Schockstarre oder Aktivierung?

Eine Analyse gesellschaftlicher Folgen von Wahlerfolgen rechtspopulistischer Parteien

Abteilung Konsens und Konflikt

Projektleitung: Dr. Jannes JacobsenDr. Friederike RömerDr. Elias Steinhilper

Projektmitarbeitende: Dr. Jakob Henninger

Laufzeit Juni 2024 bis Dezember 2026
Status Laufendes Projekt

Das Projekt untersucht, welche Auswirkungen die Ergebnisse der Landtags- und Bundestagswahlen 2024 und 2025 auf Menschen in Deutschland hatten. Der Fokus liegt auf Gruppen, die von rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Politik besonders betroffen sind, wie Migrant*innen und rassifizierte Minderheiten. Mithilfe eines experimentellen Designs werden Auswirkungen auf psychische Gesundheit, Vertrauen, Auswanderungspläne sowie politische (De)Mobilisierung analysiert. Grundlage ist das DeZIM.panel.

Leitende Forschungsfragen

Haben Wahlergebnisse einen Effekt auf Auswanderungsabsichten?
Haben Wahlergebnisse einen Effekt auf die psychische Gesundheit?
Haben Wahlergebnisse einen Effekt auf das institutionelle Vertrauen?
Haben Wahlergebnisse einen Effekt auf politische Mobilisierung bzw. Demobilisierung?
Aus dem US-amerikanischen Kontext wissen wir, dass Wahlergebnisse sich auf Einstellungen und Wohlbefinden auswirken können. Für den deutschen Kontext ist dies weniger untersucht. Grade vor dem Hintergrund der Wahlerfolge der AfD stellt sich aber die Frage, ob und wie Menschen in Deutschland auf Wahlergebnisse reagieren, insbesondere Gruppen, die von der AfD-Agenda am unmittelbarsten betroffen sind, darunter Migrant*innen und rassifizierte Minderheiten. Hier setzt unser Projekt an.
Dr. Friederike Römer, Leitung Abt. Konsens & Konflikt.

Das Projekt analysiert die gesellschaftlichen Folgen der Ergebnisse der Landtags- und Bundestagswahlen der Jahre 2024 und 2025 für die in Deutschland lebende Bevölkerung. Im Mittelpunkt stehen insbesondere jene Bevölkerungsgruppen, die in besonderem Maße von rechtspopulistischen und rechtsextremistischen politischen Positionen und Maßnahmen betroffen sind, darunter Migrant*innen sowie rassifizierte Minderheiten. Mithilfe eines experimentellen Forschungsdesigns wird untersucht, wie Wahlergebnisse politische Einstellungen, psychische Gesundheit, institutionelles Vertrauen, Auswanderungsabsichten sowie Prozesse politischer Mobilisierung und Demobilisierung beeinflussen. Die Analyse basiert auf Daten des DeZIM.panels, das eine differenzierte und langfristige Betrachtung individueller Wahrnehmungen, Erfahrungen und Reaktionen ermöglicht. Ziel ist es, ein besseres Verständnis der sozialen und politischen Konsequenzen aktueller Wahlentwicklungen zu gewinnen.

Bisher gibt es für den deutschen Kontext kaum empirische Untersuchungen, die zeigen, ob Wahlergebnisse Wohlbefinden, Auswanderungsabsichten oder politisches Engagement beeinflussen. Die Nutzung eines quasi-experimentellen Designs innerhalb von Panelstudien erlaubt kausale Aussagen, die bisherige korrelative Studien nicht leisten konnten.

Das Projekt untersucht, ob und wie Wahlergebnisse rechtspopulistischer Parteien Effekte auf die Bevölkerung haben, etwa auf psychische Gesundheit, Vertrauen, Auswanderungsabsichten und politische Mobilisierung. Mithilfe eines experimentellen Designs in repräsentativen Panelstudien sollen direkte Effekte identifiziert werden. Ziel ist es, ein belastbares Bild gesellschaftlicher Auswirkungen zu gewinnen, das für Forschung, Politik und öffentliche Debatten genutzt werden kann.

Für das Projekt wird als Umfrageinfrastruktur das DeZIM.panel genutzt und ein quasi-experimentelles Design angewandt. Die Landtagswahlen in Ostdeutschland (Sachsen und Thüringen) im Jahr 2024 sowie die Bundestagswahl im Jahr 2025 stellen die Treatments dar. Die Befragten des DeZIM.panels werden zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe wird in der Woche vor den Wahlen befragt (Kontrollgruppe), die andere nach den Wahlen, ab 18 Uhr des Wahltages und mit den ersten Hochrechnungen (rund 19 Uhr), sowie an den drei darauffolgenden Tagen (Treatmentgruppe). Durch die zufällige Zuweisung können weitestgehend konfundierende Faktoren bei den Analysen ausgeschlossen werden.
Um methodisch dennoch auszuschließen, dass sich die Treatment- und Kontrollgruppe vor den Wahlen systematisch unterscheiden, werden die abhängigen Variablen bereits als Baseline in den regulären Befragungen vor den Wahlen erhoben. Für die Identifikation langfristiger Effekte werden einige Monate nach den Wahlen die abhängigen Variablen erneut erhoben. Mit Blick auf die Bundestagswahl 2025 erlaubt dies zudem eine Einschätzung, ob der Treatmenteffekt der Wahl bereits (teilweise) durch vorherige Umfrageergebnisse aufgefangen worden ist.
Durch Mittelwertvergleiche wird anschließend der „Average Treatment Effect“ geschätzt. Darüber hinaus werden separate Treatmenteffekte für vulnerable Gruppen sowie für Ost- und Westdeutschland geschätzt.

Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)