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Rückkehrbestrebungen und der Lebensverlauf von Geflüchteten in Deutschland

Abteilung Migration

Projektleitung: Dr. Ramona RischkeDr. Zeynep Yanaşmayan

Projektmitarbeitende: Dr. Lukas M. FuchsDr. Jonna Rock

Laufzeit April 2022 bis Dezember 2024
Status Abgeschlossenes Projekt

Das Projekt untersucht, wie Lebensverläufe und frühere Migrationsverläufe die Rückkehrbestrebungen von Geflüchteten in Deutschland beeinflussen. Dazu kombiniert es quantitative Analysen mit semi-strukturierten biografischen Interviews, um sowohl strukturelle Faktoren als auch subjektive Bedeutungszuschreibungen sichtbar zu machen.

Leitende Forschungsfragen

Wie verändern sich die Rückkehrbestrebungen von Geflüchteten im Zeitverlauf?
Stehen mehr oder weniger komplexe Verläufe der Ankunft in Deutschland mit Rückkehrabsichten in Verbindung?
Welche Art von zeitlichen, räumlichen und imaginären Praktiken und Bedeutungen sind mit Rückkehrbestrebungen verknüpft?
Welche Lehren für die Unterstützung von Geflüchteten in Aufnahmekontexten können wir aus der Untersuchung von Rückkehrbestrebungen ziehen?
Ebenso wie vergangene fragmentierte oder schwierige Migrationsverläufe nicht automatisch eine negative Sicht auf zukünftige Migration bedingen, führen einfachere Migrationsrouten nicht unbedingt zu einer positiveren Einstellung gegenüber einer erneuten Migration, wenn das Ergebnis lediglich als Rückschlag und Krise wahrgenommen wurde.
Dr. Lukas M. Fuchs, IMISCOE Spring Conference 2024

Rückkehrbestrebungen werden von einer hochkomplexen Reihe interagierender Faktoren bestimmt, die Migrant*innen zur Rückkehr in ihre Herkunftskontexte bewegen oder davon abhalten können. Die meisten bisherigen Forschungen haben sich auf die Rückkehrwünsche von Migrant*innen im Allgemeinen konzentriert, aber es ist nur wenig über die Rückkehrbestrebungen von Geflüchteten bekannt. In diesem Projekt untersuchen wir den Zusammenhang zwischen Rückkehrbestrebungen und dem Lebensverlauf von in Deutschland lebenden Geflüchteten, indem wir erstens die Auswirkungen demografischer Ereignisse wie Kindererziehung, Familiengründung und Veränderungen in der Haushaltsstruktur auf die Rückkehrbestrebungen von Geflüchteten untersuchen und zweitens den zusätzlichen, bisher unerforschten Faktor des früheren Migrationsverlaufs und insbesondere dessen Komplexität berücksichtigen. Im Rahmen des Projekts wurden quantitative Analysen mit semi-strukturierten und  biografischen Interviews kombiniert, die es uns ermöglichen, die Migrationswege von Geflüchteten sowie deren Überscheidungen  mit subjektiven Wahrnehmungen, Räumen und erlebten Zeitlichkeiten eingehend zu untersuchen. 

Während die Rückkehr bei Migrant*innen allgemein relativ intensiv beforscht sind, gibt es wenige belastbare Erkenntnisse zu Rückkehrbestrebungen von Geflüchteten. Zudem wurde der Einfluss von vorherigen Migrationsverläufen bislang nicht ausreichend berücksichtigt.

  1. Zu untersuchen, welchen zusätzlichen Einfluss zurückliegende mehr oder weniger komplexe Migrationsverläufe auf Rückkehrentscheidungen haben. 
  2. Ein tiefergehendes Verständnis der subjektiven Vorstellungen, räumlichen Bezüge und zeitlichen Erfahrungen Geflüchteter in Bezug auf Rückkehr zu erlangen. 
  3. Geförderte Rückkehr zu konzeptualisieren und über diverse europäische Staaten hinweg zu vergleichen.

Für die Forschungsfragen werden unterschiedliche Zugänge genutzt, darunter ein Mixed-Methods-Design, das quantitative Analysen zu Lebensverlaufs- und Haushaltsdaten mit Ergebnissen qualitativen, biografischen Interviews kombiniert, um Migrationswege und deren Bedeutung für Rückkehrbestrebungen zu rekonstruieren.

