Jenseits der Onomastik
Neue Verfahren zur Erreichung von kleinen, schwer erreichbaren und/oder versteckten Gruppen
Cluster Daten-Methoden-Monitoring
Projektleitung: Prof. Dr. Sabrina J. Mayer
Projektmitarbeitende: Dr. Laura Scholaske
Leitende Forschungsfragen
Onomastik – also die Nutzung von Namen zur Identifikation bestimmter Gruppen – hat sich in der Umfrageforschung als ein wichtiges Werkzeug etabliert, um kleine Migrant*innengruppen gezielt zu samplen. Gleichzeitig ist klar: Namen allein lösen nicht alle Probleme von Stichprobenziehung und Teilnahmebereitschaft bei hard-to-reach Populationen.„Jenseits der Onomastik“ setzte genau hier an. Das Projekt war als Konzeptionsphase angelegt und hatte nicht den Anspruch, bereits eine große Datenerhebung durchzuführen. Stattdessen stand die systematische Aufarbeitung der methodischen Optionen im Vordergrund:
- Welche Biases entstehen bei rein onomastikbasierten Stichproben (z. B. nach Geschlecht, Alter, Einbürgerungsstatus, Generation)?
- Welche weiteren Sampling-Frames (z. B. Melderegister, spezielle Register, Community-basierte Rekrutierung) kommen in Frage?
- Wie können unterschiedliche Rekrutierungswege – postalisch, telefonisch, online, über Social Media oder Community-Gatekeeper – kombiniert werden?
Auf Basis dieser Analyse wurden Designvorschläge erarbeitet, die in einem nachgelagerten Projekt („Verbesserung der Umfrageteilnahme von kleinen und hard-to-reach Populationen“) als konkrete Stichprobendesigns, Rekrutierungsprotokolle und Fragebogenschemata umgesetzt und empirisch getestet werden sollten.
- Es gab bislang wenig systematische Überlegungen dazu, wie onomastikbasierte Samplings integriert in Multi-Frame- und Mixed-Mode-Designs eingesetzt werden können.
- Spezifische Herausforderungen kleiner Gruppen – etwa türkische Staatsangehörige, bestimmte Diaspora-Communities oder mehrfach marginalisierte Gruppen – wurden in der Stichprobendiskussion oft nur am Rande berücksichtigt.
- Zwischen „reiner Onomastik“ und anderen Zugängen fehlte ein konzeptioneller Rahmen, der die jeweiligen Vor- und Nachteile explizit gegeneinander abwägt und in konkrete Designs übersetzt.
- „Jenseits der Onomastik“ adressiert diese Lücken, indem es genau diesen Rahmen entwickelt und so die Grundlage für das spätere Umsetzungsprojekt legt.
- Entwicklung eines Baukastens von Strategien zur Rekrutierung kleiner und hard-to-reach Populationen, in dem Onomastik eine Rolle spielt, aber nicht die einzige Option ist.
- Erarbeitung konkret beschreibbarer Stichprobendesigns, die in einem Folgeprojekt empirisch getestet werden können (z. B. für türkische Staatsbürger:innen in Deutschland).
- Vorbereitung von Frage- und Kontaktprozeduren, die auf die spezifischen Lebenslagen und Rekrutierungsbedingungen dieser Zielgruppen zugeschnitten sind.
- Bestandsaufnahme: Auswertung der internationalen Literatur zu onomastikbasierten und alternativen Verfahren (Register, Netzwerksampling, Respondent Driven Sampling, Community-basierte Ansätze).
- Konzeptentwicklung: Ableitung möglicher Stichproben- und Rekrutierungsdesigns, die Onomastik mit anderen Quellen kombinieren.
- Machbarkeitsprüfung: Prüfung rechtlicher, organisatorischer und technischer Fragen (z. B. Datenschutz, Zugang zu Adressquellen, Schnittstellen zu Feldinstituten).
- Übergang ins Folgeprojekt: Überführung der erarbeiteten Designs in einen Antrag / ein Folgeprojekt („Verbesserung der Umfrageteilnahme von kleinen und hard-to-reach Populationen“), in dem die Konzepte empirisch umgesetzt werden.
Da „Jenseits der Onomastik“ vor allem ein Konzeptions- und Vorbereitungsprojekt war, stehen keine Berichte im Vordergrund. Die wichtigsten Ergebnisse waren:
- eine systematische Bewertung der Einsatzmöglichkeiten von Onomastik bei kleinen Populationen,
- ein Set an konkreten Vorschlägen für kombinierte Stichproben- und Rekrutierungsstrategien,
- die Ausarbeitung eines Projektkonzepts, das in das nachfolgende Forschungsprojekt zur Verbesserung der Umfrageteilnahme eingeflossen ist.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)
Kooperationspartner:
Wir kooperieren mit einer Vielzahl von Kooperationspartner*innen. International/national werden gemeinsam mit Christoph Nguyen im Themenfeld antiasiatischer Rassismus ähnliche Verfahren für die Gruppe asiatisch-stämmiger Menschen in Deutschland überprüft. Mit Akteur*innen der Forschungsgemeinschaft ist ein gemeinsames Drittmittelprojekt mit Forschenden des InZentIM (Achim Goerres, Jonas Elis) geplant, bei dem Spätaussiedler*innen und ihre Nachkommen befragt werden.