• Startseite
  • Projekte
  • Perspektive der unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen (UMA) in Deutschland

Perspektive der unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen (UMA) in Deutschland

Cluster Daten-Methoden-Monitoring

Projektleitung: Dr. Franck DüvellProf. Dr. Magdalena Nowicka

Projektkoordination: Dr. Laura Scholaske

Projektmitarbeitende: Laura Juds

Laufzeit April 2019 bis Juni 2020
Status Abgeschlossenes Projekt

Das Projekt untersucht, wie unbegleitete minderjährige Ausländer*innen (UMA) in Deutschland ihre Lebenssituation wahrnehmen – etwa in Schule, Ausbildung, Wohnen und sozialen Beziehungen. Durch eine Kombination aus quantitativen Befragungen und qualitativen Interviews gibt die Studie Einblick in die Erfahrungen, Bedürfnisse und Zukunftsperspektiven junger Geflüchteter und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Jugendhilfe und Integrationspolitik. 

Leitende Forschungsfragen

Wie bewerten unbegleitete minderjährige Ausländer*innen ihre aktuelle Lebenslage in Deutschland – insbesondere in den Bereichen Bildung, Wohnen, soziale Beziehungen und Gesundheit?
Welche Erfahrungen machen sie im Kontakt mit Institutionen wie Jugendhilfe, Schule oder Ausländerbehörde, und wie wirken sich diese auf ihr Wohlbefinden und ihre Zukunftserwartungen aus?
Welche individuellen und strukturellen Faktoren fördern oder behindern ihre soziale Integration und Teilhabechancen?
Wie unterscheiden sich die Perspektiven und Erwartungen der Jugendlichen je nach Aufenthaltsstatus, Herkunftsregion und Betreuungssituation?

Unbegleitete minderjährige Ausländer*innen (UMA) gehören zu den besonders vulnerablen Gruppen im deutschen Aufnahmesystem. Nach ihrer Ankunft in Deutschland werden sie durch die Kinder- und Jugendhilfe betreut und in Einrichtungen untergebracht, die ihnen Schutz, Bildung und Integration ermöglichen sollen. Trotz der großen gesellschaftlichen und politischen Bedeutung dieses Themas liegen bislang nur wenige systematische Erkenntnisse dazu vor, wie die Jugendlichen selbst ihre Lebenssituation wahrnehmen und welche Erfahrungen sie im Kontakt mit staatlichen Institutionen machen. 

Das Projekt „Perspektive der unbegleiteten minderjährigen Ausländerinnen (UMA) in Deutschland“* setzt hier an. Es untersucht, wie UMA ihr Leben in Deutschland gestalten, welche Herausforderungen sie sehen und welche Zukunftsvorstellungen sie haben. Die Studie kombiniert quantitative und qualitative Methoden: In einer standardisierten Befragung wurden 168 Jugendliche zu zentralen Lebensbereichen wie Bildung, Wohnen, Gesundheit und sozialer Einbindung befragt. Ergänzend wurden 58 leitfadengestützte Interviews durchgeführt, um individuelle Erfahrungen und biografische Hintergründe vertieft zu verstehen. 

Die Ergebnisse geben ein vielschichtiges Bild der Lebenslagen von UMA in Deutschland. Sie zeigen, dass viele Jugendliche trotz oft schwieriger Startbedingungen hohe Bildungsambitionen und stabile soziale Netzwerke entwickeln. Gleichzeitig machen sie Erfahrungen institutioneller Unsicherheit – etwa durch unklare Aufenthaltsstatus oder wechselnde Betreuungssituationen. 

Das Projekt liefert damit wichtige empirische Grundlagen für Politik und Praxis, insbesondere für die Weiterentwicklung der Jugendhilfe und Integrationsförderung. Es zeigt, welche Rahmenbedingungen den Aufbau von Stabilität, Vertrauen und Zukunftsperspektiven begünstigen und wo Handlungsbedarf besteht, um den Übergang dieser jungen Menschen in Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft nachhaltig zu unterstützen.

Bisherige Studien zu unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen konzentrieren sich überwiegend auf institutionelle Abläufe, rechtliche Rahmenbedingungen oder Einschätzungen von Fachkräften. Die Stimmen der Jugendlichen selbst wurden dagegen selten systematisch erhoben. Das Projekt schließt diese Lücke, indem es die Perspektiven der UMA in den Mittelpunkt stellt und quantitative mit qualitative Daten verbindet. Damit ermöglicht es ein differenziertes Verständnis ihrer Erfahrungen, Bedürfnisse und Zukunftsvorstellungen – und liefert empirisch fundierte Hinweise für eine jugendgerechte Ausgestaltung von Betreuung, Bildung und Integrationsförderung. 


Ziel des Projekts ist es, die Lebensrealitäten und Zukunftsperspektiven unbegleiteter minderjähriger Ausländer*innen in Deutschland sichtbar zu machen und besser zu verstehen. Die Studie möchte aufzeigen, welche Faktoren ihr Wohlbefinden, ihre Bildungschancen und ihre gesellschaftliche Teilhabe fördern oder behindern. Auf dieser Grundlage sollen praxisnahe Empfehlungen für Jugendhilfe, Bildungseinrichtungen und Politik entwickelt werden, um die Unterstützung dieser besonders schutzbedürftigen Gruppe gezielter und wirksamer zu gestalten. 

Das Projekt kombiniert quantitative und qualitative Methoden, um ein umfassendes Bild der Lebenssituation unbegleiteter minderjähriger Ausländer*innen zu gewinnen. Zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 wurden bundesweit 168 standardisierte Interviews mit Jugendlichen durchgeführt, die von der Jugendhilfe betreut werden. Ergänzend fanden 58 leitfadengestützte, vertiefende Interviews statt, in denen die Jugendlichen ihre Erfahrungen und Wünsche ausführlicher schilderten. Die Auswertung erfolgte vergleichend entlang zentraler Themenfelder wie Bildung, soziale Beziehungen, Wohnen und Zukunftserwartungen. Durch die Verbindung beider methodischer Ansätze werden sowohl statistische Muster als auch individuelle Perspektiven sichtbar gemacht. 

Die Studie zeigt, dass unbegleitete minderjährige Ausländer*innen (UMA) ihr Leben in Deutschland überwiegend positiv bewerten, insbesondere im Hinblick auf Bildung, Ausbildung und soziale Kontakte. Viele Jugendliche verfügen über ein starkes Zugehörigkeitsgefühl und klare Zukunftsziele. Gleichzeitig offenbaren die Daten strukturelle Herausforderungen: unklare Aufenthaltsperspektiven, psychische Belastungen durch Flucht- und Trennungserfahrungen sowie institutionelle Brüche beim Übergang in die Volljährigkeit. Entscheidend für eine erfolgreiche Integration sind stabile Betreuungspersonen, kontinuierliche Bildungsangebote und transparente Verfahren im Aufenthalts- und Hilfesystem. Insgesamt unterstreicht die Studie, dass UMA keine homogene Gruppe darstellen – ihre Lebenslagen und Perspektiven unterscheiden sich deutlich nach Herkunft, Aufenthaltsstatus und sozialem Umfeld. 

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Drittmittel)