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Migration und Arbeit: Mehr als eine Arbeitskraft
DeZIM Daten & Ergebnisse zu Migration, Integration und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt
Eingewanderte Menschen, Menschen mit Migrationsgeschichte und rassistisch markierte Personen* sind Teil der Arbeitswelt in Deutschland und übernehmen zentrale Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen. Auch in Bereichen, in denen Fachkräfte fehlen.
Gleichzeitig zeigen aktuelle DeZIM-Publikationen: Arbeit allein bedeutet nicht für alle gleichermaßen eine gleichberechtigte Teilhabe. Hürden bei Anerkennung, Zugang zum Arbeitsmarkt, Diskriminierung im Arbeitsalltag oder Armutsgefährdung trotz Erwerbsarbeit prägen die Erfahrungen vieler Menschen.
Gute Arbeit heißt deshalb mehr als Beschäftigung: Sie braucht faire Chancen, Anerkennung, existenzsichernde Bedingungen und Schutz vor Diskriminierung.
Gerade hier sind die Erhebungen und die Forschung am DeZIM von zentraler Bedeutung: Um datenbasiert auf die Lage von internationalen Fachkräften, Menschen mit Migrationshintergrund und rassistisch markierten Personen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinzuweisen und Handlungsempfehlungen für die Politik zu formulieren .
* Die Analysen in den NaDiRa-Berichten arbeiten u.a.mit Selbstidentifikation. Befragte können sich etwa als Schwarz, asiatisch, muslimisch oder osteuropäisch – im Bericht bisweilen zusammengefasst als „rassistisch markiert“ – sowie als Deutsche mit und ohne Migrationshintergrund verorten. Es sind mehrere Auswahloptionen gleichzeitig möglich.
Arbeit ist ein zentraler Ort gesellschaftlicher Teilhabe.
Eingewanderte Menschen sind längst Teil des deutschen Arbeitsmarkts. Sie sind häufiger prekär beschäftigt und üben Tätigkeiten unter ihrem Qualifikationsniveau und geringeren Löhnen aus. 1
2023 waren rund 70 % (69,2 %)2 der Eingewanderten im erwerbsfähigen Alter (15–64 Jahre) berufstätig und trugen zur Finanzierung des Sozialstaates bei.
Gleichzeitig sind mehr als 60% der Beschäftigten ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Fachkräfteberufen tätig. 2
2023 arbeiten 1,3 Millionen Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit anteilig besonders häufig in den beschäftigungs-starken Engpassberufen2:
35 % Gastronomieservice,
31,2 % als Koch/Köchin,
29,7 % als Berufskraftfahrer/-in .
Arbeit schützt nicht alle gleichermaßen vor Armut.
Der NaDiRa-Fokusbericht „Grenzen der Gleichheit: Rassismus und Armutsgefährdung“ 3zu Rassismus und Armut zeigt:
Auch Menschen mit Vollzeitjob können armutsgefährdet sein — besonders Gruppen, die zugleich von Rassismus betroffen sind.
Trotz Vollzeitbeschäftigung ist von den Befragten jeder 5. muslimische Mann , jede 5. asiatische Frau und jede 5. Schwarze Frau in Deutschland armutsgefährdet.
Fachkräftemangel?
Fachkräftemangel und demografischer Wandel sind Dauerthemen in der Politik und den Medien. Migration wird dabei oft als Lösung präsentiert.
Das ist nicht falsch — aber unvollständig. Denn Menschen nur als „Arbeitskräfte“ zu sehen, blendet ihre Rechte, Erfahrungen und Lebensrealitäten aus.
Zehn Fokusgruppen4 im DeZIM-Projekt „Migrationsnarrative und demografische Potenziale“5 nehmen das migrationsbejahende Narrativ um Fachkräftemangel ambivalent auf:
Negativ: Es reduziert Migrant*innen auf ihren ökonomischen Nutzen und schließt etwa Personen aus, die weniger zum gesellschaftlichen Wohlstand beitragen können.
