Friedenswahrnehmungen und Migrationsbestrebungen in von gewaltsamen Konflikten geprägten Gesellschaften
Abteilung Migration
Projektleitung: Dr. Pau Palop-García
Leitende Forschungsfragen
„Unser Projekt zeigt, wie unterschiedliche Vorstellungen von ‚Frieden‘ die Migrationsbestrebungen von Menschen in konfliktgeprägten Gesellschaften beeinflussen.“Dr. Pau Palop-García, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Abteilung Migration
Die Literatur über Migrationsbestrebungen konzentriert sich darauf, zu verstehen, wie individuelle und kontextuelle Faktoren die Wünsche, Absichten oder Pläne von Einzelpersonen in Bezug auf Migration bestimmen. Die empirische Forschung der letzten Jahrzehnte haben erst teilweise untersucht, wie die Determinanten von Migrationsbestrebungen in von gewaltsamen Konflikten geprägten Gesellschaften geformt werden. Durch die Verknüpfung der wissenschaftlichen Literatur zu Migrationsbestrebungen und Konfliktstudien adressiert dieses Forschungsprojekt diesen Teil der Literatur. Die Forschungsfrage dieses Projekts untersucht, wie die unterschiedlichen Vorstellungen des Konzepts von ‚Frieden‘, die Menschen haben, Migrationsbestrebungen auf individueller Ebene beeinflussen. Um die Forschungsfrage zu beantworten, wird das Projekt multivariate Regressionsanalysen anwenden, um Daten aus repräsentativen Umfragen in fünf Ländern (Kolumbien, Venezuela, Kamerun, den Philippinen und Tunesien) zu analysieren. Das Projekt wird in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) durchgeführt.
Während bestehende Forschung vor allem strukturelle und ökonomische Faktoren berücksichtigt, fehlt es an Studien, die subjektive Vorstellungen von Frieden in konfliktgeprägten Gesellschaften systematisch in die Analyse von Migrationsentscheidungen einbeziehen.
Zentrale Determinanten von Migrationsbestrebungen in konfliktgeprägten Gesellschaften um Friedenswahnehmungen zu erweitern.
Wir analysieren Daten aus repräsentativen Umfragen in fünf Ländern (Kolumbien, Venezuela, Kamerun, den Philippinen und Tunesien) mithilfe multivariate Regressionsanalysen. Die Umfragedaten stammen aus dem Projekt ‚PEACEptions‘, das von Prof. Dr. Sabine Kurtenbach am GIGA German Institute for Global and Area Studies koordiniert und in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) durchgeführt wurde.
- In allen untersuchten Ländern zeigen sich höhere Migrationsbestrebungen bei Personen, die Frieden mit Partizipation, Inklusion oder dem Zugang zu Rechten verbinden, während stärker auf Stabilität oder Ruhe ausgerichtete Friedensvorstellungen sowie bestimmte familiäre Umstände mit geringeren Wanderungsabsichten einhergehen.
- In Kolumbien sind Migrationsbestrebungen beispielsweise bei Gruppen höher, die Frieden als Partizipation und Inklusion verstehen, während eher konservative oder sicherheitsorientierte Vorstellungen von Frieden mit niedrigeren Migrationsabsichten verbunden sind.
- In Tunesien geht das Verständnis von Frieden als Partizipation und Inklusion ebenfalls mit höheren Migrationsbestrebungen einher, wohingegen stärker auf Stabilität ausgerichtete Friedensvorstellungen mit geringeren Migrationsabsichten korrespondieren.
- In Venezuela steigen die Migrationsbestrebungen, wenn Frieden mit dem Zugang zu Rechten assoziiert wird, während bestimmte familiäre Umstände – etwa das Vorhandensein von Kindern – die Wahrscheinlichkeit verringern, migrieren zu wollen.
„Friedensvorstellungen“ bezeichnen die individuellen oder kollektiven Vorstellungen darüber, was Frieden ausmacht, welche Bedingungen ihn kennzeichnen und wie er in einer Gesellschaft erreicht oder bewahrt werden kann.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)