Gibt es ein universelles Gefühl der Zugehörigkeit?
Testung der “Challenged Sense of Belonging Scale” (CSBS) im DeZIM.panel
Cluster Daten-Methoden-Monitoring
Projektleitung: Dr. Jannes Jacobsen
Projektmitarbeitende: Dr. Lukas M. Fuchs, Rahaf Gharz Addien
Leitende Forschungsfragen
Das Bedürfnis, dazuzugehören, zählt zu den zentralen menschlichen Grundbedürfnissen. Zugleich ist Zugehörigkeit kein stabiles, sondern ein dynamisches Gefühl, das durch soziale Beziehungen, Erfahrungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen geprägt wird. Das Projekt „Gibt es ein universelles Gefühl der Zugehörigkeit?“ geht der Frage nach, ob sich dieses Gefühl unabhängig von Migrationserfahrungen messen lässt.
Kern des Projekts ist die Überprüfung und Validierung der „Challenged Sense of Belonging Scale“ (CSBS) im DeZIM.panel, einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung in Deutschland. Die CSBS erfasst in vier Dimensionen – Identifikation, Partizipation, Kongruenz und Verbundenheit – inwieweit Menschen sich sozial eingebunden oder entfremdet fühlen. Während die Skala ursprünglich für Befragungen unter Geflüchteten entwickelt wurde, prüft das Projekt ihre Anwendbarkeit in der Allgemeinbevölkerung.
Dazu werden Daten von über 3.000 Befragten ohne Migrationshintergrund ausgewertet. Die Studie testet die Zuverlässigkeit und Gültigkeit der Skala und untersucht, wie das Zugehörigkeitsgefühl mit Faktoren wie sozialem Vertrauen, Diskriminierungserfahrungen oder gesellschaftlicher Teilhabe zusammenhängt.
Die Ergebnisse zeigen, dass sich die CSBS auch jenseits von Migrationserfahrungen erfolgreich einsetzen lässt. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Erforschung von Zugehörigkeit und zu einer konzeptuell breiteren Perspektive auf soziale Integration, die individuelle und strukturelle Einflüsse gleichermaßen berücksichtigt.
Bisherige Studien zum Thema Zugehörigkeit konzentrieren sich häufig auf Gruppen mit Migrationserfahrungen oder auf spezifische Kontexte wie Flucht, Integration oder Bildungseinrichtungen. Dadurch blieb weitgehend unerforscht, ob und wie sich Zugehörigkeitsgefühle auch in der Gesamtbevölkerung erfassen lassen. Das Projekt schließt diese Lücke, indem es die Challenged Sense of Belonging Scale (CSBS) erstmals in einem repräsentativen Bevölkerungsdatensatz testet. Damit trägt es dazu bei, Zugehörigkeit als allgemeines soziales und psychologisches Phänomen zu verstehen – jenseits nationaler oder migrationsbezogener Grenzen – und schafft eine empirische Grundlage, um Vergleichsstudien zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen.
Das Projekt verfolgt das Ziel, die Challenged Sense of Belonging Scale (CSBS) als Instrument zur Messung von Zugehörigkeit empirisch zu prüfen und ihre Anwendbarkeit über Kontexte von Migration hinaus zu validieren. Es soll gezeigt werden, dass Zugehörigkeit ein universelles, situationsübergreifendes Erleben ist, das auch in der Allgemeinbevölkerung relevant und messbar ist. Darüber hinaus will das Projekt aufzeigen, welche individuellen und gesellschaftlichen Faktoren – wie Vertrauen, soziale Teilhabe oder Diskriminierung – mit einem herausgeforderten Zugehörigkeitsgefühl zusammenhängen. Damit liefert es empirische Grundlagen für Forschung und Politik, die soziale Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken wollen.
Die Studie validiert die Challenged Sense of Belonging Scale (CSBS) mithilfe von Daten des DeZIM.panel, einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung in Deutschland. Analysiert wurden über 3.000 Personen ohne eigene oder familiäre Migrationserfahrung. In einem mehrstufigen Verfahren wurden statistische Analysen zur Faktorenstruktur, Reliabilität und Validität der Skala durchgeführt, um ihre Messgüte zu überprüfen. Ergänzend wurde geprüft, wie die CSBS mit relevanten Konzepten wie sozialem Vertrauen, Diskriminierungserfahrungen und sozialer Einbindung zusammenhängt. Auf diese Weise wird getestet, ob die Skala Zugehörigkeit als universelles soziales Phänomen zuverlässig erfasst – unabhängig von Migration, Herkunft oder Lebenskontext.
Die Studie bestätigt, dass die Challenged Sense of Belonging Scale (CSBS) auch in der Allgemeinbevölkerung zuverlässig und valide eingesetzt werden kann. Die Skala bildet ein einheitliches Konstrukt ab und weist eine gute interne Konsistenz auf. Die Analysen zeigen, dass ein herausgefordertes Zugehörigkeitsgefühl eng mit zentralen sozialen Faktoren verknüpft ist: Personen mit höherem Vertrauen in anderen, regelmäßigen sozialen Kontakten und starker Identifikation mit Deutschland berichten seltener von einem beeinträchtigten Zugehörigkeitsgefühl. Umgekehrt zeigen Diskriminierungserfahrungen einen klar negativen Zusammenhang. Insgesamt belegt die Studie, dass Zugehörigkeit ein universelles, soziales Erleben ist, das nicht nur durch Migration, sondern auch durch alltägliche soziale Dynamiken geprägt wird.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)