Wer setzt sich gegen Rassismus ein?

Charakteristika und Dynamiken antirassistischer Mobilisierung in Deutschland

Abteilung Konsens und Konflikt

Projektleitung: Dr. Elias Steinhilper

Projektmitarbeitende: Tae Jun Kim

Laufzeit Mai 2023 bis April 2025
Status Abgeschlossenes Projekt

Antirassistische Mobilisierungen haben in Deutschland in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Das Projekt analysierte, welche soziodemografischen und biografischen Faktoren Engagement befördern oder erschweren. Methodisch kombinierte das Projekt qualitative Daten mit quantitativen Daten aus den Panelstudien des DeZIM.

Leitende Forschungsfragen

Wie groß ist das Ausmaß antirassistischer Mobilisierung in Deutschland, und wie verändert es sich über die Zeit?
Wer beteiligt sich an antirassistischer Mobilisierung, und welche soziodemografischen sowie biografischen Faktoren sind ausschlaggebend?
Wenn Freundinnen, Familienangehörige oder Kolleginnen von Rassismuserfahrungen berichten, wird Rassismus zu einer geteilten sozialen Realität – und genau diese indirekte Betroffenheit erweist sich als ein wichtiger Motor antirassistischen Engagements.
Dr. Elias Steinhilper, Co-Leitung Abt. Konsens & Konflikt

Antirassistischer Protest in Deutschland hat in den letzten Jahren stark an Sichtbarkeit und Einfluss gewonnen. Allein Black Lives Matter mobilisierte im Sommer 2020 trotz pandemiebedingter Einschränkungen fast 200.000 Menschen und erhielt breite positive mediale Resonanz. Systematische Analysen zu den Charakteristika und sozialen Dynamiken antirassistischer Mobilisierung fehlen bislang.  Das Forschungsprojekt untersucht auf der Mikroebene, welche soziodemographischen und biografischen Faktoren Engagement begünstigen oder erschweren und welche Motivlagen, Praktiken sowie sozialen Interaktionen das Engagement prägen. So werden differenzierte Einblicke in antirassistische Mobilisierung in Deutschland möglich. 
Aus aktuellem Anlass wurde in einem zusätzlichen Arbeitspaket Beteiligungsmuster bei Protesten gegen Rechtsextremismus analysiert.

Die Determinanten individuellen antirassistischen Engagements in Deutschland waren bislang nur unzureichend erforscht. In repräsentativen Bevölkerungsbefragungen wie dem Freiwilligensurvey oder ALLBUS wird Engagement in spezifischen Themenbereichen, etwa antirassistische Mobilisierung, nicht gezielt erfasst. Das Projekt adressierte diese Forschungslücke, indem es Beteiligungsmuster, Einflussfaktoren und die soziale Diversität der Teilnehmenden empirisch analysierte und zur theoriebasierten Erklärung antirassistischer Mobilisierung beitrug.

  • Erfassung der individuellen Beteiligungsmuster an antirassistischen Mobilisierungen in Deutschland.
  • Analyse zentraler soziodemografischer, biografischer und motivationaler Einflussfaktoren auf antirassistisches Engagement.
  • Weiterentwicklung theoretischer Ansätze zur Erklärung antirassistischer Mobilisierungsprozesse.

Die Ergebnisse dokumentieren ein wachsendes antirassistisches Engagementpotenzial in Deutschland, insbesondere unter Jüngeren, höher Gebildeten und Personen mit diversen sozialen Netzwerken. Geteilte Betroffenheit in der postmigrantischen Gesellschaft stärkt die Engagementbereitschaft. Mit Blick auf Theorieentwicklung unterstreichen die Befunde, dass antirassistisches Engagement zunehmend als sozial verankerte Praxis entsteht, die durch demografische Veränderungen und erweiterte Erfahrungsräume strukturell begünstigt wird.

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)

Publikationen