The Power of Stereotypes
Cluster Daten-Methoden-Monitoring
Projektleitung: Dr. Susanne Veit
Projektmitarbeitende: Long Nguyen
Leitende Forschungsfragen
Stereotype sind mächtig, denn sie beeinflussen, was wir sehen, was wir denken und was wir tunDr. Susanne Veit, Assoziiertes Mitglied, Cluster Daten-Methoden-Monitoring
„The Power of Stereotypes“ untersucht Inhalte, Dynamiken und Wirkungen von Stereotypen gegenüber Gruppen, die aufgrund von Herkunft oder Religion marginalisiert sind – unter besonderer Berücksichtigung ihrer Intersektion mit Geschlecht. Dafür kombiniert das Projekt unterschiedliche methodische Zugänge: geschlossene Skalen, offene Textantworten, manuelle und automatische Kodierung, indirekte Verfahren (IAT über MIND.set) und Feldexperimente zur realen Diskriminierung (ADIS, GEMM).
Die theoretischen Grundlagen bilden u. a. das Stereotype Content Model (Fiske et al., 2007) und das ABC-Modell (Koch et al., 2016), die zentrale Dimensionen sozialer Wahrnehmung – etwa Wärme, Kompetenz oder Progressivität – definieren. Das Projekt erweitert diese Perspektive durch intersektionale Analysen: Stereotype über Gruppen ergeben sich nicht nur additiv aus mehreren Kategorien, sondern verändern sich qualitativ durch deren Zusammenspiel (siehe auch Ghavami & Peplau, 2013; Nicolas & Fiske, 2023).
Erste Analysen zeigen deutliche Muster wie Androzentrismus (Stereotype über Gruppen entsprechen vor allem den Zuschreibungen an ihre männlichen Mitglieder) sowie eigenständige stereotype Inhalte für weibliche Minderheitenangehörige (Wiemers, Di Stasio & Veit, 2024). Zudem wird untersucht, wie Stereotype mit tatsächlichen Diskriminierungsmustern verknüpft sind und welche Rolle unterschiedliche Erhebungsdesigns spielen.
- Intersektionale Stereotype wurden bislang nur vereinzelt untersucht.
- Offene Methoden und automatisierte Textanalysen sind in der Stereotypenforschung unterrepräsentiert.
- Verbindung zwischen Stereotypen und realer Diskriminierung wurde selten systematisch hergestellt.
Uns interessieren die Inhalte, die Messung und die Folgen von Stereotypen. Wir wollen erforschen, ob die klassischen Stereotypdimensionen (insb. Wärme und Kompetenz) Stereotype gegenüber migrantischen Gruppen hinreichend beschreiben und welchen Dynamiken Stereotype über Gruppen in Intersektion von Herkunft und Geschlecht folgen. Zudem steht die Frage im Zentrum, welche Rolle das gewählte Forschungsdesign spielt (bottom-up vs. top-top, manuelle Kodierung vs. Automatisierung, geschlossene Skalen vs. offene Antwortformate). Die dritte zentrale Frage ist, welche Folgen Stereotype haben, also ob sie zuverlässig realweltliches Verhalten gegenüber marginalisierten Gruppen vorhersagen.
Das Gesamtprojekt setzt sich aus mehreren Teilprojekten zusammen, die teils auf bereits bestehenden Datenbeständen aufbauen. Dabei kommen unterschiedliche methodische Zugänge zum Einsatz und werden systematisch miteinander kombiniert. Neben der Erfassung von Stereotypen mit geschlossenen Skalen, die auf klassischen psychologischen Stereotype Content Modellen beruhen (Stereotype Content Model, Fiske et al., 2007 und ABC Model, Koch et al., 2016), wurden offene Antwortformate genutzt, die sowohl manuell als auch automatisierte kodiert wurden (siehe Wiemers, Di Stasio & Veit, 2024; vergleichbare Daten aus Deutschland vorhanden) sowie indirekte Messverfahren in einem ländervergleichenden Design (siehe Projekte EqualStrength &; MIND.set). Auf der Wirkungsseite sind neben Einstellungsmessungen in Umfragen die Ergebnisse von Feldexperimenten von Interesse (ADIS: Veit & Yemane; 2018 GEMM: Lancee et al., 2019), die mit den Ergebnissen von Umfragen zu Stereotypen kombiniert werden.
