Diskriminierung und Engagement
Abteilung Konsens und Konflikt
Projektleitung: Prof. Dr. Sabrina Zajak
Projektmitarbeitende: Fabio Best
Assoziierte: Anna-Maria Meuth
Leitende Forschungsfragen
Zivilgesellschaftliches Engagement bietet ein enormes Potenzial für gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration. Um dieses Potenzial vollständig auszuschöpfen, bedarf es jedoch eines differenzierten Blicks auf die Vielfalt der Engagementformen sowie eines gezielten Abbaus von Zugangsbarrieren. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren Erfahrungen – gleichermaßen am zivilgesellschaftlichen Leben teilhaben können.Fabio Best, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Konsens und Konflikt
Der Freiwilligensurvey hat für Deutschland wiederholt gezeigt (2019; 2014), dass es erhebliche Unterschiede in der Ausübung und Ausgestaltung von bürgerschaftlichem Engagement gibt - beispielsweise hinsichtlich des Geschlechts, Alters, Bildungs- und Migrationshintergrunds. Personen mit Migrationshintergrund und ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind im Engagement besonders unterrepräsentiert. Bisher gibt es allerdings keine verlässlichen Daten zum Zusammenhang von Diskriminierungserfahrungen und Engagement. Bekannt ist lediglich, dass eigene Diskriminierungserfahrungen ein Motivationsfaktor für Engagement sein können. Wir wissen bisher allerdings nicht, wie Diskriminierung im Engagement erfahren wird, und inwiefern Diskriminierung auch ein Grund sein kann, sich nicht zu engagieren. Ebenfalls zentral diskutiert wurde das Thema wurde in der Sachverständigenkommission des Vierten Engagementberichts der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt "Zugangschancen zum freiwilligen Engagement“. Ziel des Projektes ist es, erstens, die Daten zu Diskriminierung als Zugangsbarriere aus dem DeZIM.panel vertieft auszuwerten und zu publizieren und, zweitens, gemeinsam mit den Engagementkommissionsmitgliedern zum Thema Diskriminierung im Engagement mit Zivilgesellschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit in den Dialog zu treten. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf Wissenstransfer.
Bisher gibt es nur wenig Forschung zum expliziten Zusammenhang zwischen Engagement und Diskriminierung. Der Fokus der existierenden Forschung – in Deutschland wie international – liegt dabei eher auf Engagement als Ermöglichungs- und Unterstützungsstruktur zur Überwindung von Barrieren, Inklusion von marginalisierten Gruppen sowie der Beitrag des Engagements zum Abbau von Diskriminierung und zur Schaffung von gesellschaftlicher Teilhabe benachteiligter Gruppen. Ein weiterer Befund der nationalen und internationalen Forschung zu Folgen und Umgang mit Diskriminierung ist zudem, dass Personen, die Diskriminierung erfahren haben, unter bestimmten Bedingungen eher dazu neigen, sich für die Bekämpfung von Ungerechtigkeit und für soziale Veränderungen zu engagieren. Diese Reaktion kann als eine Form der Gegenwehr gegen die erlebte Diskriminierung interpretiert werden und ist oft motiviert durch den Wunsch, die eigenen Rechte und die Rechte anderer zu verteidigen. Unklar ist allerdings (a) inwiefern Menschen Diskriminierung im Engagement erleben und sich dennoch weiter engagieren und (b) wann spezifische Formen der Diskriminierung eine explizite Hürde in das Engagement darstellen.
Ziel des Projektes ist es zum einen, die Daten über die im Engagementbericht der Bundesregierung dargestellten Ergebnisse hinaus in akademischen Fachpublikationen zu veröffentlichen und so einen Beitrag zu dem entstehenden Forschungsfeld der „racialization of civic engagement“ zu leisten (Tran et al. 2024, Riley at al. 2021). Zum anderen soll in Austausch mit weiteren Kommissionsmitgliedern ein Beitrag zu den Debatten um Ausschlüsse, Diskriminierung, Rassismus und Engagement geleistet werden, in dem für direkte und indirekte Zugangsbarrieren ins Engagement sensibilisiert wird und Möglichkeiten und Wege deren Abbaus diskutiert werden.
Die bereits im Engagementbericht der Bundesregierung verwendeten Daten zum zivilgesellschaftlichen Engagement werden vertieft und detailliert ausgewertet.
Die Unterrepräsentation von Personen mit Migrationshintergrund im freiwilligen Engagement ist zum Großteil auf eine zu enge Definition von freiwilligem Engagement zurückzuführen. Personen mit Migrationshintergrund erbringen häufiger außerhalb eines organisationalen Rahmens Unterstützungsleistungen, die durch geläufige Operationalisierungen häufig nicht miterfasst werden. Für die Aufnahme eines formellen Engagements spielen Rekrutierungsnetzwerke eine zentrale Rolle. Diskriminierungserfahrungen sowie strukturelle und persönliche Hürden werden von Befragten nur selten wahrgenommen.
- Für die Forschung unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit einer inklusiveren Definition von Engagement, die informelle Formen stärker als
bisher berücksichtigt. - Für die Zivilgesellschaft zeigt die Forschung auf, dass Organisationen und Institutionen in ihren Rekrutierungsstrategien gezielt Maßnahmen ergreifen sollten, um marginalisierte Gruppen aktiv anzusprechen und einzubinden.
- Zudem sollte Diskriminierung im Engagement thematisiert und bekämpft werden – sowohl durch Sensibilisierung innerhalb der Organisationen als auch durch den Abbau institutioneller Barrieren
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)