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Zugangsbarrieren und Gelingensfaktoren für eine soziale Verwurzelung/Integration von Pflegefachkräften im ländlichen und städtischen Raum in Baden-Württemberg

Abteilung Migration

Projektleitung: Dr. Ramona RischkeDr. Zeynep Yanaşmayan

Projektmitarbeitende: Esra Yula

Laufzeit März 2024 bis Oktober 2025
Status Abgeschlossenes Projekt

Dieses Projekt untersucht die sozialen und strukturellen Faktoren, die die erfolgreiche Integration von Pflegefachkräften aus sogenannten Drittstaaten in Baden-Württemberg prägen, sowohl in ländlichen als auch in städtischen Kontexten. Mit einem Mixed-Methods-Ansatz analysiert es Rekrutierungspraktiken und individuelle Erfahrungen, um evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für eine langfristige soziale Verwurzelung zu entwickeln.

Leitende Forschungsfragen

Welche strukturellen und institutionellen Faktoren beeinflussen die Anwerbung und Integration von Pflegefachkräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg?
Mit welchen Hindernissen und Herausforderungen sind Pflegefachkräfte bei ihrer beruflichen und sozialen Integration konfrontiert, und wie unterscheiden sich diese zwischen städtischen und ländlichen Gebieten?
Wie prägen individuelle Migrationsverläufe und -erfahrungen die soziale Verwurzelung, die berufliche Entwicklung und die Mobilitätsperspektiven von international angeworbenen Pflegekräften?
Rekrutieren allein reicht nicht aus, um internationale Pflegekräfte längerfristig zu halten und die Pflegeversorgung nachhaltig zu sichern. Die Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe migrierter Pflegekräfte gehen weit über den berufsspezifischen Kontext hinaus. Sie betreffen vielmehr grundlegende Aspekte sozialer Integration, die viele neuzugewanderte Personen – gerade aus Drittstaaten – gleichermaßen erleben.
Dr. Zeynep Yanaşmayan, Leiterin Abt. Migration

Das Projekt untersucht die sozialen und strukturellen Bedingungen, die die erfolgreiche Integration von Pflegefachkräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg beeinflussen. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels im Pflegebereich und der zunehmenden Rekrutierung im Ausland analysiert es sowohl bestehende Integrationshemmnisse als auch wirksame Erfolgsfaktoren. Dabei kombiniert das Projekt qualitative und quantitative Methoden, um die Erfahrungen, Bedürfnisse und Mobilitätsvorstellungen von neu eingewanderten Pflegekräften in ländlichen und städtischen Regionen zu erfassen. Zusätzlich werden Rekrutierungsstrukturen und rechtliche Rahmenbedingungen in den Blick genommen, die die soziale Verwurzelung der Fachkräfte fördern oder erschweren. Durch den Einbezug zentraler Akteursgruppen wie Arbeitgebern, Vermittlungsstellen sowie den Pflegekräften selbst entsteht ein umfassendes Bild der Integrationsdynamiken. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für evidenzbasierte Empfehlungen dienen, um langfristige Bindung und erfolgreiche Teilhabe neu migrierter Pflegekräfte zu stärken.

Das Projekt adressiert Wissenslücken hinsichtlich sozialer und struktureller Voraussetzungen für eine erfolgreiche soziale Integration von Pflegefachkräften aus Drittstaaten, insbesondere im Hinblick auf Auswirkungen auf Migrationsüberlegungen.

  1. Identifikation sozialer und struktureller Faktoren, die die soziale Integration und längerfristige Bleibeabsichten von Pflegefachkräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg fördern oder behindern.
  2. Analyse von Rekrutierungspraktiken, rechtlichen Rahmenbedingungen und individuellen Erfahrungen, um Integrationsprozesse in ländlichen und städtischen Kontexten besser zu verstehen.
  3. Entwicklung evidenzbasierter Handlungsempfehlungen, die Rekrutierungsverfahren verbessern, die Integration unterstützen und die längerfristige Bindung international angeworbener Pflegefachkräfte stärken. 

