„Von Natur aus fleißiger?“ Knapp die Hälfte der Bevölkerung glaubt an Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen

Der Monitoringbericht 2026 des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) zeigt, wie verankert Rassismus in der Gesellschaft ist. Auch Erfahrungen mit Diskriminierung sowie Vertrauen in Staat und Politik stehen im Fokus.

Sind bestimmte Kulturen „fortschrittlicher und besser“ als andere? In Deutschland wird diese Meinung von zwei Dritteln der Menschen (66 %) geteilt. Knapp die Hälfte der Bevölkerung (48 %) vertritt die Ansicht, dass gewisse Gruppen „von Natur aus fleißiger“ wären als andere. Das zeigt der Monitoringbericht 2026 des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) unter dem Titel „Verfestigte Abwertungen, fragiles Vertrauen. Rassismus und Diskriminierung in Deutschland“. Vor dem Hintergrund anhaltender gesellschaftlicher Debatten über Migration und Zugehörigkeit zeigt der jährliche Bericht, wie Rassismus in Deutschland erlebt und verarbeitet wird. Die Ergebnisse belegen: Rassistische Einstellungen, auch offenkundige, sind weit verbreitet.

Diese Befunde werden gespiegelt durch die subtilen und offenkundigen Diskriminierungserfahrungen, deren Ausmaß für die Studie ebenfalls erfasst wurde. So berichtet ein Viertel der Schwarzen Menschen in Deutschland mindestens einmal im Monat beleidigt oder angegriffen zu werden. Verbreitet sind außerdem indirekte, also gehörte oder beobachtete, Rassismuserfahrungen. Der Bericht belegt zudem einen Trend, der seit 2022 anhält: Rassistisch markierte Personen* weisen im Vergleich zu nicht rassistisch Markierten deutliche Vertrauensverluste in gesellschaftliche Institutionen auf. Dies trifft besonders auf muslimische Befragte zu.

Die Ergebnisse basieren auf einer NaDiRa.panel-Befragung zwischen Oktober 2025 und Januar 2026. Befragt wurden 8.171 in Deutschland lebende Personen zwischen 20 und 74 Jahren. Zum Vergleich wurden die Panelerhebungen von 2022 mit 21.394 Teilnehmenden und von 2024/2025 mit 9.509 Befragten herangezogen. Somit sind Vergleiche über mehrere Jahre möglich.

* Die Analysen in diesem Bericht arbeiten u.a.mit Selbstidentifikation. Befragte können sich etwa als Schwarz, asiatisch, muslimisch oder osteuropäisch – im Bericht bisweilen zusammengefasst als „rassistisch markiert“ – sowie als Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund verorten. Es sind mehrere Auswahloptionen gleichzeitig möglich.
 

