Migrationsnarrative und demographische Potentiale

Abteilung Migration

Projektleitung: Dr. Ramona RischkeDr. Zeynep Yanaşmayan

Projektmitarbeitende: Lea ChristinckDr. Marcus EnglerDr. Pau Palop-García

Laufzeit Juli 2024 bis Juni 2025
Status Abgeschlossenes Projekt

Das Projekt untersucht, welche Rolle Narrative des demografischen Wandels im Kontext von Migrationsdebatten für verschiedene gesellschaftliche Akteursgruppen spielen. Dafür wird ein multimethodisches Design umgesetzt, das Hintergrundgespräche mit zentralen Akteuren sowie Fokusgruppen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen umfasst.

Leitende Forschungsfragen

Welche Rolle spielen demografische Narrative für unterschiedlichen Akteursgruppen?
Inwiefern werden Narratives des demographischen Wandels und Migrationsnarrative miteinander verbunden?
Welches Mobilisierungspotenziale haben Migrationsnarrative im Zusammenhang mit Diskursen zum demografischen Wandel?
Zukunftsorientierte Migrationskommunikation gelingt nur, wenn dominante Narrative diversifiziert und migrantische Perspektiven in ihrer ganzen Vielfalt sichtbar gemacht werden.
Dr. Pau Palop-García, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Abteilung Migration

  • Der demografische Wandel führt in Deutschland zu erheblichen arbeits- und sozialpolitischen Herausforderungen, weshalb Migration zunehmend als eine zentrale Lösung kommuniziert wird. Gleichzeitig dominieren öffentliche Debatten, die Risiken insbesondere von Neuzuwanderung betonen. Das Projekt knüpft an ein utilitaristisches, migrationsbejahendes Narrativ an, dass Migration als Antwort auf demografische Alterung und Fachkräftemangel versteht, dabei jedoch migrantische Perspektiven bislang nur unzureichend berücksichtigt. 
  • Das Projekt untersucht, wie der gesellschaftliche Diskurs über demografischen Wandel und Migration differenziert weiterentwickelt und stärker auf die bestehenden Potenzial der postmigrantischen Gesellschaft ausgerichtet werden kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen mit Einwanderungsgeschichte im Kontext des demografischen Wandels gesamtgesellschaftlich wahrgenommen werden und welche Narrative diese Wahrnehmung prägen. Das Projekt untersucht unterschiedliche Perspektiven und Deutungsmuster in ausgewählten Gruppen, identifiziert Gemeinsamkeiten und Unterschiede und leitet daraus Ansätze für eine faktenbasierte, potenzialorientierte Kommunikation ab. Auf diese Weise sollen Impulse für eine breitere gesellschaftliche Mobilisierung und eine ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel gesetzt werden.

Das Projekt schließt die Forschungslücke, dass migrantische Perspektiven in gängigen Narrativen zu Migration und demografischem Wandel bislang kaum berücksichtigt wurden. Es zeigt, wie Migrant*innen selbst solche Erzählungen wahrnehmen und welche Anpassungen notwendig sind, um ihre Sichtweisen angemessen zu repräsentieren. 

  • Analyse, wie unterschiedliche soziale Gruppen – insbesondere Menschen mit unterschiedlicher Einwanderungsgeschichte – migrations- und demografische Narrative wahrnehmen und bewerten. 
  • Entwickeln von Empfehlungen für eine inklusivere, evidenzbasierte und zukunftsorientierte Kommunikation, die migrantische Perspektiven sichtbar macht und einbezieht. 

Das Projekt nutzt ein exploratives, multimethodisches Design basierend auf HintergrundgeSprächen und Fokusgruppen mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen sozialen Gruppen mit und ohne Migrationsbiografien. Daneben wurde ein Ergebnisworkshop durchgeführt.  

 

Die Ergebnisse zeigen eine ambivalente Aufnahme: Das utilitaristische Narrativ reduziere Migrant*innen auf ökonomischen Nutzen, schließe weniger „leistungsfähige“ Gruppen aus und reproduziert damit verbreitete “Verdienstheit”- und Verwertungslogiken. Dabei wird es von unterschiedlichen migrantischen Gruppen weder komplett bejaht, noch komplett abgelehnt und teilweise als Chance gesehen. Insgesamt wünschen sich die Teilnehmenden realistischere Darstellungen von Einwanderungsprozessen, mehr Sichtbarkeit struktureller Hürden sowie stärkere Betonung von Zusammenhalt, Anerkennung und Wertschätzung. 

  • Narrative müssen diversifiziert werden, um die Vielfalt migrantischer Lebensrealitäten abzubilden und migrantische Perspektiven einzubeziehen, statt Menschen auf ihren ökonomischen Nutzen zu reduzieren. 
  • Strukturelle Barrieren müssen sichtbar gemacht werden, da echte Teilhabe durch Rassismus, Bürokratie und eingeschränkten Zugang zu zentralen Ressourcen erschwert wird. 
  • Zukunftsorientierte Narrative sollten eine positive, inklusive Vision vermitteln, die gemeinsame Werte wie Zusammenhalt und Anerkennung betont und durch Räume für Dialog und Reflexion unterstützt wird. 

 „Migrationsnarrative“ sind Erzählungen, die Ursachen und Auswirkungen von Migration vereinfacht darstellen, in einen kausalen Zusammenhang setzen, mit normativen Bewertungen versehen und gegebenenfalls an Handlungsempfehlungen knüpfen.

  • Christinck, Lea, Maya Diekmann, Marcus Engler, Pau Palop García, Ramona Rischke, and Zeynep Yanasmayan. 2025. “Jenseits Der Verwertungslogik? Narrative Zu Fachkräftemigration Und Demografischem Wandel.” DPP, no. 3.

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Drittmittel)

Publikationen