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DeZIM_talk | ‚Rasse‘, Rassifizierung und die Verwandtschaft von Antisemitismus und Rassismus
Wo: Online via Zoom und am DeZIM-Institut, Mauerstraße 76, 10117 Berlin
Wann: Donnerstag, 07. Mai 2026 , 17:00 – 18:30 Uhr
Bitte melden Sie sich bis zum 6.5. 18:00 hier an: ANMELDUNG
Dr. Daniel James ist von April bis Juni 2026 der erste Fellow im Rahmen des Fellowship-Programms „Relationship between Antisemitism and Racism“ (RAR-Fellowship). Das Fellowship wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert und ist ein gemeinsames Vorhaben des Forschungsnetzwerks Antisemitismus im 21. Jahrhundert (FoNA21) und des Wissensnetzwerks Rassismusforschung (WinRa).
Im Zentrum seines Vortrags steht eine grundlegende Debatte, die insbesondere in Deutschland intensiv geführt wird: das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus. Die Debatte bewegt sich oft zwischen zwei Polen: Entweder gilt Antisemitismus als kategorial verschieden von Rassismus oder als dessen spezifische Form. Dr. Daniel James argumentiert, dass diese Debatte sich anders darstellt, sobald man eine stillschweigende Voraussetzung freilegt: Rassismus wird häufig anhand des Musters des antischwarzen Rassismus als eine Sache der Hautfarbe – oder der ‚Rasse‘ – begriffen.
Ausgehend von einer kritischen Analyse der begrifflichen Grundlagen schlägt der Vortrag vor, den Fokus vom statischen Begriff der ‚Rasse‘ hin zum dynamischen Begriff der Rassifizierung zu verschieben. Während ‚Rasse‘ eine Entweder-oder-Kategorie ist, erlaubt Rassifizierung als Prozess graduelle Abstufungen – und erfasst so auch Formen der Zuschreibung und Unterordnung, die nicht an sichtbare Merkmale gebunden sind. Anhand historischer Beispiele wird gezeigt, wie jüdische Identität in unterschiedlichen Kontexten – vom spätmittelalterlichen Spanien bis in die USA der Gegenwart – teilweise rassifiziert wurde. Aus diesen Rassifzierungsprozessen geht eine Position hervor, die weder vollständig ein- noch vollständig ausgeschlossen ist: nicht ganz weiß, aber auch nicht eindeutig nicht-weiß.
Der Vortrag eröffnet damit einen differenzierten Zugang zur Verwandtschaft von Antisemitismus und Rassismus, ohne sie kategorial zu trennen oder einander unterzuordnen.
Mitwirkende:
Dr. Daniel James arbeitet zur klassischen deutschen Philosophie mit Schwerpunkten bei Hegel und Marx, zur Sozialphilosophie sowie zur Philosophy of Race und zur Philosophie der Sozialwissenschaften. Sein Habilitationsprojekt Rassismus ohne Rasse entwickelt einen Begriff von Rassismus, der vom Prozess der Rassifizierung ausgeht und damit auch Phänomene wie Antisemitismus oder antiosteuropäischen Rassismus auf nicht-reduktive Weise fassen kann. Jüngere Arbeiten umfassen den gemeinsam mit Franz Knappik verfassten Band Hegel and Colonialism sowie den Aufsatz „Folk Concepts of Race, Cross-culturally“ (mit Leda Berio, Steffen Koch, Alex Wiegmann und Benedict Kenyah-Damptey).
Moderation: Neta-Paulina Wagner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor