Welche Rolle spielt Diskriminierung in der Kinder- und Jugendhilfe?
Eine intersektionale empirische Analyse
Abteilung Konsens und Konflikt
Projektleitung: Dr. Ruta Yemane
Wie Diskriminierung Lebensrealitäten in Deutschland beeinflusst, ist zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Für den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe liegt jedoch bislang nur begrenzte empirische Forschung vor. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, welche Rolle unterschiedliche Einstellungen und strukturelle Rahmenbedingungen in der Kinder- und Jugendhilfe für Entscheidungen im Kinderschutz spielen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Inobhutnahme durch Jugendämter, die als zentrale und zugleich eingriffsintensive Schutzmaßnahme gilt. Zivilgesellschaftliche Akteur*innen und Medienberichte haben in der Vergangenheit wiederholt auf Fälle hingewiesen, in denen insbesondere Familien mit Migrations- oder Rassismuserfahrung von problematischen und rechtswidrigen Inobhutnahmen betroffen waren.
Im Rahmen dieses Forschungsprojekts soll daher untersucht werden, ob in der Kinder- und Jugendhilfe rassistische und diskriminierende Einstellungen und Strukturen vorliegen und wie sich diese auf Entscheidungen zu Inobhutnahme und der Gewährung von Hilfen auswirken. Die Studie wird mit einem Mixed-Methods-Ansatz durchgeführt, der Fallstudien und experimentelle Vignettendesigns mit qualitativen Interviews von betroffenen Familien, Fachkräften und Expert*innen kombiniert. Dabei wird untersucht, wie unterschiedliche Dimensionen sozialer Ungleichheit – etwa Rassismus, Klassismus und Geschlechterrollen – im Kontext von Inobhutnahmeverfahren zusammenwirken können.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)