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Diversitätsarbeit in Stiftungen: Neue Studie zeigt große Unterschiede und strukturelle Hürden

Die Deutschlandstiftung Integration (DSI) und das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) haben die Ergebnisse beim „Vielfalt stiften Forum“ präsentiert.

Die Deutschlandstiftung Integration (DSI) hat am Mittwoch zum „Vielfalt stiften Forum“ in Berlin eingeladen, um gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) die neue empirische Studie „Wie können wir Vielfalt stiften?“ vorzustellen. Diese untersucht erstmals umfassend, wie migrantische und migrantisierte Menschen Diversität, Antidiskriminierung und Arbeitsbedingungen im deutschen Stiftungswesen erleben. Die Studie – entstanden im Rahmen des Stipendienprogramms „Vielfalt stiften“ der DSI – zeigt: Obwohl viele Stiftungen Diversität als wichtiges Handlungsfeld benennen, bestehen weiterhin strukturelle Hürden, sowohl in Bewerbungsprozessen als auch im Arbeitsalltag.

Erstmals umfassende Datenlage zu migrantischen Perspektiven im Stiftungssektor

Die Studie kombiniert quantitative und qualitative Ansätze der Sozialforschung. Neben einer Umfeldbefragung des Stiftungssektors und Interviews mit Führungskräften und Personaler*innen, stand insbesondere die Perspektive der jungen Stipendiat*innen im Mittelpunkt.

Die Ergebnisse zeigen:

  • Der Entwicklungsstand von Diversitätsarbeit im Stiftungssektor ist unterschiedlich. Während einige Organisationen erste Schritte gehen, arbeiten andere bereits strukturiert an diversitätsorientierter und diskriminierungskritischer Organisationsentwicklung. Jedoch bleibt eine flächendeckende, strategische Verankerung von Vielfalt und Antidiskriminierung bislang die Ausnahme.
  • Für migrantische Bewerber*innen spielen die Umsetzung von Diversitätsförderung und Antidiskriminierung eine größere Rolle als für nicht-migrantische Bewerber*innen. Insbesondere gelebte Diversitätspraxis zählt stärker als die bloße Benennung einzelner Maßnahmen.
  • Antizipierte Diskriminierung beeinflusst Bewerbungsentscheidungen. Die Sorge bzw. Erwartung, im Auswahlprozess benachteiligt zu werden, stellt für Betroffene eine reale Hürde dar.
  • Im Arbeitsalltag werden sowohl positive als auch negative Erfahrungen sichtbar. Fehlende Safe(r) Spaces, starre Hierarchien oder die Aberkennung von Expertise wirken sich belastend aus. Gleichzeitig profitieren viele migrantische und migrantisierte Berufseinsteiger:innen von guten Onboarding-Strukturen, einer offenen Feedbackkultur, Mentoring sowie empowernden Allianzen.

 
„Forschung macht Barrieren sichtbar“

Prof. Dr. Naika Foroutan – Direktorin des DeZIM-Instituts – betonte in ihrer Keynote die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für strukturelle Veränderungen im Stiftungssektor. Forschung sei ein zentrales Werkzeug, um Ausschlüsse sichtbar zu machen und Veränderungsprozesse fundiert anzustoßen: „Wer Vielfalt will, muss Macht teilen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ausschlüsse im Stiftungswesen nicht zufällig entstehen, sondern strukturell verankert sind – in Routinen, Netzwerken und Entscheidungswegen. Diversität lässt sich allerdings nicht einfach per Leitspruch herstellen; sie erfordert verbindliche Strategien und die Bereitschaft, diese auch einzuhalten. Forschung schafft – zumindest für die Überprüfung des eigenen Versprechens – die notwendige empirische Grundlage.“

Handlungsempfehlungen für ein vielfältiges Stiftungswesen und was sie für den Arbeitsalltag bedeuten

Die Studie zeigt, dass Stiftungen auf verschiedenen Ebenen ansetzen müssen, um Diversität nachhaltig zu stärken – von strategischer Planung über Accountability-Strukturen bis hin zu diversitätssensiblen Recruiting-Prozessen. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei Maßnahmen ein, die den Arbeitsalltag unmittelbar betreffen, etwa verlässliche Onboarding-Strukturen, Mentoringprogramme oder geschützte Austausch- und Empowerment-Räume.

Wie wichtig solche Ansätze sind, wird in den Erfahrungen einer Stipendiatin aus dem Programm „Vielfalt stiften“ deutlich: „Als ich nach Einstiegsmöglichkeiten im Stiftungswesen suchte, wirkten viele Räume zunächst fremd – wegen fehlender Repräsentation und oft auch elitärer Zugänge. ,Vielfalt stiften‘ hat mich darin bestärkt, weiterzugehen: Das Programm adressiert bestehende Barrieren, eröffnet echte Zugänge und gibt Stiftungen wichtige Impulse, ihre Strukturen diversitätsorientiert weiterzuentwickeln.“
 
„Programme wie ,Vielfalt stiften‘ wirken direkt in die Strukturen hinein“

Auch die Perspektive der Deutschlandstiftung Integration machte deutlich, wie wichtig praxisnahe Förderprogramme für strukturelle Veränderungsprozesse im Stiftungswesen sind. Geschäftsführer Mikolaj Ciechanowicz hob hervor, dass das Programm „Vielfalt stiften“ nicht nur Impulse setzt, sondern direkt in die Organisationskulturen hineinwirkt. Veränderung werde dann möglich, so Ciechanowicz, „wenn strukturelle Ansätze und individuelle Förderung zusammenkommen“. Die Studie liefere hierfür konkrete Hinweise, wie Stiftungen diversitätssensibler arbeiten können. Zugleich zeigen die Erfahrungen aus den Hospitationen, „wie wertvoll sichere Lernräume, Mentoring und eine empowernde Organisationskultur sind – für die Betroffenen und für den gesamten Sektor“.

