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Nach der Krise ist vor der Krise: Resilienz der Kommunen angesichts der Herausforderungen der Flucht, Rückkehr und zirkulärer Migration

Abteilung Integration

Projektleitung: Prof. Dr. Magdalena Nowicka,  Dr. Nora Ratzmann

Projektmitarbeitende: Larissa Kokonowskyj,  Denis Zekovic

Laufzeit Mai 2023 bis Oktober 2024
Status Abgeschlossenes Projekt

Zuwanderung bietet Kommunen große Chancen, stellt sie aber auch vor Herausforderungen – etwa bei Wohnraum, Bildung und Gesundheitsversorgung. Am Beispiel der Fluchtmigration aus der Ukraine untersuchte das Projekt, wie Städte und Gemeinden auf neue Bedarfe reagieren, aus bisherigen Erfahrungen lernen und ihre Resilienz stärken können.

Leitende Forschungsfragen

Welche flexiblen und praktikablen Lösungen, zum Beispiel für die Orientierung und grundständige Versorgung von Migrant:innen, wurden schon entwickelt, und inwiefern können diese anderen Kommunen Inspiration bieten?
Welche Strukturen brauchen Kommunen, um trotz dieser vielfältigen Herausforderungen dauerhaft gut für Migration und Integration aufgestellt zu sein und auch in Krisenzeiten effektiv auf die Bedürfnisse von Zugewanderten eingehen zu können?
Eine Resilienzperspektive verortet Herausforderungen nicht primär in Migration, sondern in der Funktionsweise und Finanzierung öffentlicher Strukturen. Entscheidend sind dabei die alltäglichen Abstimmungsprozesse und die Zusammenarbeit in den Kommunen.
Dr. Nora Ratzmann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Abteilung Integration

Die Zu- und Abwanderung bzw. zirkuläre Wanderungen von Personen mit Migrations- und Fluchterfahrung bieten deutschen Kommunen große Chancen. Gleichzeitig stehen sie vor der Herausforderung der ständigen Anpassung an die Bedürfnisse neuer Gruppen und deren Spezifika bezüglich Wohnraum, Kinderbetreuung, Beschulung, Eingliederung in den lokalen Arbeitsmarkt oder Gesundheitsvorsorge. Die Fluchtbewegungen, wie 2015/2016 aus Syrien oder die aktuelle Zuwanderung aus der Ukraine, stellen Städte und Gemeinden vor neue Engpässe, auch wenn Kommunen grundsätzlich von Zuwanderung profitieren und diese oft als Bereicherung wahrnehmen.

Resiliente Kommunen können auf solche krisenhaften Situationen aufgrund entsprechender Ressourcen, Strukturen und Kenntnisse rasch und flexibel reagieren, wenn sie aus früheren Ereignissen lernen und neue antizipieren. Dazu gehört auch, schnell die Bedürfnisse neu zugewanderter oder anderweitig marginalisierter Gruppen zu erkennen. Die derzeitige Kriegssituation in der Ukraine bietet deutschen Kommunen einen eben solchen Moment des „Stresstests“, der zum Umdenken anregen kann und den wir wissenschaftlich begleiteten.

Unser Projekt untersuchte die bisherigen Erfahrungen und Strategien der Kommunen in Bezug auf unterschiedliche Formen der Wanderung und förderte den Austausch zwischen ausgewählten Kommunen in Deutschland und im europäischen Ausland (u. a. Polen und Schweden). Ziel war es, gemeinsam Handlungsempfehlungen für eine zeitgerechte Integration von Zugewanderten zu entwickeln – insbesondere gerichtet an den Bund, der die Rahmenbedingungen für eine solche Integrationspolitik schaffen kann.

Kommunen spielen eine zentrale Rolle beim Ankommen in Deutschland. Denn Integrationsarbeit passiert vor Ort: In den Kommunen müssen Unterkünfte geschaffen, Bildungs- und Betreuungsangebote ausgebaut, Sprachkurse organisiert und Verwaltungsprozesse angepasst werden – oft unter großem Zeit- und Ressourcendruck. Doch wie können sie dieser Rolle nachkommen, wenn politische wie finanzielle Rahmenbedingungen und ein zunehmend negativer gesellschaftlicher Diskurs einem positiven Klima für Ankommen und Verwurzelung entgegenstehen?

