Teilhabe gestalten: Ein Übersetzungsversuch gelebter Erfahrungen Neuankommender in Politik & Praxis
Abteilung Integration
Projektleitung: Dr. Nora Ratzmann
Projektmitarbeitende: Kiana Serge, Denis Zekovic
Leitende Forschungsfragen
Ich sehe mich wie eine Brücke, die aktiv unterstützt.Mitarbeitende eines lokalen Willkommenszentrums, Land Brandenburg
„Teilhabe gestalten” ist ein praxisorientiertes Forschungsprojekt mit dem Ziel, die Erfahrungen von neuankommenden Geflüchteten in der Gestaltung von Integrationsangeboten in Deutschland zu stärken. Dafür werden wir qualitative Forschungsergebnisse mit geflüchteten Frauen in „typische” Geschichten der Integration übersetzen, die die intersektionalen Bedarfe und multiplen Barrieren im Ankommen in Deutschland sichtbar werden lassen, insbesondere beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Diese Geschichten dienen als Grundlage für eine Reihe interaktiver Workshops mit Beschäftigten öffentlicher Dienstleister in unterschiedlichen Kommunen Deutschlands.
Die Workshops sollen den Dialog fördern und zur intensiveren Auseinandersetzung mit den Lebensrealitäten der Ankommenden anregen. Unsere Erkenntnisse fließen in eine kurze Videoreihe ein, die unter anderem Interviews mit Geflüchteten, Expert:innen und Behördenmitarbeitenden beinhaltet. Durch Policy Briefs und Fachgespräche wollen wir uns mit Entscheidungsträger:innen aus Kommunen sowie auf Landes- und Bundesebene über Handlungsimpulse austauschen, beispielsweise mit der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dem Ministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bundesstiftung Gleichstellung, oder Industrie- und Handelskammern.
Im Rahmen der Workshops in Jobcentern oder Willkommenszentren wollen wir durch verschiedene Aktivitäten wie beispielsweise kollegiale Fallberatung, Diskussionen von Integrationsverläufen anhand realer Geschichten oder angeleitete Reflexionsrunden gemeinsam über die Herausforderungen der täglichen Arbeit und die Passfähigkeit von Unterstützungs- und Vermittlungsinstrumenten nachdenken. Dabei sollen Fragen von Vereinbarkeit, Chancengleichheit und Erwerbsbeteiligung sowie Teilhabebarrieren durch Sorgeverpflichtungen für den deutschen Arbeitsmarkt ebenso diskutiert werden wie die behördlichen Rahmenbedingungen der Beratungs- und Vermittlungsarbeit.
Die Workshops innerhalb des Projektes sollen ein Angebot und einen Raum für die Teilnehmenden schaffen, über die eigene Arbeit und Rolle im Integrationsprozess ihrer Zielgruppe zu reflektieren. Durch verschiedene Formate wie Workshops und Fachgespräche hoffen wir, den Dialog über andere Blickwinkel und gegenseitige Bedarfe sowie das Verständnis dafür zu stärken. Unsere Gespräche fließen auch in eine Reihe audiovisueller Geschichten ein, die für eine breitere Öffentlichkeit produziert werden.
Zentrale Aktivitäten umfassen:
- Engagement auf lokaler Ebene: interaktive Workshops mit Verwaltungsmitarbeitenden in bis zu sechs Kommunen,
- Audiovisuelle Wissensvermittlung: eine kurze Reihe von Geschichten auf der Grundlage qualitativer Forschung,
- Politischer Dialog: ein Policy Brief, Runde Tische und Fachgespräche mit relevanten Ministerien und Behörden.
Erste Projekterkenntnisse weisen auf die auf Umsetzungsebene zu verhandelnden Spannungen zwischen schneller Arbeitsmarktintegration und nachhaltiger Qualifizierung hin. Dabei bleiben Sorgeverpflichtungen und normative Vorstellungen von Geschlecht eng mit dem Tempo bzw. der Effizienz von Maßnahmen verbunden. Dies geschieht vor dem Hintergrund sich verknappender Ressourcen und Maßnahmen der Integrationsarbeit vor Ort sowie eines zunehmend restriktiver werdenden politischen Diskurses zu Zuwanderung und Bleiberechten.
Rückmeldungen der Teilnehmenden unterstreichen den Mehrwert kuratierter Dialogformate für die Wissenschaftspraxis sowie für die Vermittlung und Übersetzung zwischen Praxiswissen und wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Förderung: Die Europäische Philanthropische Initiative für Migration (EPIM), getragen vom Network of European Foundations (NEF) (Drittmittel)
Kooperationspartner: