Publikationstyp: Zeitschriftenartikel
Wenn „Demokratie fördern“ zu „Demokratie verteidigen“ wird: Bedrohungslagen und contested spaces der postmigrantischen (Zivil-)Gesellschaft
AutorInnen: Schöll, Anja Publikationsjahr: 2025
Zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland, die im Bereich Vielfaltgestaltung und Anti-Diskriminierung tätig sind, sind mit Bedrohungslagen konfrontiert. Eine Ana-lyse basierend auf Mixed-Method-Erhebungen mit 78 „Demokratie leben!“-Projekten und 50 weiteren anonymen Organisationen zeigt einen Anstieg von Bedrohungen – darunter Hate Speech, Diskriminierung und störende Übergriffe – zwischen 2020 und 2024. Beson-ders betroffen sind Organisationen in strukturschwachen Regionen sowie jüdische, mi-grantische und queere Einrichtungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass zivilgesellschaftliche Akteur:innen zunehmend zwi-schen Demokratieförderung und (Selbst-)Verteidigung agieren müssen. Während konkrete Bedrohungen den Handlungsspielraum einschränken, entwickeln Organisationen Gegen-strategien und erarbeiten Sicherheitskonzepte. In aktuelle Literatur eingeordnet zeigt sich, dass von einem contested space gesprochen werden kann statt eines shrinking space. Es bedarf neben Beratungsangeboten, staatlicher Unterstützung und langfristiger Finanzie-rung insbesondere Sicherheitsmaßnahmen und Vernetzung, um die Resilienz der postmi-grantischen, zivilgesellschaftlichen Akteur:innen zu stärken.
doi: 10.5771/2196-3886-2025-2-39 Open Access