Wissensnetzwerk Rassismusforschung (WinRa)

Strukturprojekte

Projektleitung: Dr. Aisha-Nusrat Ahmad

Projektmitarbeitende: Roman Koska Aslan Roian Anne Haußner Samira Jani

Assoziierte: Dr. Noa K. Ha

Laufzeit Januar 2023 bis Dezember 2027
Status Laufendes Projekt

WinRa stärkt und vernetzt die in Deutschland bislang verstreute und fragmentierte Rassismusforschung durch einen forschungsgeleiteten, interdisziplinären Austausch. Das Netzwerk bearbeitet zentrale inhaltliche und methodische Fragen, entwickelt Strategien zum Ausbau der Forschungsinfrastruktur und steht Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Öffentlichkeit als Ansprechpartner zur Verfügung. WinRa strebt die Bündelung, Systematisierung und Sichtbarmachung von Wissen zu Rassismus in Deutschland an.

Leitende Forschungsfragen

Welche inhaltlichen, theoretischen und methodischen Leerstellen und Desiderate prägen die Rassismusforschung in Deutschland (disziplinübergreifend und innerhalb einzelner Disziplinen)?
Wie lässt sich eine tragfähige Forschungsinfrastruktur für Rassismusforschung entwickeln (inkl. Strukturentwicklung, Nachwuchsförderung, Transfer)?
Wie kann der Austausch zwischen Rassismusforschung, Rechtsextremismus- und Antisemitismusforschung sowie Integrations-, Migrations- und Fluchtforschung systematisch gestaltet werden?
Wie können Ethik, Methodik und Praxistransfer im Forschungsfeld präziser definiert und umgesetzt werden (inkl. Einbindung zivilgesellschaftlicher und communitybasierter Forschung)?
Die Attentate von Hanau und Halle und die anhaltende rassistische Gewalt in Deutschland verdeutlichen den dringenden Bedarf, Rassismus- und Rechtsextremismusforschung strukturell zu stärken. Das Wissensnetzwerk Rassismusforschung (WinRa) vernetzt und bündelt diese bislang fragmentierten Ansätze, entwickelt Perspektiven für den Ausbau der Forschungsinfrastruktur und fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit.
Dr. Aisha-Nusrat Ahmad, Leiterin Wissensnetzwerk Rassismusforschung

Nicht zuletzt die Attentate von Hanau und Halle sowie die Konjunktur rassistischer Gewalt in Deutschland, die sich strukturell und institutionell manifestiert, zeigen, wie wichtig es ist, entschlossen gegen Rassismus und Rechtsextremismus vorzugehen und die Forschung zu diesen Themen stärker zu fördern, auszubauen und in der Hochschullandschaft zu verankern. Vor diesem Hintergrund stärkt und vernetzt das Wissensnetzwerk Rassismusforschung (WinRa) durch einen forschungsgeleiteten, interdisziplinären Austausch die verstreute und fragmentierte Rassismusforschung in Deutschland strategisch. Inhaltliche wie methodische Fragen nehmen zentralen Raum innerhalb des Wissensnetzwerks ein, das darüber hinaus Strategien für einen Ausbau der Forschungsinfrastruktur für die Rassismusforschung formulieren wird. Das Netzwerk steht zudem als Ansprechpartnerin für Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Wissensnetzwerk Rassismusforschung ist als Verbundprojekt konzipiert. Neben einer Gesamtkoordination und Leitung am DeZIM-Institut in Berlin besteht WinRa aus vier Regionalnetzwerken, die an der Bucerius Law School Hamburg/Universität Hamburg (Netzwerk Nord), der Hochschule Magdeburg-Stendal/ Technische Universität Berlin (Netzwerk Ost), der Universität Mannheim/Universität Bayreuth (Netzwerk Süd) sowie der Universität Bielefeld/Leuphana Universität Lüneburg (Netzwerk West) etabliert sind. WinRa wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Aktuelle und historische Dynamiken von Rechtsextremismus und Rassismus“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für eine Laufzeit von fünf Jahren gefördert und verfolgt Oberziele wie: Vernetzung und Stärkung bestehender Rassismusforschung (quer durch Disziplinen und innerhalb einzelner Disziplinen zur Identifizierung von Leerstellen und Desideraten), Vernetzung der im Rahmen der Förderrichtlinien des BMBF geförderten Forschungsprojekte und Nachwuchsforschungsgruppen, regionale Stärkung und Profilbildung interdisziplinärer Forschungs- und Lehrzusammenhänge sowie die Stärkung und Einbindung der Nachwuchsförderung, Austausch mit der Rechtsextremismus- und Antisemitismusforschung sowie der Integrations-, Migrations- und Fluchtforschung. Für die Umsetzung wurde eine systematische und disziplinäre Bestandsaufnahme der Rassismusforschung in Deutschland vorgenommen, um darauf aufbauend Entwicklungsperspektiven und Handlungsempfehlungen für eine geeignete Forschungsinfrastruktur sowie konkrete Realisierungsmöglichkeiten zur Strukturentwicklung benennen zu können. Darüber hinaus trägt WinRa dazu bei, die Rassismusforschung als Praxis gründlicher zu reflektieren, die Diskussion über das Selbstverständnis des Forschungsfeldes zu unterstützen sowie dieses im Hinblick auf Ethik, Methodik und Praxistransfer präziser zu definieren. WinRa strebt über die gesamte Projektlaufzeit zudem die strukturierte Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure und der communitybasierten Forschung sowie eine nationale wie internationale Vernetzung mit Partnern und Institutionen an. Weitere Informationen: www.winra.org 

WinRa hat erstmalig eine systematische Bestandsaufnahme der Rassismusforschung in Deutschland für den Zeitraum 2015-2025 vorgenommen. Den Bericht zur systematischen Bestandsaufnahme sowie die diesen ergänzenden disziplinären Analysen finden Sie hier: https://www.winra.org/aktuelles/neuer-winra-bericht-bestandsaufnahme-zur-situation-der-rassismusforschung-in-deutschland-2015-2025  

WinRa stärkt und vernetzt die Rassismusforschung über Disziplinen hinweg strategisch, indem es Defizite in der Forschungsinfrastruktur (Vernetzung, Strukturentwicklung, Nachwuchsförderung, Transfer) adressiert und Handlungsempfehlungen für einen Ausbau der Forschungsinfrastruktur formuliert. Darüber hinaus schafft WinRa Schnittstellen zu angrenzenden Forschungsfeldern (Rechtsextremismus-, Antisemitismus-, Migrations-/Integrations-/Fluchtforschung) und fördert den Austausch der Rassismusforschung mit diesen. 

  • Vernetzung und Stärkung der bestehenden Rassismusforschung (interdisziplinär und innerhalb einzelner Disziplinen) zur Identifizierung von Leerstellen und Desideraten;  
  • Vernetzung der BMBF-geförderten Forschungsprojekte und Nachwuchsforschungsgruppen sowie mit weiteren Forschungsvorhaben, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Partner*innen. 
  • Regionale Stärkung und Profilbildung interdisziplinärer Forschungs- und Lehrzusammenhänge sowie Einbindung/Stärkung der Nachwuchsförderung; 
  • Austausch mit Rechtsextremismus- und Antisemitismusforschung sowie Integrations-, Migrations- und Fluchtforschung; Entwicklungsperspektiven und Handlungsempfehlungen für Forschungsinfrastruktur und Strukturentwicklung; 
  • Reflexion und Präzisierung des Forschungsfeldes (Selbstverständnis, Ethik, Methodik, Transfer); strukturierte Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure und communitybasierter Forschung sowie nationale und internationale Vernetzung. 

WinRa hat eine systematische Analyse der Rassismusforschung an deutschen Hochschulen für den Zeitraum 2015 bis 2025 vorgelegt. Diese erfasst die strukturellen Rahmenbedingungen und thematischen Schwerpunkte in diesem zentralen Forschungsbereich, legt Leerstellen in der gegenwärtigen Forschungslandschaft offen und formuliert Empfehlungen für eine nachhaltige Stärkung des Forschungsfeldes. 

