Konflikte um gesellschaftliche Teilhabe
Abteilung Konsens und Konflikt
Projektleitung: Prof. Dr. Sabrina Zajak
Projektkoordination: Dr. Elias Steinhilper
Projektmitarbeitende: Dr. Moritz Sommer
Leitende Forschungsfragen
Soziale Teilhabe in Migrationsgesellschaften wird vor allem im lokalen Raum verhandelt. Das Projekt untersuchte diese Dynamiken mit einem Fokus auf Proteste und die Netzwerke zivilgesellschaftlicher Akteure.Dr. Elias Steinhilper, Co-Leitung Abt. Konsens & Konflikt
Konflikte um gesellschaftliche Teilhabe sind integraler Bestandteil demokratischer, pluraler Gemeinwesen. Trotz ihrer Bedeutung für gesellschaftlichen Zusammenhalt wurden sie aber bislang nicht systematisch empirisch untersucht. Dies gilt insbesondere für den lokalen Kontext. Hier setzte das Forschungsprojekt an. Untersucht wurden dabei drei zentrale Dimensionen von Protest im lokalen Kontext:
1. die quantitative Entwicklung von Protest über Zeit,
2. die Vernetzung von Protestträger*innen und
3. die subjektiven Wahrnehmungen und Forderungen der beteiligten Akteur*innen.
Das Projekt stützte sich dafür auf eine Reihe quantitativer und qualitativer Methoden sowie auf eine Kombination von Medienanalysen (Protestereignisanalyse), Netzwerkanalysen auf Basis digitaler Daten und Leitfadeninterviews mit Protestorganisator*innen. Im Rahmen des Pilotprojekts wurden exemplarisch Konflikte um gesellschaftliche Teilhabe im Zeitraum zwischen 2014 und 2018 in zwei deutschen Mittelstädten (20.000–100.000 Einwohner*innen) untersucht.
Bislang fehlten vergleichende empirische Längsschnittdaten zur Entwicklung migrationsbezogener Proteste auf lokaler Ebene. Das Projekt lieferte erste empirische Befunde zu zwei ostdeutschen Mittelstädten und legte zudem die methodischen Grundlagen für ein längerfristiges Protestmonitoring auf lokaler Ebene.
- Erhebung empirischer Daten zur Entwicklung und Wahrnehmung migrationsbezogener Konflikte auf lokaler Ebene.
- Vorbereitung einer skalierten Erhebung von lokalen Protestdaten in Deutschland.
Das Projekt untersuchte lokale, migrationsbezogene Konfliktdynamiken in zwei Mittelstädten mithilfe eines dreiteiligen methodischen Ansatzes. Zunächst wurde eine für den kommunalen Kontext adaptierte Protestereignisanalyse durchgeführt, bei der lokale Medien automatisiert durchsucht und relevante Ereignisse manuell kodiert wurden. Aufbauend darauf wurden die digitalen Netzwerke der beteiligten Akteure über Social-Media-Daten analysiert, einschließlich qualitativer Kodierung von Beziehungstypen und politischer Orientierung. Abschließend dienten leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Organisator*innen zur Validierung und Vertiefung der Ergebnisse.
In den beiden untersuchten Städten zeigt sich während der verstärkten Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland im Spätsommer 2015 eine deutliche Politisierung und Polarisierung der organisierten Zivilgesellschaft, die jedoch nicht in einer nachhaltigen Verstärkung der lokalen Konfliktdynamiken mündet. Neben diesen Gemeinsamkeiten zeigen die Analysen markante Unterschiede in der grundsätzlichen Ausrichtung für oder gegen migrationsbedingte Vielfalt und unterstreichen die Rolle zivilgesellschaftlicher Vernetzung und lokaler Entscheidungsträger.
Das Projekt entwickelte zudem eine teilautomatisierte und auf den lokalen Kontext angepasste Variante der Protestereignisanalyse.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)
Kooperationspartner:
Dr. Matthias Hoffmann (Weizenbaum-Institut / Freie Universität Berlin); Katarina Stjepandić (BIM / HU Berlin)