Insbesondere der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine im Jahr 2022 zwang mehrere Millionen Menschen, Schutz im Ausland zu suchen, darunter in Deutschland. Kommunen wurden dadurch in einen Stresstest versetzt, der zu Reflexionen anregte. Diesen Prozess haben wir wissenschaftlich begleitet. Ziel war es, lokale Erfahrungen und Wahrnehmungen der Akteur:innen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft, die eine zentrale Rolle in den Kommunen bei der Unterstützung des Ankommens und der Integration von Schutzsuchenden (nicht nur aus der Ukraine) spielen, zu sammeln und zu analysieren – um sie dann mit Vertreter:innen der Kommunen im Rahmen einer Dialogreihe zu diskutieren. Daraus formulierten wir gemeinsam politische Handlungsempfehlungen, um die kommunale Integrationsarbeit zu stärken.

Das Projekt führte eine Reihe von Forschungs- und Transferaktivitäten durch, um das Spannungsfeld zwischen langfristigen Integrationsbestrebungen seitens kommunaler Institutionen und den Bedarfen der Betroffenen am Beispiel von Geflüchteten aus der Ukraine besser zu erfassen. Herzstück war eine Dialogreihe, in der einerseits die Wahrnehmungen der Bedarfe der Zielgruppen und andererseits die Praktiken auf Verwaltungsseite reflektiert wurden.

Unsere Forschung zeigt: Eine nachhaltige und belastungsfähige Infrastruktur ist entscheidend für die bedarfsgerechte Aufnahme von Schutzsuchenden und anderen Migrant:innen. Dafür bedarf es:

Langfristiger finanzieller Unterstützung von Bund und Ländern:

  • dauerhafte finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern,
  • zuverlässige, niedrigschwellige Beratungs- und Begegnungsangebote, die sich flexibel an sich verändernde Zielgruppen anpassen können,
  • eine bedarfsorientierte Politik für die Ankommenden in den Fokus stellen sowie deren praktische Ausgestaltung vor Ort.

Hinwendung zu einem positiven Integrationsdiskurs:

  • einen fakten- und lösungsorientierten Diskurs zu Flucht, Migration und Integration vorantreiben,
  • die Chancen von Integration betonen, Potenziale stärken und nutzen.

Strategische Vernetzung der Kommunen unter- und miteinander:

  • effiziente Integrationsarbeit durch gebündelte Ressourcen und klare Verantwortlichkeiten fördern,
  • eine „Community of Practice“ schaffen: stärkere Vernetzung innerhalb ihrer Verwaltungen und mit weiteren Akteur:innen, um Allianzen zu schmieden und Potenziale weiter auszuschöpfen.

Um resiliente Kommunen zu schaffen, haben 11 Kommunen in ganz Deutschland ihre Bedarfe formuliert:

Gute Strukturen für alle

  • Migration und Integration als Chance begreifen,
  • Integrationsarbeit als Gestaltungsaufgabe in Gesellschaft, Kommunalpolitik und -verwaltung verstehen,

Öffentliche Wahrnehmung

  • Engpässe bei Wohnen, Kinderbetreuung, Bildung und Gesundheitsversorgung belasten sowohl Neuzugewanderte als auch bereits Ansässige,
  • Resiliente Integrationsarbeit braucht nicht nur spezifische Angebote für Neuzugewanderte, sondern auch eine funktionierende soziale Infrastruktur für alle.

Gemeinsam agieren

  • ein gemeinsames Integrationsverständnis über verschiedene Verwaltungseinheiten hinweg etablieren,
  • nachhaltige Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft (insbesondere Migrant:innenorganisationen) fördern, um belastbare und aktivierbare Netzwerke für den Bedarfsfall zu schaffen.

Förderung: Robert Bosch Stiftung (Drittmittel)

Kooperationspartner:

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