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DeZIM_Lunch_discussion | Migrantisch engagiert: Zwischen Empowerment, Verunsicherung und Diskriminierung
Wann: Donnerstag, 29.1.2026 12:30-14:00 Uhr
Wo: Mauerstraße 76, 10117 Berlin, DeZIM_ saal, 3. OG
Zum Thema "Migrantisch engagiert: Zwischen Empowerment, Verunsicherung und Diskriminierung" fand am Donnerstag, den 29.1.2026 eine spannende Lunch_Discussion am DeZIM Institut statt. Im Mittelpunkt standen erste Ergebnisse aus dem Projekt "Diskriminierung und Engagement”. Unser Kurzbericht fasst die Veranstaltung zusammen, die zum Ziel hatte mit Akteur:innen aus Praxis, Politik und Wissenschaft gemeinsam zu diskutieren und in den Austausch zu kommen.
Empirische Studien deuten deutliche Unterschiede in Ausübung und Ausgestaltung bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland an. Insbesondere Personen mit Migrationshintergrund sowie Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft seien im Engagement weiterhin unterrepräsentiert, so auch der Vierte Engagementbericht der Bundesregierung. Am DeZIM-Institut wurden nun erste Ergebnisse des Projekts „Diskriminierung und Engagement“ (DeZIM in Kooperation mit GoVolunteer e. V.) vorgestellt, das diesen Befund als Ausgangspunkt nahm. Darüber sprachen Micha Klapp, Prof. Dr. Sabrina Zajak, Olga Evdokimova unter der Moderartion von Dr. Cihan Sinanoğlu und Dr. Elias Steinhilper nach einem Panelalk mit rund 60 Gästen aus der Engagementpraxis, Politik und Wissenschaft.
In der Projektvorstellung die auf quantitativen und qualitativen Erhebungen fußt (Fabio Best & Anna-Maria Meuth) wurde deutlich, dass der verbreitete Mythos, Migrant:innen seien weniger engagiert, unvollständig ist. Vielmehr engagieren sich migrantische Personen oft anders und weniger sichtbar, etwa informeller oder in anderen Strukturen. Gleichzeitig zeigt sich, dass Diskriminierung auch im Engagement stattfindet. In den präsentierten Zahlen berichteten fast 30 % der Personen mit Migrationshintergrund Diskriminierungserfahrungen im Engagement (gegenüber 13 % ohne Migrationshintergrund). Diskriminierung kann dabei sowohl Hürde sein wie etwa Rückzug, Hemmschwellen als auch Anstoß für Engagement im Form von Empowerment oder Selbstorganisation.
In der anschließenden Podiumsdiskussion (Moderation: Dr. Cihan Sinanoğlu) betonten Micha Klapp (Staatssekretärin im SenASGIVA), Sabrina Zajak (Sachverständigenkommission Engagementbericht; DeZIM) und Olga Evdokimova (GoVolunteer e.V.) vor allem Zugangsbarrieren wie Zeit, Ansprache und fehlende Begleitung. Micha Klapp benannte dabei zentrale Handlungsfelder der Berliner Verwaltung: die Anerkennung von Berufsabschlüssen, exemplarisch etwa spezifische Herausforderungen wie die Situation vietnamesischer Auszubildender in Berlin sowie Empowerment, damit Menschen ihre Rechte kennen und durchsetzen können. Verfügbare Zeit wurde mehrfach als entscheidende Hürde hervorgehoben, weshalb die Idee einer „Demokratiezeit“ (z. B. eine Stunde pro Woche) für Austausch über Rechte und gesellschaftliche Teilhabe diskutiert wurde. Zudem verwies Klapp auf das Vorhaben, in Berlin ein Landesfreiwilligengesetz auf den Weg zu bringen. Olga Evdokimova stellte GoVolunteer e.V. als Brückenstruktur vor, die in den letzten Jahren über 500 neu Zugewanderten bei der Aufnahme eines Engagements mit unterstützt hat. Klassische Freiwilligenagenturen können hier häufig nicht spezifisch genug begleiten, etwa bei Sprache, rechtlichen Fragen oder Orientierung im System. GoVolunteer e.V. schließe diese Lücke, sei jedoch bislang zu unsicher finanziert und brauche eine verlässlichere, politisch höher priorisierte Förderung. Sabrina Zajak betonte, dass es mehr Anerkennung und eine aktivere Ansprache brauche, also ein stärkeres „aufeinander Zugehen“, und dass Appelle allein nicht ausreichen. Notwendig seien strukturelle Veränderungen, insbesondere dauerhafte Kooperationen zwischen großen Trägern und migrantischen Organisationen, damit Zugänge langfristig entstehen. Im weiteren Verlauf kristallisierten sich zusätzliche Ansatzpunkte heraus: Förderstrukturen sollten entpolitisiert und verstetigt werden, Vielfalt proaktiv sichtbarer gemacht werden und Begleitung nicht nur praktisch, sondern auch rechtlich und psychosozial stärker mitgedacht werden, insbesondere wenn Diskriminierungserfahrungen im Engagement auftreten. Außerdem wurde Engagement als mögliches Sprungbrett in professionellere (Vereins-) Tätigkeiten diskutiert und u.a. der Bereich Sport als wichtiger Integrationsraum hervorgehoben. Gerade Jugendliche und Ältere sind Gruppen, die im Engagement häufig zusätzliche Unterstützung benötigen. In Zeiten knapper werdender Mittel werden Synergien wichtiger, dafür müssten aber zum Teil auch Förderrichtlinien angepasst werden.
Podiumsdiskussion mit
Micha Klapp (Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung)
Prof. Dr. Sabrina Zajak (DeZIM, Mitglied Sachverständigenkommission)
Olga Evdokimova (GoVolunteer e.V., Leitung)
Begrüßung: Dr. Elias Steinhilper (Co-Leitung Abteilung Konsens & Konflikt, DeZIM-Institut)
Moderation: Dr. Cihan Sinanoğlu (Leiter Nationaler Diskriminierungs und Rassismusmontor,)
Austausch mit dem Publikum
Publikationen:
- Best, Fabio/Zajak, Sabrina (2025): Diskriminierung als Schwelle zum zivilgesellschaftlichen Engagement: Eine empirische Analyse, in: Andrea Walter, Benjamin Haas, Andreas Kewes, Katharina Mangold, Julia Schlicht (Hrsg.): Umbruch, Druck, Transformation? Gegenwart und Zukunft des Engagements, Baden-Baden: Nomos, S. 47-61.
- https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/ministerium/berichte-der-bundesregierung/engagementbericht-250332
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und den gemeinsamen Austausch.