Ortskräfte und andere Geflüchtete aus Afghanistan in Deutschland
Voraussetzungen für eine gelingende Aufnahme
Abteilung Migration
Projektleitung: Dr. Ramona Rischke, Dr. Zeynep Yanaşmayan
Projektkoordination: Dr. Lukas M. Fuchs
Leitende Forschungsfragen
Die ursprüngliche Idee des Bundesaufnahmeprogramms für Afghanistan war ambitioniert. Übermäßige Bürokratisierung, fehlendes Vertrauen der Behörden in sowohl Antragsteller als auch NGOs und strukturelle Barrieren führten jedoch dazu, dass letztlich viel weniger Menschen als in Aussicht gestellt aufgenommen wurden. Die meisten blieben zurück.Dr. Lukas M. Fuchs
Vor dem Hintergrund der langjährigen Zuwanderung geflüchteter Afghan*innen nach Deutschland einerseits, und der in Reaktion auf die Machtergreifung der Taliban geschaffenen neuen Aufnahmeprogramme für Geflüchtete und Ortskräfte andererseits, setzte dieses Kurzprojekt an den Aufnahmevoraussetzungen von Afghan*innen in Deutschland an, die nach der Machtübernahme der Taliban in 2021 nach Deutschland gekommen sind und an der Lebenssituation von Afghan*innen, die bereits in Deutschland lebten.
Das Projekt stützt sich auf die Analyse von drei verschiedenen Datenquellen:
1) ausführliche narrative Interviews mit afghanischen Personen, die 2021 und 2022 nach Deutschland evakuiert wurden,
2) Interviews mit Akteuren/NGOs, die an der Umsetzung des Programms beteiligt sind,
3) Dokumente zur öffentlichen Politik, Regierungserklärungen und offizielle Statistiken.
Die bisher fehlende wissenschaftliche Analyse der Wirksamkeit und Umsetzung neuer deutscher Aufnahmeprogramme nach 2021 (insbesondere des FAP).
- Schlussfolgerungen aus bisherigen Programmen (Ortskräfteverfahren, Überbrückungsprogramme) für das Bundesaufnahmeprogramm erarbeiten.
- Entwicklung von Empfehlungen für eine nachhaltigere Gestaltung von humanitären Aufnahme- und Integrationsmaßnahmen mithilfe eines partizipativen, community-basierten Ansatzes.
- Programmvergleich: Analyse der Struktur, Umsetzung und Herausforderungen des Ortskräfteverfahrens, des Überbrückungsprogramms und des Bundesaufnahmeprogramms (FAP), inkl. internationaler Vergleichsperspektive.
- Empirische Erhebung: Qualitative Interviews mit afghanischen Evakuierten, NGOs und weiteren relevanten Akteur*innen.
- Partizipativer Ansatz: Einbindung afghanischer Diasporaorganisationen zur Identifikation praktischer Bedarfe und integrativer Potenziale.
Aus einer Public-Policy-Perspektive sind die deutschen Aufnahmeprogramme für Afghan*innen programmatisch für einen sich immer weiter verengenden politischen Willen zur Aufnahme von Geflüchteten und der Einhaltung bestehender Aufnahmezusagen. Verantwortungsdiffusion, administrative Intransparenz und überkomplexe Strukturen führten zu ungleichen Zugangschancen und eine geringe Zahl von aufgenommenen Afghan*innen, die gefährdet sind.
Es ist essenziell, humanitäre Korridore offen und verlässlich zu halten.
Förderung: Auswärtiges Amt (Drittmittel)
Kooperationspartner:
Dr. Özgür Özvatan (Projektleitung, BIM, Humboldt-Universität zu Berlin)