Lokale Konflikte um Migration
Abteilung Konsens und Konflikt
Projektleitung: Prof. Dr. Sabrina Zajak
Projektkoordination: Dr. Moritz Sommer, Dr. Elias Steinhilper
Leitende Forschungsfragen
Unsere Analyse zeigt ein klares Muster: Im Jahr 2015/16 kam es zu einem deutlichen Anstieg migrationsbezogener Proteste, gefolgt von einem spürbaren Rückgang in den Folgejahren. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Städten – besonders in ostdeutschen Städten spielen Migrationsthemen im lokalen Protest eine deutlich größere Rolle.Dr. Elias Steinhilper, Co-Leitung Abt. Konsens & Konflikt
Aufbauend auf dem Vorgängerprojekt „Konflikte um gesellschaftliche Teilhabe“ untersuchte dieses Projekt lokale Konflikte und Protestdynamiken im Kontext von Migration in 12 Mittelstädten und baute hierfür eine lokale Protestdatenbank auf, in der Ereignisse systematisch erfasst wurden.
Ein zweites Anliegen des Projekts war die Weiterentwicklung automatisierter Auswertungsverfahren, um perspektivisch große Datenmengen effizient zu analysieren und vergleichende Auswertungen zwischen Städten sowie die Betrachtung zeitlicher Entwicklungen zu ermöglichen. Schließlich wurden die Daten durch ein interaktives Datenvisualisierungstool einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf diese Weise schaffte das Projekt eine transparente und systematische Grundlage zur Analyse lokaler Protestdynamiken im Kontext von Migration in Deutschland.
Bisher fehlte eine systematische Erfassung migrationsbezogener Proteste im lokalen Raum in Deutschland, ebenso wie methodische Ansätze zur automatisierten Identifikation solcher Ereignisse. Im Projekt wurden diese Forschungslücken adressiert, um perspektivisch eine räumlich und zeitlich skalierbare Analyse lokaler Protestdynamiken zu ermöglichen.
- Vergleichende Analyse lokaler migrationsbezogener Proteste in 12 Mittelstädten über Zeit und Raum.
- Methodische Innovation durch Weiterentwicklung automatisierter Auswertungsverfahren zur effizient skalierbaren Analyse großer Datenmengen.
- Visualisierung der Protestdaten mittels öffentlich zugänglichem interaktiven Tool für Forschung und Öffentlichkeit.
Im Projekt wurde lokaler Protest mithilfe von Protestereignisanalysen untersucht. Auf Basis systematisch codierter Medienberichte wurden Protestereignisse vergleichend erfasst und quantitativ ausgewertet. Zur Erklärung regionaler Varianz wurden die Daten mit regionalen Kontextinformationen verknüpft und auf Mittelstädte in unterschiedlichen politischen und sozioökonomischen Kontexten im Zeitraum 2014–2018 angewandt. Die manuell codierten Daten dienten zugleich als Trainingsgrundlage für automatisierte Auswertungsverfahren auf Basis von Sprachmodellen, um die Methode auf größere Datenmengen sowie längere Zeiträume auszuweiten.
- Die Analyse zeigt ein generelles Muster mit einem Anstieg migrationsbezogener Proteste 2015/16, gefolgt von einem deutlichen Rückgang, wobei sich die Entwicklungen zwischen Städten unterscheiden. In ostdeutschen Städten spielen Migrationsthemen im lokalen Protest eine größere Rolle.
- Automatisierte Verfahren auf Basis von Sprachmodellen erkennen Proteste nahezu so präzise wie manuelle Kodierungen, benötigen jedoch noch Optimierungen bei der Annotation spezifischer Protesteigenschaften.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Institutionelle Förderung)
Kooperationspartner:
Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Standorte Bremen und Bielefeld