Positiv: Teilnehmende, die selbst zu Erwerbs- oder Bildungszwecken nach Deutschland gekommen sind, sehen für sich aber auch Chancen in einer solchen Erzählung.
Hürden auf dem Arbeitsmarkt
Viele Befragte5 kritisieren, dass Ankommen in Deutschland oft einfacher dargestellt wird, als es ist.
Arbeit allein bedeutet noch keine gleichberechtigte Teilhabe.
Viele Menschen arbeiten unterhalb ihrer Qualifikation, erleben Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt oder sind trotz Arbeit armutsgefährdet.
Hürden bestehen z.B:
beim Zugang zum Arbeitsmarkt,
bei Anerkennungsverfahren,
Wohnen,
Aufenthaltssicherheit und
im Umgang mit Diskriminierung.
Beispiel Pflege: Fachkräfte gebraucht, aber nicht immer geschützt
Die Ergebnisse des Policy Briefs „Rassismus in der Pflege: Zur Situation international angeworbener Pflegekräfte in Deutschland“6zeigen, dass international angeworbene Pflegekräfte Rassismus auf drei Ebenen erfahren (Strukturell, Institutionell, Interpersonell).7
Dazu gehören unsichere Aufenthalts- und Arbeitsbedingungen (strukturelle Ebene), intransparente Anerkennungsverfahren, fehlende Schutzkonzepte (institutionelle Ebene) und rassistische Erfahrungen im Arbeitsalltag (interpersonelle Ebene).
Die Folgen betreffen nicht nur die Pflegekräfte selbst — sondern auch die Qualität und Stabilität der Versorgung.
.... für Pflegekräfte
Mehrfachbelastungen gefährden Gesundheit und Integration.
Hohe Fluktuation: Fachkräfte kündigen.
Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit, geringere Schutzwürdigkeit der angeworbenen Pflegekräfte.
.... für das Gesundheitssystem
Qualität und Nachhaltigkeit der Pflegeversorgung leiden.
Mehr zur DeZIM-Expertise rund um Pflege und Betreuung finden sie Hier
Gute Arbeit braucht Strukturen, die Teilhabe ermöglichen:
Qualifikationen fair und transparent anerkennen,
Sprach- und Integrationsangebote zugänglich gestalten,
existenzsichernde Arbeitsbedingungen schaffen,
vor Diskriminierung am Arbeitsplatz schützen,
Sorgearbeit, Familie und unterschiedliche Lebensrealitäten mitdenken.
Publikationen zu diesem Thema
1 Kogan, Irena: Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern, in: Heinz Ulrich Brinkmann/Martina Sauer (Hg.), Einwanderungsgesellschaft Deutschland. Entwicklung und Stand der Integration, Springer Fachmedien, Wiesbaden, 2016, S. 177–199.
2 Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration zugleich Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus: Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft – Ein wissenschaftsbasierter und indikatorengestützter Lagebericht zum Stand der Integration in Deutschland (14. Integrationsbericht), Bundesregierung, Berlin, 2024.
3 Salikutluk, Zerrin; Podkowik, Klara (2024): Grenzen der Gleichheit: Rassismus und Armutsgefährdung: NaDiRa-Kurzbericht 1. Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).
4 Es wurden zehn Fokusgruppen mit Teilnehmenden aus unterschiedlichen sozialen Gruppen mit und ohne Migrationsbiografie befragt.
5 Christinck, Lea; Diekmann, Maya; Engler, Marcus; Palop-García, Pau; Rischke, Ramona; Yanaşmayan, Zeynep (2025): Jenseits der Verwertungslogik? Narrative zu Fachkräftemigration und demografischem Wandel. DeZIM Briefing Notes, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).
6 Gangarova, Tanja; Kechout, Johanna und Vogt, Hans (2025): Rassismus in der Pflege: Zur Situation international angeworbener Pflegekräfte in Deutschland. DeZIM Policy Briefs 6, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM).
7 Die Ebenen sind eng miteinander verflochten und verstärken sich gegenseitig.