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Verbesserung der Umfrageteilnahme von kleinen und hard-to-reach Populationen

Entwicklung einer maßgeschneiderten Rekrutierungsstrategie für türkische Staatsbürger*innen in Deutschland

Cluster Daten-Methoden-Monitoring

Projektleitung: Dr. Jannes Jacobsen

Projektmitarbeitende: Selina Becker Rasmus Patton

Laufzeit Mai 2025 bis Dezember 2027
Status Laufendes Projekt

Das Projekt entwickelt Strategien, um die Teilnahme von Migrant*innen – insbesondere türkischen Staatsangehörigen – an großen sozialwissenschaftlichen Befragungen zu erhöhen. Ziel ist es, ihre Lebenslagen und Integrationsverläufe besser zu erfassen und Verzerrungen in Bevölkerungsdaten zu verringern. Gemeinsam mit dem DZA und dem BAMF-FZ werden im DFG-Schwerpunktprogramm New Data Spaces for the Social Sciences neue, adaptive Erhebungsdesigns erprobt, um die Teilnahmemotivation gezielt zu stärken.

Leitende Forschungsfragen

Wie lassen sich Migrant*innen – insbesondere türkische Staatsangehörige – durch zielgruppenspezifische Ansprache besser für groß angelegte Befragungen und Panelstudien gewinnen?
Wie beeinflussen verschiedene Erhebungsmodi (z. B. online, postalisch oder persönlich) die Teilnahme und Bindung von Migrant*innen an Panelstudien?
Inwieweit erhöhen auf die Zielgruppe zugeschnittene Fragebogeninhalte und Einladungen die Bereitschaft zur wiederholten Teilnahme?
Welche praxisorientierten Empfehlungen lassen sich aus den Ergebnissen ableiten, um die Beteiligung von Migrant*innen an sozialwissenschaftlicher Forschung langfristig zu stärken?
Wenn bestimmte Gruppen in Befragungen seltener teilnehmen, bleiben wichtige Perspektiven unsichtbar – das wollen wir ändern.
Rasmus Patton, Technischer Mitarbeiter im Bereich Datenerhebung, Cluster Daten-Methoden-Monitoring

Projektleitung: Dr. Jannes Jacobsen (DeZIM), Dr. Michael Weinhardt (DZA), Dr. Mareike Bünning (DZA)

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Das Projekt untersucht, wie die Beteiligung von Migrant*innen – insbesondere türkischen Staatsangehörigen – an groß angelegten Befragungen und Panelstudien verbessert werden kann. Eine stärkere Einbindung dieser Gruppen ist zentral, um ihre Lebenslagen und Integrationsverläufe angemessen zu erfassen und Verzerrungen in Bevölkerungsdaten zu vermeiden. Da Menschen mit Migrationsgeschichte rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ausmachen, ist ihre stärkere Einbindung entscheidend, um gesellschaftliche Entwicklungen realistisch abzubilden. 

In Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) und dem Forschungszentrum des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) werden adaptive Erhebungsdesigns entwickelt und getestet, die Vertrauen stärken, Zugangsbarrieren abbauen und eine langfristige Teilnahme fördern. 

In Zusammenarbeit mit Vertreter*innen der türkischen Community wurden kultursensible Rekrutierungsstrategien und angepasste Feldmaterialien entwickelt. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) führte qualitative Vorstudien in Form von Expert*inneninterviews und Fokusgruppen durch, um zentrale Erfahrungen, Barrieren und Ansatzpunkte für eine erfolgreiche Ansprache zu identifizieren. Die entwickelten Strategien und Materialien werden anschließend in mehreren Befragungsphasen – von der ersten Einladung bis zur Folgeerhebung – unter realen Feldbedingungen erprobt. Die Ergebnisse fließen in bestehende Studien wie den Deutschen Alterssurvey (DEAS) ein und bilden die Grundlage für evidenzbasierte Empfehlungen zur Verbesserung der Datenerhebung. So leistet das Projekt einen Beitrag zu einer inklusiveren, repräsentativeren und zukunftsorientierten Sozialforschung. 

