Resettlement of Ukrainians Panel (ReUP) - Aufbau eines Access Panels in Krisenregionen auf Basis von Social Media
Cluster Daten-Methoden-Monitoring
Projektleitung: PD Dr. Jörg Dollmann, Dr. Jannes Jacobsen, Prof. Dr. Sabrina J. Mayer
Projektmitarbeitende: Jonas Köhler, Almuth Lietz, Madeleine Siegel
Leitende Forschungsfragen
Mit ReUP zeigen wir, dass sich selbst in einer laufenden Krise belastbare Paneldaten über Social Media erheben lassen – und gewinnen so neue Einblicke in Einstellungen, Bindungen und Mobilität ukrainischer Geflüchteter sowie ihre Haltung zur EU.PD Dr. Jörg Dollmann, Leiter FDZ
- Das Projekt "Resettlement of Ukrainians Panel (ReUP)" verfolgt in erster Linie ein methodisches Ziel: Es erprobt, ob sich in einer laufenden Krise – hier dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – über Social-Media-Anzeigen ein belastbares Online-Access-Panel aufbauen lässt. Dazu werden Personen in der Ukraine und im Ausland über Facebook- und Instagram-Ads angesprochen, zu einer Online-Erhebung eingeladen und für Folgebefragungen rekrutiert. Auf dieser Basis entsteht ein Panel, mit dem Einstellungen, Bindungen und Mobilitätsverläufe im Zeitverlauf verfolgt werden können.
- ReUP adressiert damit eine zentrale Herausforderung der empirischen Sozialforschung: In Konflikt- und Fluchtsituationen fehlen häufig schnelle, flexible und dennoch systematische Erhebungsinstrumente. Das Projekt untersucht, wie effizient Social-Media-Ads Zielgruppen in Krisenregionen erreichen, welche Bevölkerungsgruppen über diesen Kanal (nicht) rekrutiert werden und wie stabil die Bereitschaft zur Panelteilnahme ist.
- Inhaltlich nutzt ReUP dieses methodische Setup exemplarisch, um verschiedene Dimensionen der Unterstützung für die Europäische Union zu analysieren: Unterstützung eines EU-Beitritts der Ukraine, allgemeine Einstellungen zur EU sowie gefühlte Verbundenheit mit der EU. Diese werden mit kommunaler Identität (u. a. Bindung an die Ukraine, Sprache), regionaler Herkunft und soziodemografischen Merkmalen in Beziehung gesetzt. Die Ergebnisse zeigen ein sehr hohes Niveau an Unterstützung für einen EU-Beitritt und weitgehend positive Einstellungen zur EU, bei zugleich differenzierten Mustern nach Alter, Sprache, Region und Geschlecht.
- Methodische Lücke: Bisher gibt es kaum systematische Evidenz dazu, wie Social Media für den Aufbau von Panels in hochdynamischen Krisen- und Kriegszusammenhängen genutzt werden kann. ReUP liefert hierzu konkrete Erfahrungen und empirische Tests (Reichweite, Verzerrungen, Panelmortalität).
- Inhaltliche Lücke: Aktuelle, theoriegeleitete Analysen zur Unterstützung der EU in der Ukraine während des Krieges liegen nur punktuell vor. ReUP zeigt, wie sich verschiedene Dimensionen der EU-Unterstützung (Policy-Präferenzen, Einstellungen, Bindung) mit kommunaler Identität, Region und soziodemografischen Merkmalen verschränken.
- Primäres Ziel (methodisch): Entwicklung, Test und Bewertung eines Social-Media-basierten Paneldesigns für Krisenregionen, das künftig auch in anderen Kontexten (Flucht, Konflikte, Naturkatastrophen) eingesetzt werden kann.
- Sekundäres Ziel (inhaltlich): Besseres Verständnis der EU-Unterstützung in der Ukraine während des Krieges und ihrer Treiber, insbesondere gemeinschaftlicher Identitäten, regionaler Verankerung und soziodemografischer Faktoren.
- Rekrutierung von Teilnehmenden über zielgruppenspezifische Social-Media-Ads (Facebook/Instagram) in der Ukraine und im Ausland.
- Durchführung einer ersten Online-Erhebung (u. a. Einstellungen zur EU, Bindung an die Ukraine, Migrationspläne, soziodemografische Merkmale).
- Einholung der Einwilligung zur Wiederbefragung und Aufbau eines Panels mit mehreren Erhebungswellen.
- Auswertung methodischer Kennzahlen (Reichweite, Zusammensetzung der Stichprobe, Dropout, Selektivitäten) und Entwicklung von Gewichtungs- bzw. Anpassungsverfahren.
- Inhaltliche Analysen der EU-Unterstützung entlang von Identitäts-, Regional- und soziodemografischen Merkmalen.
- Methodisch zeigt sich, dass Social-Media-Ads ein sehr schnelles und kosteneffizientes Mittel zur Rekrutierung großer Fallzahlen in einer Kriegssituation sind. Zugleich werden Selektivitäten nach Alter, Bildung, Internetzugang und Region sichtbar, die in der Analyse berücksichtigt werden müssen.
- Inhaltlich zeigen die Analysen ein sehr hohes Niveau der Unterstützung für einen EU-Beitritt (über 80 % der Befragten) sowie überwiegend positive Einstellungen zur EU; Unterschiede finden sich insbesondere entlang von Sprache, Region, Alter und Geschlecht.
- Walter, Lisa; Mayer, Sabrina J.; Dollmann, Jörg; Jacobsen, Jannes; Meth, Artem (2022): High levels of support for European Union accession in Ukraine during the war in 2022: An analysis based on the ReUP study. DeZIM.insights Working Paper 6, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). DOI: 10.31235/osf.io/zqn9j.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)
Kooperationspartner:
GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften , Dr. Steffen Pötzschke, Dr. Bernd Weiß, Anna Hebel
Oxford University, Prof. Ridhi Kashyap PhD, Francesco Rampazzo PhD, Douglas Leasure PhD
Universität des Saarlandes, Prof. Dr. Ingmar Weber