Gesellschaftskolleg: Präfigurative Praktiken der Solidaritätskonstruktion
Abteilung Konsens und Konflikt
Projektleitung: Prof. Dr. Sabrina Zajak
Leitende Forschungsfragen
Ziel des Kollegs war es, Studierenden eine fundierte Auseinandersetzung mit den Mechanismen solidarischer Selbstorganisation zu ermöglichen und dabei Theorie, Praxis und transformatives Denken zu verbinden.Prof. Dr. Sabrina Zajak
Wohingegen die "Politik im Alltäglichen" früher einen kleinen Teil des Handlungsrepertoires sozialer Bewegungen ausmachte, erscheint sie in der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Konstellation als eine zentrale Figuration politischen Handelns.
Dieses Kolleg setzte sich deshalb nicht nur theoretisch mit dem Konzept der präfigurativen Politik in der Praxis moderner sozialer Bewegungen auseinander. Sie beschäftigte sich zudem mit verschiedenen Ansätzen präfigurativer Forschungspraxis und setzte diese in die Tat um. Dazu zählte das Experimentieren mit horizontalen Ansätzen aus der kritischen Pädagogik ebenso wie das Ausprobieren transformativer Selbstexperimente. Dabei erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich Formate des academic video-clippings, des Storytellings oder des Verfassens von Blogeinträgen anzueignen.
Gegenstand der Forschung waren präfigurative Praktiken politischen Handelns in zeitgenössischen sozialen Bewegungen und solidarischen Initiativen. Untersucht wurden Prozesse, in denen alternative oder utopische soziale Beziehungen, Formen von Solidarität, Demokratie und kollektiver Selbstorganisation bereits im Hier und Jetzt erprobt und gelebt werden. Dazu zählten etwa Platzbesetzungen, selbstverwaltete Projekte, solidarische Praktiken mit marginalisierten Gruppen sowie alltagsnahe Formen politischen Handelns. Der Fokus lag auf sozialen Dynamiken, emanzipatorischen Potenzialen, inneren Spannungen und dem Beitrag zu gesellschaftlichem Wandel.
Während präfigurative Politik bislang oft als randständiges Element sozialer Bewegungen behandelt wurde, untersuchte das Projekt sie als zentrale Figuration gegenwärtigen politischen Handelns. Es adressierte die bislang unzureichend erforschte Bedeutung der „Politik des Alltäglichen“ als eigenständige politische Strategie jenseits klassischer Protestformen. Durch die Analyse konkreter Praktiken (z. B. Platzbesetzungen, selbstverwaltete Projekte, Solidaritätsinitiativen) schloss das Projekt Lücken in der mikrosoziologischen Untersuchung von Solidaritätskonstruktionen.
Das Projekt verband Forschung und Praxis und schloss damit eine Lücke zwischen analytischer Bewegungsforschung und transformativer Wissensproduktion.
Das Projekt entwickelte und erprobte präfigurative Forschungspraktiken (horizontales Lernen, Selbstexperimente, kreative Formate), die in der Bewegungsforschung bislang kaum systematisch reflektiert sind.
Die Teilnehmenden des Kollegs entwickelten ein vertieftes Verständnis für präfigurative Praktiken, soziale Bewegungen und alternative Formen politischer Teilhabe. Sie sammelten praktische Erfahrungen durch Selbstexperimente, kollaborative Lernformen, Storytelling und academic Video-Clippings. Dabei stärkten sie ihre Fähigkeit, Spannungen, Ausschlüsse und Ambivalenzen in sozialen Bewegungen kritisch zu reflektieren. Die Arbeit in selbstverwalteten Lernprozessen förderte Teamfähigkeit, Kommunikation und partizipative Zusammenarbeit. Gleichzeitig erlebten die Teilnehmenden persönliche Entwicklung, Selbstwirksamkeit und kritisches Denken. Schließlich erweiterten sie ihre gesellschaftliche Sensibilität, Empathie und Solidarität im Umgang mit marginalisierten Gruppen.
Förderung präfigurativer Praktiken: Initiativen und Organisationen sollten Räume schaffen, in denen alternative Formen von Solidarität, Demokratie und Selbstorganisation erprobt werden können, z. B. durch selbstverwaltete Projekte, partizipative Entscheidungsprozesse oder horizontale Lernformate.
Integration in Bildung und Ausbildung: Elemente präfigurativer Praxis – wie kollaboratives Arbeiten, Storytelling, CO-Creation oder transformatives Lernen – sollten in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften der Sozialen Arbeit, zivilgesellschaftlichen Organisationen und politischen Bildung eingebunden werden.
“Präfigurative Politik” ist ein Konzept, das eine Welt der horizontalen sozialen Gerechtigkeit durch Praxis vorwegnimmt. Es bezieht sich auf die versuchte Konstruktion alternativer oder utopischer sozialer Beziehungen und Solidarität im Hier und Jetzt. Präfiguratives Handeln spielt eine wichtige Rolle in aktuellen Diskussionen über politische Teilhabe, Partizipation und den Aktivitäten gegenwärtiger sozialer Bewegungen. In der Bewegungsforschung wird das Konzept u.a. auf die Besetzungen der öffe
Förderung: Studienstiftung des Deutschen Volkes (Drittmittel)
Kooperationspartner:
Alissa Starodub; Geoffrey Pleyers, Collège d’Etudes Mondiales (Paris) und University of Louvain, Belgium