Die zentralen Teilstudien zu den Inhalten von Stereotype gegenüber migrantischen und intersektionalen Gruppen sowie den methodischen Aspekten sind noch nicht vollständig abgeschlossen. Die bereits publizieren Studien liefern Hinweise auf Androzentrismus (Stereotype über migrantische Gruppen entsprechen primär den Stereotype über männliche Mitglieder der Gruppen) und komplexe und einzigartige Stereotype gegenüber weiblichen Minoritätsangehörigen (Wiemers, Di Stasio & Veit, 2024) und deuten an, das die Perspektive, aus der Stereotype benannt werden (Gesellschaft vs. persönliche Sicht), einen Einfluss auf die Stärke der Valenz der Stereotype nehmen (Kotzur, Veit, Namyslo, Holthausen, Wagner, & Yemane, 2020).
- Fiske, S. T., Cuddy, A. J., & Glick, P. (2007). Universal dimensions of social cognition: Warmth and competence. Trends in cognitive sciences, 11(2), 77-83. ttps://doi.org/10.1016/j.tics.2006.11.005
- Ghavami, N., & Peplau, L. A. (2013). An Intersectional Analysis of Gender and Ethnic Stereotypes: Testing Three Hypotheses. Psychology of Women Quarterly, 37(1), 113–127. doi.org/10.1177/0361684312464203
- Koch, A., Yzerbyt, V., Abele, A., Ellemers, N., & Fiske, S. T. (2021). Social evaluation: Comparing models across interpersonal, intragroup, intergroup, several-group, and many-group contexts. In Advances in experimental social psychology (Vol. 63, pp. 1-68). Academic Press.
- Koch, A., Imhoff, R., Unkelbach, C., Nicolas, G., Fiske, S., Terache, J., Carrier, A., Yzerbyt, V. (2020). Groups’ warmth is a personal matter: Understanding consensus on stereotype dimensions reconciles adversarial models of social evaluation. Journal of Experimental Social Psychology, 89, 103995. doi.org/10.1016/j.jesp.2020.103995
- Kotzur, P. F., Veit, S., Namyslo, A., Holthausen, M. A., Wagner, U., & Yemane, R. (2020). ‘Society thinks they are cold and/or incompetent, but I do not’: Stereotype content ratings depend on instructions and the social group's location in the stereotype content space. British Journal of Social Psychology, 59(4), 1018-1042.
- Lancee, B., G. Birkelund, M. Coenders, V. Di Stasio, M. Fernández Reino, A. Heath, R. Koopmans, et al. (2019). The GEMM Study: A Cross-National Harmonized Field Experiment on Labour Market Discrimination – Codebook. gemm2020.eu/wp-content/uploads/2019/02/GEMM-WP3-codebook.pdf
- Lancee, B., G. Birkelund, M. Coenders, V. Di Stasio, M. Fernández Reino, A. Heath, R. Koopmans, et al. (2019). “The GEMM Study: A Cross-National Harmonized Field Experiment on Labour Market Discrimination” – Technical Report. gemm2020.eu/wp-content/uploads/2019/02/GEMM-WP3-technical-report.pdf
- Lee, T. L., & Fiske, S. T. (2006). Not an outgroup, but not yet an ingroup: Immigrants in the stereotype content model. International Journal of Intercultural Relations, 30, 751–768. doi.org/10.1016/j.ijintrel.2006.06.005
- Nicolas, G., & Fiske, S. T. (2023). Valence biases and emergence in the stereotype content of intersecting social categories. Journal of Experimental Psychology: General, 152(9), 2520–2543. doi.org/10.1037/xge0001416
- Nicolas, G., Fiske, S. T., Koch, A., Imhoff, R., Unkelbach, C., Terache, J., Carrier, A., & Yzerbyt, V. (2022). Relational versus structural goals prioritize different social information. Journal of Personality and Social Psychology, 122(4), 659–682. doi.org/10.1037/pspi0000366
- Veit, S., & Yemane, R. (2020). Judging Without Knowing: How people evaluate others based on phenotype and country of origin–Technical Report (No. SP VI 2020-101). WZB Discussion Paper. hdl.handle.net/10419/215833
- Veit, S., & Yemane, R. (2018). The ADIS study: a large-scale correspondence test on labor market discrimination in Germany - Technical Report. (Discussion Papers / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Forschungsschwerpunkt Migration und Diversität, Abteilung Migration, Integration, Transnationalisierung, SP VI 2018-103). Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH. hdl.handle.net/10419/178706
- Wiemers, S. A., Stasio, V. D., & Veit, S. (2024). Stereotypes about Muslims in the Netherlands: An Intersectional Approach. Social Psychology Quarterly, https://doi.org/10.1177/01902725231219688
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)