Trotz vielfältiger Bemühungen in der Umfrageforschung werden Migrant*innen und ihre Nachkommen in großen Bevölkerungsstudien weiterhin unzureichend erfasst. Ihre geringere Teilnahmebereitschaft führt zu Verzerrungen und erschwert verlässliche Analysen. Zwar ist bekannt, dass Faktoren wie Alter, Bildung oder Vertrauen in Institutionen die Teilnahme beeinflussen, doch es fehlt bislang an systematischen empirischen Erkenntnissen darüber, wie migrationsspezifische Barrieren – etwa sprachliche, kulturelle oder erfahrungsbezogene Unterschiede – durch gezielt angepasste Erhebungsdesigns abgebaut werden können. Das Projekt schließt diese Lücke, indem es experimentell untersucht, welche Formen der Ansprache, Befragung und Rekrutierung die Teilnahme von Migrant*innen wirksam erhöhen, und schafft damit eine empirische Grundlage für eine inklusivere und methodisch belastbarere Sozialforschung. 

Das Projekt zielt darauf ab, die Teilnahme von Migrant*innen – insbesondere türkischen Staatsangehörigen – an groß angelegten Befragungen und Panelstudien zu erhöhen. Auf diese Weise sollen ihre Lebenslagen und Integrationsverläufe besser erfasst und Verzerrungen in Bevölkerungsdaten verringert werden. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung und experimentelle Erprobung adaptiver Erhebungsdesigns, die darauf abzielen, Vertrauen aufzubauen, Zugangsbarrieren zu reduzieren und die langfristige Beteiligung an wissenschaftlichen Studien zu fördern. Hierzu werden zielgruppenspezifische Rekrutierungsstrategien, angepasste Fragebogeninhalte und verschiedene Erhebungsmodi systematisch getestet und mit Standardverfahren verglichen. Die Ergebnisse fließen in bestehende Studien wie den Deutschen Alterssurvey (DEAS) ein und bilden die Grundlage für evidenzbasierte Best-Practice-Leitlinien, die die Sozialforschung in Deutschland inklusiver und methodisch fundierter gestalten.

In Kooperation mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird auf Basis des Ausländerzentralregisters (AZR) eine Stichprobe türkischer Staatsangehöriger gezogen. In der ersten Erhebungswelle werden rund 10.000 Personen kontaktiert und zufällig verschiedenen Befragungsmodi (persönlich, postalisch, online) zugewiesen. Einladungsschreiben, Fragebogeninhalte und Panel-Consent-Frage werden dabei gezielt variiert, um ihre Wirkung auf Teilnahmebereitschaft und Panelbindung zu untersuchen. Die Feldarbeit der ersten Welle übernimmt das SOKO Institut, während die zweite Welle am DeZIM durchgeführt wird. Der experimentelle Ansatz ermöglicht es, Strategien zu identifizieren, die die Beteiligung von Migrant*innen nachhaltig erhöhen und das Vertrauen in sozialwissenschaftliche Befragungen stärken. 

Die qualitative Projektphase zeigt, dass mangelndes Vertrauen, soziale Ausgrenzung und ein fehlendes Zugehörigkeitsgefühl zentrale Gründe für die geringe Teilnahme türkischer Migrant*innen an Befragungen sind. Sprachliche Hürden spielen zwar ebenfalls eine Rolle, wirken jedoch vor allem symbolisch – als Hinweis auf fehlende Anerkennung und Respekt seitens der Forschenden. Erfolgreiche Rekrutierung erfordert also nicht nur sprachliche Anpassung, sondern vor allem Relevanz, Anerkennung und den Aufbau langfristiger Vertrauensbeziehungen. 

Die Expert*inneninterviews verdeutlichen zudem, dass Insider-Interviewende – also Personen mit ähnlichem kulturellem Hintergrund – den Zugang zu Befragten erleichtern und das Vertrauen stärken können. Eine Ansprache in türkischer Sprache wirkt dabei oft als Türöffner. Insgesamt wird deutlich: Erfolgreiche Rekrutierung erfordert nicht nur sprachliche Anpassung, sondern vor allem Relevanz, Anerkennung und den Aufbau langfristiger Vertrauensbeziehungen.

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Drittmittel)