“) als konkrete Stichprobendesigns, Rekrutierungsprotokolle und Fragebogenschemata umgesetzt und empirisch getestet werden sollten.

  • Es gab bislang wenig systematische Überlegungen dazu, wie onomastikbasierte Samplings integriert in Multi-Frame- und Mixed-Mode-Designs eingesetzt werden können.
  • Spezifische Herausforderungen kleiner Gruppen – etwa türkische Staatsangehörige, bestimmte Diaspora-Communities oder mehrfach marginalisierte Gruppen – wurden in der Stichprobendiskussion oft nur am Rande berücksichtigt.
  • Zwischen „reiner Onomastik“ und anderen Zugängen fehlte ein konzeptioneller Rahmen, der die jeweiligen Vor- und Nachteile explizit gegeneinander abwägt und in konkrete Designs übersetzt.
  • „Jenseits der Onomastik“ adressiert diese Lücken, indem es genau diesen Rahmen entwickelt und so die Grundlage für das spätere Umsetzungsprojekt legt.

  • Entwicklung eines Baukastens von Strategien zur Rekrutierung kleiner und hard-to-reach Populationen, in dem Onomastik eine Rolle spielt, aber nicht die einzige Option ist.
  • Erarbeitung konkret beschreibbarer Stichprobendesigns, die in einem Folgeprojekt empirisch getestet werden können (z. B. für türkische Staatsbürger:innen in Deutschland).
  • Vorbereitung von Frage- und Kontaktprozeduren, die auf die spezifischen Lebenslagen und Rekrutierungsbedingungen dieser Zielgruppen zugeschnitten sind.

  • Bestandsaufnahme: Auswertung der internationalen Literatur zu onomastikbasierten und alternativen Verfahren (Register, Netzwerksampling, Respondent Driven Sampling, Community-basierte Ansätze).
  • Konzeptentwicklung: Ableitung möglicher Stichproben- und Rekrutierungsdesigns, die Onomastik mit anderen Quellen kombinieren.
  • Machbarkeitsprüfung: Prüfung rechtlicher, organisatorischer und technischer Fragen (z. B. Datenschutz, Zugang zu Adressquellen, Schnittstellen zu Feldinstituten).
  • Übergang ins Folgeprojekt: Überführung der erarbeiteten Designs in einen Antrag / ein Folgeprojekt („Verbesserung der Umfrageteilnahme von kleinen und hard-to-reach Populationen“), in dem die Konzepte empirisch umgesetzt werden.

Da „Jenseits der Onomastik“ vor allem ein Konzeptions- und Vorbereitungsprojekt war, stehen keine Berichte im Vordergrund. Die wichtigsten Ergebnisse waren:

  • eine systematische Bewertung der Einsatzmöglichkeiten von Onomastik bei kleinen Populationen,
  • ein Set an konkreten Vorschlägen für kombinierte Stichproben- und Rekrutierungsstrategien,
  • die Ausarbeitung eines Projektkonzepts, das in das nachfolgende Forschungsprojekt zur Verbesserung der Umfrageteilnahme eingeflossen ist.

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)

Kooperationspartner:

Wir kooperieren mit einer Vielzahl von Kooperationspartner*innen. International/national werden gemeinsam mit Christoph Nguyen im Themenfeld antiasiatischer Rassismus ähnliche Verfahren für die Gruppe asiatisch-stämmiger Menschen in Deutschland überprüft. Mit Akteur*innen der Forschungsgemeinschaft ist ein gemeinsames Drittmittelprojekt mit Forschenden des InZentIM (Achim Goerres, Jonas Elis) geplant, bei dem Spätaussiedler*innen und ihre Nachkommen befragt werden.