Die zentralen Ergebnisse des Berichts verdeutlichen, dass die Rassismusforschung in Deutschland trotz inhaltlicher Breite erhebliche Defizite in der institutionellen Absicherung und langfristigen Wissenschaftsförderung aufweist. Das Feld ist derzeit nur schwach institutionalisiert, die Forschungsförderung bleibt prekär und ereignisgetrieben. Der Bericht macht deutlich, dass trotz wichtiger wissenschaftlicher Beiträge nach wie vor erhebliche Forschungslücken bestehen: In zahlreichen Feldern liegen kaum empirische Studien oder systematische Analysen vor, sodass zentrale Dimensionen rassistischer Ungleichheitsverhältnisse bislang nur unzureichend erfasst sind. Hier geht es zum WinRa-Bericht Zwischen Prekarität und Institutionalisierung. Eine Bestandsaufnahme der Rassismusforschung in Deutschland (2015–2025)https://www.winra.org/fileadmin/user_upload/pdf/WinRa_251127_WebPdf.pdf  

Dieser Bericht wird durch disziplinäre Analysen ergänzt, welche jeweils aus fachspezifischer Perspektive untersuchen, wie sich die Auseinandersetzung mit Rassismus entwickelt hat. Hier geht es zu den disziplinären Analysen: https://www.winra.org/aktuelles/neuer-winra-bericht-bestandsaufnahme-zur-situation-der-rassismusforschung-in-deutschland-2015-2025  

 

Wie kann die Expertise und Perspektive zivilgesellschaftlicher Akteur*innen und betroffener Communitys bestmöglich in den Forschungsprozess eingebunden werden? Zu diesen Fragen führte das Wissensnetzwerk Rassismusforschung (WinRa) im Jahr 2024 elf leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten zivilgesellschaftlichen Organisationen durch. Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Austausch sind im WinRa-Working Paper „Kooperation und Koproduktion in der Rassismusforschung“ dokumentiert. WinRa-Working Paper Kooperation und Koproduktion in der Rassismusforschung: https://www.winra.org/aktuelles/kooperation-und-koproduktion-in-der-rassismusforschung-fuer-eine-gemeinsame-wissensproduktion  

WinRa ist gefördert bis Dezember 2027 und für aktuelle Informationen und weitere Entwicklungen bei WinRa besuchen Sie unsere Website: www.winra.org 

Um Rassismusforschung dauerhaft zu etablieren und strukturell zu stärken, formuliert WinRa folgende Handlungsempfehlungen:

  • Konsolidierung der Förderarchitektur: Einrichtung einer mehrjährigen, eigenständigen Förderrichtlinie für Rassismusforschung (inkl. Infrastruktur- und Transfermodulen). Zudem braucht es DFG-Schwerpunktprogramme und Sonderforschungsbereiche, um wissenschaftliche Tiefe und Langfristigkeit zu sichern.
  • Struktureller Ausbau an Hochschulen: Einrichtung von Professuren mit expliziter Denomination in zentralen Disziplinen (u. a. Rechts-, Medizin/Public-Health-, Erziehungswissenschaft und Soziologie) und eigenständigen Studiengängen zu Rassismus(kritik).
  • Curriculare Verankerung: Verbindliche Integration der Rassismusforschung in die Curricula einschlägiger Disziplinen (insbesondere Lehrer*innenbildung, Medizin, Soziale Arbeit, Rechtswissenschaft, Soziologie).
  • Nachwuchssicherung: Förderung von Nachwuchsgruppen mit klaren Tenure-Track-Modellen, um Personal verlässlich zu binden.

Förderung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (Drittmittel)

Kooperationspartner:

Universität Mannheim (Ansprechperson: Prof. Dr. Irena Kogan), Universität Bayreuth (Ansprechperson: Prof. Dr. Stefan Ouma), Hochschule Magdeburg-Stendal (Ansprechperson: Prof. Dr. Maureen Maisha Auma), Humboldt-Universität zu Berlin (Ansprechperson: Prof. Dr. Gökce Yurdakul), Bucerius Law School (Ansprechperson: Prof. Dr. Mehrdad Payandeh), Universität Hamburg (Ansprechperson: Prof. Dr. Jürgen Zimmerer), Universität Bielefeld (Ansprechperson: Prof. Dr. Paul Mecheril), Leuphana Universität Lüneburg (Ansprechperson: Prof. Dr. Serhat Karakayali)