Zur Abbildung der komplexen Lebenssituationen und der Integrationsverläufe wurde ein trianguliertes Forschungsdesign gewählt, das individuelle und kollektive Faktoren berücksichtigt und drei verschiedene qualitative und quantitative Ansätze miteinander verschränkt:
Wir haben 16 Expert*innen-Interviews mit Personen aus Pflegeinstitutionen sowie mit lokalen Akteur*innen im Bereich Integration geführt, zwei Fokusgruppen mit Auszubilden den sowie eine Online-Umfrage durchgeführt und ausgewertet. An der Online-Umfrage haben 232 zugewanderte Pflegekräfte in Baden-Württemberg teilgenommen.

  • Viele Befragte erleben ihr Ankommen insgesamt als positiv, stoßen jedoch auch auf erhebliche Herausforderungen. Dazu zählen neben Sprachbarrieren die Wohnungssuche und Bürokratie, zum Beispiel komplizierte Anerkennungsverfahren, verzögerte Visumsprozesse oder Unsicherheiten über den Aufenthaltsstatus. All das erschwert ihr Ankommen. 
  • Vorhandene Beratungsangebote werden von den befragten Pflegekräften durchaus genutzt, doch sind konkrete Zuständigkeiten oft unklar und kommunale Unterstützungsangebote nicht miteinander vernetzt. 
  • Nur etwa die Hälfte der Befragten arbeitet entsprechend ihrer Qualifikation und Erfahrung. Viele berichten von Überlastung und fehlender Einarbeitung.  
  • Diskriminierung am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit gehört für viele zum Alltag, wird aber selten gemeldet. 
  • Die räumlichen Gegebenheiten prägen das Ankommen. Viele Befragte möchten in kleinen oder mittelgroßen Städten leben und schätzen dabei insbesondere die Nähe zum Arbeitsplatz, gute Bus- und Bahnverbindungen und bezahlbare Mieten. 

Während die meisten kurzfristig keinen Umzug planen, zeigt sich langfristig eine große Unentschiedenheit. Bleibeabsichten sind stark abhängig von Wertschätzung im Arbeitsumfeld, rechtlicher Sicherheit, Lebenszufriedenheit und der Möglichkeit zum Familiennachzug.

  • Eine „Willkommenskultur“ in Einrichtungen und Kommunen als Haltung zu stärken, sowie das Anerkennen transnationaler Lebensrealitäten stellen zentrale Handlungsfelder dar. 
  • Oft fehlt es an klareren Zuständigkeiten und einer systematischen Koordinierung von Unterstützungsdiensten auf kommunaler und Landesebene, Zudem ist es essenziell, vorhandene Beratungsangebote bekannt zu machen, um Migrant*innen und Einrichtungen gleichermaßen zu unterstützen. 
  • Angesichts vielfältiger Integrationsverläufe und damit verbundener Bedarfe sollten Maßnahmen verlässlich und transparent sowie wohnortnah zugänglich gemacht werden. 
  • Der Zugang von Migrant*innen zu regulären Strukturen des Wohnungsmarktes als Bedingung für ihr Wohlbefinden und längerfristige Bleibeperspektiven vor Ort sollte von Einrichtungen und Akteuren in Kommunen und Zivilgesellschaft unterstützt werden. 
  • Die Anerkennung von Qualifikationen sowie weiterführende Sprachkurse als Teil der Arbeitszeit sollten unterstützt werden.  

„Drittstaatsangehörige“ sind Personen, die die Staatsangehörigkeit eines Landes besitzen, das weder Mitglied der Europäischen Union (EU) noch des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ist. 

  • Yula, Esra; Rischke, Ramona; Yanaşmayan, Zeynep; Käferstein, Melinda (2025): Willkommen in der Pflege? Perspektiven auf das Ankommen und Bleiben von Pflegekräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg. DeZIM Project Report 18, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). 
  • Kordel, Stefan; Rischke, Ramona; Weidinger, Tobias; Yanasmayan, Zeynep (2025) Policy Paper, Soziale Teilhabe von Pflegekräften mit Migrationsbiographie in Stadt und Land. 

Förderung: Diakonisches Werk Württemberg und Diakonisches Werk Baden (Drittmittel)