ZENTRALE ERGEBNISSE

  • Mehr als jede dritte Person teilt offen rassistische Einstellungen.
    Annahmen über vermeintlich naturgegebene Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen bleiben weit verbreitet – obwohl sie wissenschaftlich widerlegt sind: Mehr als ein Drittel der Befragten (36 %) stimmt der Aussage zu, es gebe menschliche „Rassen“. Verbreitet sind auch Vorstellungen, die reale soziale Ungleichheiten mit vermeintlichen biologischen Unterschieden erklären. So ist knapp die Hälfte der Befragten der Ansicht, gewisse Gruppen seien „von Natur aus fleißiger“ als andere (48 %). Zwei Drittel (66 %) meinen außerdem, dass bestimmte Kulturen „fortschrittlicher und besser“ seien als andere. Diese Einstellungen finden sich in allen befragten Gruppen.
  • Wer rassistische Diskriminierung verharmlost, weist auch häufiger offen rassistische Einstellungen auf.
    Jede*r zehnte Befragte (11 %) ist der Meinung, dass „Diskriminierung von Angehörigen ethnischer oder religiöser Minderheiten kein Problem mehr in Deutschland“ sei. Mehr als ein Viertel (29 %) denkt, dass „Staat und Medien in den letzten Jahren mehr Rücksicht auf ethnische und religiöse Gruppen genommen“ hätten, „als Ihnen zusteht“.
    Die Zustimmungswerte zu solchen verdeckt rassistischen Aussagen bewegen sich in den NaDiRa-Erhebungen seit 2022 auf einem weitgehend stabilen Niveau. In den Analysen zeigt sich überdies ein Zusammenhang mit offenen rassistischen Einstellungen: Personen, die Diskriminierung gegenüber ethnischen oder religiösen Minderheiten relativieren, deren Gleichstellungsforderungen delegitimieren oder vermeintlich unverdiente Vorteilen wahrnehmen, stimmen deutlich häufiger auch explizit rassistischen Aussagen zu.
  • Ein Viertel der Schwarzen Personen in Deutschland wird mindestens einmal pro Monat beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen.
    25 % der Schwarzen und 17 % der muslimischen Personen in Deutschland werden mindestens monatlich offen diskriminiert, etwa durch Beleidigungen und Bedrohungen. 32 % bzw. 33 % berichten von solchen Erlebnissen in den zurückliegenden zwölf Monaten.
    Noch häufiger sind Angaben zu subtiler Diskriminierung wie unfreundliche Behandlung, ignoriert oder nicht ernst genommen zu werden. Knapp zwei Drittel (63 %) der Schwarzen Befragten berichteten, solche Erfahrungen mindestens monatlich zu machen. Bei nicht rassistisch markierten Personen liegt dieser Anteil bei 26 %. Diskriminierungserfahrungen werden vor allem im öffentlichen Raum gemacht, wobei sich hier Unterschiede zeigen: Mehr als 40 % der Schwarzen und mehr als ein Drittel der muslimischen Befragten geben an, dort in den vergangenen zwölf Monaten Diskriminierung erlebt zu haben. Unter nicht rassistisch markierten Personen liegt der Anteil bei etwa 10 %.
    In der Gesamtbevölkerung ist der Anteil der Personen mit Diskriminierungserfahrungen zwischen 2024 und 2025 von 41 % auf 32 % gesunken. Dieser Rückgang zeigt sich vor allem bei nicht rassistisch markierten Personen: In dieser Gruppe nimmt der Anteil von 53 % auf 37 % ab. Bei rassistisch markierten Personen hingegen bleibt der Wert fast stabil mit 77 % in 2024 und 73 % in 2025. Damit berichten weiterhin nahezu drei Viertel dieser Gruppe von jüngst gemachten Diskriminierungserfahrungen – gegenüber gut einem Drittel der nicht rassistisch markierten Bevölkerung.
  • Mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat in den vergangenen zwölf Monaten rassistische Vorfälle beobachtet.
    Menschen sind indirekt von Rassismus betroffen, wenn sie in der Familie, im Freundeskreis oder im beruflichen Kontext von Rassismuserfahrungen hören oder diese selbst beobachten. Nahezu jede dritte befragte Person (30 %) hat solche Berichte in den letzten zwölf Monaten gehört. 28 % haben im gleichen Zeitraum selbst rassistische Vorfälle beobachtet. Die Werte variieren stark nach Gruppen: Während 23 % der nicht rassistisch markierten Befragten angeben, zuletzt von rassistischen Vorfällen in ihrem Umfeld gehört zu haben (beobachtet: 22 %), sind es unter Schwarzen Befragten 59 % (beobachtet: 54 %). Damit zeigen die Daten, dass Diskriminierung auch eine soziale Reichweite entwickelt, die über unmittelbare Betroffenheit hinausgeht.  
  • Eigene Diskriminierungserfahrungen gehen systematisch mit geringerem Vertrauen in staatliche Institutionen einher.
    Im Zeitverlauf (2022 bis 2025) entwickelt sich das Vertrauen in Polizei, Justiz, Bundesregierung und Politiker*innen zunehmend ungleich zwischen den befragten Gruppen. Während es unter nicht rassistisch markierten Personen weitgehend stabil bleibt, sinkt es in rassistisch markierten Gruppen deutlich – bei muslimischen Befragten um bis zu 27 Prozentpunkte.
    Personen, die häufig selbst Diskriminierung erfahren, berichten durchgehend niedrigere Vertrauenswerte als Personen ohne solche Erfahrungen. Besonders ausgeprägt ist dieser Zusammenhang unter rassistisch markierten Personen: Je nach Institution beträgt der Abstand zwischen Personen ohne und mit häufiger Diskriminierungserfahrung bis zu 25 Prozentpunkte – etwa beim Vertrauen in die Polizei (90 % gegenüber 65 %) oder in die Bundesregierung (48 % gegenüber 29 %).
    Diese Tendenz gilt auch für indirekte Rassismuserfahrungen, also Gehörtes oder Beobachtetes: Der Anteil der Personen mit Vertrauen gegenüber der Polizei liegt bei nicht rassistisch markierten Personen ohne solche Erfahrungen bei 92 % und bei 85 % mit entsprechenden Beobachtungen oder Berichten. Bei rassistisch markierten Personen ist der Effekt noch deutlicher. 

Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung„Wenn Menschen anderen Menschen nur wegen ihres Aussehens oder ihrer Herkunft weniger Wert zuschreiben als sich selbst, ist das rassistisch. Die Ergebnisse des Berichts sind ein Weckruf, dass wir entschiedener gegen Rassismus vorgehen müssen. Freundliche Bekenntnisse zur Vielfalt in der Gesellschaft reichen nicht, die Bundesregierung muss Menschen endlich besser vor Diskriminierung schützen. Dazu brauchen wir eine umfassende Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.“

Prof. Dr. Frank Kalter, Direktor des DeZIM-Instituts„Rassistische Einstellungen und Diskriminierungserfahrungen sind wichtige Bausteine, um Ungleichheiten, ihre Entwicklungen und ihre Folgen in der Gesellschaft zu verstehen. Für die Erfassung und Analyse ist dabei zentral, dass die Methoden unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen. Das Zusammenspiel offenkundiger und subtiler Formen rassistischer Einstellungen sowie direkter und indirekter Rassismuserfahrungen ergibt ein differenziertes Gesamtbild. Der NaDiRa erlaubt uns, die entsprechenden Entwicklungen nicht aus dem Blick zu verlieren und mit einer starken Datengrundlage umfänglich zu berichten.“

Dr. Cihan Sinanoğlu, Leiter des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors: „Der aktuelle Monitoringbericht zeigt, dass Diskriminierungserfahrungen und institutionelles Vertrauen eng miteinander verbunden sind und zwischen Bevölkerungsgruppen deutlich unterschiedlich verteilt bleiben. Fünf Jahre nach unserer Auftaktstudie ‚Rassistische Realitäten‘ sind Fragen von Migration, Zugehörigkeit und Rassismus weiterhin im Zentrum gesellschaftlicher Debatten – zum Teil auch in zugespitzter Form. Vor diesem Hintergrund ist ein kontinuierliches, empirisch fundiertes Monitoring besonders wichtig. Es schafft eine belastbare Grundlage, um gesellschaftliche Entwicklungen einzuordnen und Politik auf verlässliche Daten zu stützen.“ 

Weitere Informationen
Das NaDiRa.panel wurde 2022 als repräsentative Online-Längsschnittbefragung eingerichtet, um belastbare quantitative Daten zu Rassismus und Diskriminierung in Deutschland zu erheben. In jeder Erhebungswelle nehmen mehrere Tausend Personen teil. Der Monitoringbericht 2026 basiert vorrangig auf der zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 durchgeführten Panelbefragung mit 8.171 Teilnehmenden. Für die Analyse zeitlicher Entwicklungen werden zusätzlich die Befragungen aus den Jahren 2022 (Juni bis November 2022 mit 21.394 Teilnehmenden) und 2024/25 (August 2024 bis Januar 2025 mit 9.509 Teilnehmenden) herangezogen. In allen drei Befragungen wurden zentrale Fragen zu rassistischen Einstellungen, Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen sowie zu gesellschaftlichen Auswirkungen identisch erhoben. Durch die wiederholte Befragung lassen sich auch Veränderungen und Entwicklungen im Zeitverlauf erfassen.

Eine Besonderheit des Panels ist die gezielte Überrepräsentation von Personen mit Bezügen zu Afrika (ohne Nordafrika), Süd-, Ost- und Südostasien, zur Türkei sowie zu mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern. Dadurch wird eine differenzierte Analyse von Gruppen ermöglicht, die besonders häufig von Diskriminierung betroffen sind.  

Der NaDiRa-Monitoringbericht erscheint jährlich und liefert eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung in Deutschland.

Alle Informationen zum Monitoringbericht 2026 sowie einen Downloadlink finden Sie hier.
 

Für weitere Informationen und Presseanfragen kontaktieren Sie bitte:  
Mail: presse[at]dezim-institut.de 
Tel.: 030 / 200 754 -130

ÜBER DEN NADIRA 
Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) erfasst systematisch Diskriminierung und Rassismus in Deutschland. Ziel ist es, Ursachen, Ausmaß und Folgen empirisch zu untersuchen und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Der langfristig angelegte Monitor macht Entwicklungen über die Zeit sichtbar. Der Deutsche Bundestag beauftragte das DeZIM im Juli 2020 mit dem Aufbau des Monitors. Ein begleitender zivilgesellschaftlicher Prozess bindet insbesondere von Rassismus betroffene Communitys ein. Der NaDiRa unterstützt zudem die Erfüllung internationaler Verpflichtungen zur Datenerhebung und -analyse im Bereich rassistischer Diskriminierung, etwa gegenüber der European Commission against Racism and Intolerance (ECRI) und der International Convention on the Elimination of All Forms of Racial Discrimination (ICERD).  

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen des Programms „Demokratie leben!“. Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des BMBFSFJ oder des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) dar. Für inhaltliche Aussagen tragen Herausgeber sowie Autorinnen und Autoren die Verantwortung.