  1. Migrationsverläufe von Geflüchteten in Deutschland sind sehr heterogen und fragmentiert. Die früheren Lebensereignisse und (Im)Mobilitätserfahrungen prägen wiederum die inneren Aushandlungsprozesse, die ihre Lebensperspektiven und Aspirationen beeinflussen. 
  2. Vorstellungen von Rückkehr oder Remigration dienen als Bewältigungsstrategie, um Herausforderungen im Aufnahmeland zu bewältigen. Ob diese Vorstellungen dann zu konkreten Plänen werden, hängt zentral davon ab, wie Geflüchtete ihre vergangenen Mobilitätserfahrungen interpretieren: war frühere Mobilität assoziiert mit Chance oder mit Verlust?  
  3. Eine umfassende und vergleichend angelegte Studie von 45 Assisted-Return-Programmen in 27 EEA-Staaten zeigt, wie unterschiedlich die Nutzung und Instrumentalisierung der geförderten Rückkehr über europäische Staaten hinweg funktioniert. Zum Beispiel hinsichtlich der Zentralisierung und Rollenverteilung zwischen Akteuren, den Zielgruppen und der Vorgabe von Sinn und Zweck.  
  4. Die Untersuchung der Erfahrung ukrainischer Mütter in Deutschland zeigt, dass nicht nur empfangene, sondern auch geleistete Solidaritätspraktiken eine wesentliche Rolle dabei spielen, die Mutterschaft in einem Fluchtkontext zu navigieren. 
  5. Die Berichte unserer afghanischen, eritreischen und ukrainischen Interviewpartner*innen in Berlin zeigen, wie eng das Erleben von Temporalität und Einsamkeit miteinander verflochten sind. Temporalität tritt sowohl als Bruch als auch als Unterbrechung durch eine plötzliche Flucht, lange Asylverfahren oder vorübergehende Schutzmaßnahmen in Erscheinung. Diese zeitlichen Rahmenbedingungen bestimmen den Horizont, innerhalb dessen sich Lebenspläne entfalten, sei es die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit der Familie, die Sicherung einer stabilen Wohnsituation oder der (Wieder-)Aufbau beruflicher und bildungsbezogener Wege. 
  6. Trotz der erheblichen Unterschiede in den Migrationsverläufen unserer Gesprächspartner teilen die befragten Afghanen, Eritreer und Ukrainer bestimmte Erfahrungen mit erzwungener (Migration). Die langen Wartezeiten, die die Afghanen und Eritreer erdulden müssen, zehren an ihren Kräften, schüren Frustration über verlorene Zeit und lassen sie „in der Mobilität stecken bleiben”. Ukrainer können zwar schneller Zugang zu Dienstleistungen in Berlin erhalten, sind jedoch mit der Unsicherheit des vorübergehenden Schutzes und der emotionalen Belastung durch die Trennung von ihren Familien konfrontiert, wodurch sie „an Ort und Stelle festsitzen”. 

test

  • Fuchs, L. M. (2025). Assisted return programmes across Europe–Mapping an increasingly obscure landscape. International Migration, 63(3), e70032. 
  • Rock, J., & Yanaşmayan, Z. (2025). Motherhood on the move: forced migrant women from Ukraine. Journal of Refugee Studies, 38(3), 690-703. 
  • Rock, J. ‘Perspectives on Refugeehood and Motherhood: Germany-Based Ukrainians’ Life Aspirations over Time,’ Nationalities Papers, 2025, 1-19. 
     
    Rock, J. & Sharp, R. ‘Manifestations of (Mis)recognition Amongst Germany-based Refugee Women from Ukraine,’ Journal of International Migration and Integration, 2025, 1-19.  
  • Rock, J., Fuchs, L. M. & Hagos, S. Z. ‘“Alone in Berlin”: A Comparative Analysis of Afghan, Eritrean, and Ukrainian Communities,’ in Ahmet İçduygu and Ricard Zapata Barrero (eds), Cities and Forced Displacement: Challenges, Governance, and People’s Voices in the Middle East and Beyond, Liverpool: Liverpool University Press, forthcoming 2026, accepted for publication 21 May 2025. 

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)

Publikationen