Große Resonanz bei der Veranstaltung

Fast 250 Vertreter*innen aus Stiftungen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Medien nahmen am Forum in Berlin und per Livestream teil. Auf dem Podium diskutierten Araba Pilic, Dr. Seyran Bostancı, Dr. Ferdinand Mirbach und Meltem Yalçın darüber, wie diversitätsorientierte Organisationsentwicklung im Stiftungssektor gelingen kann. Ergänzt wurde das Programm durch einen musikalischen Beitrag der Künstlerin Frankie Balou sowie eine Performance von Stipendiatinnen in Erinnerung an May Ayim, Mitbegründerin der afrodeutschen Bewegung. Den Abschluss bildete ein lebhaftes Get-together, bei dem sich die Teilnehmenden vernetzten und die Diskussionen des Tages weiterführten.
 
Stiftungen sichern Fortführung von „Vielfalt stiften“

Zum Abschluss hielt das Event ein weiteres Highlight bereit: Geschäftsführer Mikolaj Ciechanowicz verkündete die Weiterführung des Programms „Vielfalt stiften“, die dank der Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Mercator möglich wird – ein deutliches Zeichen für ein diversitätsorientiertes Stiftungswesen. Auf Basis der vorgestellten Publikation werden neue Maßnahmen im Programm entwickelt, die sowohl evidenzbasiert als auch nah an den Bedürfnissen der Praxis gestaltet sind. Ab dem 01.03.2026 sind Stiftungen eingeladen, Teil dieser Weiterentwicklung zu werden.
 
Download der Publikation
Die vollständige Studie „Wie können wir Vielfalt stiften?“ können Sie hier downloaden. Pressefotos vom „Vielfalt stiften Forum“ finden Sie hier.

Pressekontakte

Deutschlandstiftung Integration
Laura Biermann-Firek
Referentin „Vielfalt stiften“
Tel.: + 49 (0)30 54 70 70 5 - 27
Mail: vielfalt-stiften[at]deutschlandstiftung.net
 
Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung
Angie Pohlers
Pressereferentin
+ 49 (0)30 20 07 54 - 130
Mail: presse[at]dezim-institut.de

ÜBER DIE DEUTSCHLANDSTIFTUNG INTEGRATION (DSI)
Die Deutschlandstiftung Integration (DSI) ist eine überparteilich agierende, gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin, die 2008 vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger gegründet wurde. Unter der Schirmherrschaft des Bundeskanzlers setzt sie sich gegen soziale Ungleichheiten und für Chancengerechtigkeit von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie anderen marginalisierten Gruppen in Deutschland ein. Die Stiftung unterstützt Maßnahmen zur gesellschaftlichen und beruflichen Vernetzung engagierter Menschen und führt Projekte sowie nationale Öffentlichkeitskampagnen durch, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.
Weitere Informationen über die DSI und aktuelle Projekte finden Sie unter:
www.deutschlandstiftung.net
 
ÜBER VIELFALT STIFTEN
„Vielfalt stiften“ ist ein Programm der Deutschlandstiftung Integration (in Zusammenarbeit mit dem DeZIM-Institut) gefördert von der Robert Bosch Stiftung, der Stiftung Mercator, der Deutsche Postcode Lotterie, der ZEIT STIFTUNG BUCERIUS und der Fritz Henkel Stiftung. (2024–2026)  
Mit dem Förderprogramm setzt die Deutschlandstiftung Integration (DSI) gemeinsam mit kooperierenden Stiftungen sowie dem DeZIM-Institut Impulse für eine diversitätsorientierte Organisations- und Personalentwicklung im deutschen Stiftungswesen. Zu diesem Zweck werden dreimonatige Hospitationen in Stiftungen angeboten. Die Mitarbeitenden der Deutschlandstiftung Integration sind dabei sowohl in den wissenschaftlichen Forschungsprozess eingebunden als auch für das Projektmanagement, die strategische Programmkampagne und ein pädagogisches Begleitprogramm für die Teilnehmenden verantwortlich (weitere Informationen unter: www.vielfalt-stiften.de). 
Möchten auch Sie mit Ihrer Stiftung dabei sein? Die Deutschlandstiftung Integration freut sich über Ihr Interesse. Ansprechpartner und Projektleitung: Matthias Dederichs

ÜBER DAS DEZIM
Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) forscht zu Integration und Migration, zu Konsens und Konflikten, zu gesellschaftlicher Teilhabe und Rassismus. Es besteht aus dem DeZIM-Institut und der DeZIM-Forschungsgemeinschaft. Das DeZIM-Institut hat seinen Sitz in Berlin-Mitte. In der DeZIM-Forschungsgemeinschaft verbindet sich das DeZIM-Institut mit sieben anderen Einrichtungen, die in Deutschland zu Migration und Integration forschen. Das DeZIM wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.